Der Käptn

Adrian Hoffmann

Matthias Kronsbein (24), Mikrosystemtechnik-Student aus Günterstal, wollte endlich auch ein Weblog haben. Allerdings wollte er sein Privatleben privat sein lassen, weshalb er sich entschied, von seiner Tretboot-Reise nach Amerika zu erzählen: Eine Reise nach Amerika und zurück ? das Logbuch. Alles frei erfunden. Er fährt halt gerne Tretboot, sagt er uns im Interview:



Wieso nennst du dich der Käptn?

Matthias: Weil ich nicht meinen echten Namen nennen wollte und dachte, dass Käptn einfach am nahe liegendsten ist, wenn es um ein Boot geht.

Was hat dein Blog für einen Hintergrund?

Na ja, eigentlich gar keinen. Ich fahre gerne Tretboot und ich wollte einfach mal was total Unrealistisches schreiben. Und da kam mir die Idee, über eine Atlantiküberquerung mit dem Tretboot zu schreiben. Eigentlich hätte ich auf meine Prüfungen lernen sollen, ich wollte mich aber ein wenig ablenken.

Du willst ironisch mit der Tatsache umgehen, dass immer mehr Menschen ein Weblog haben, oder?

Nein. Aber mittlerweile hat wirklich fast jeder sein eigenes Blog - und ich wollte AUCH eins haben.

Was stört dich daran, dass Leute ihr Privatleben in einem Blog ausbreiten?

Daran stört mich gar nichts. Ich würde nur mein Privatleben nicht im Internet ausbreiten wollen. Leute, die das tun wollen, sollen das auch tun. Das ist ja eben auch der Grund, warum ich mir so eine Geschichte ausgedacht habe. So kann ich ein Blog schreiben, muss aber nichts über mich erzählen.

Geht es vielen Besuchern so wie mir: Dass sie wirklich denken, du fährst mit dem Tretboot nach Amerika?

Im ersten Moment vielleicht schon. Zum Beispiel hat mir jemand, nachdem ich erst zwei Beiträge geschrieben hatte, einen mehr oder weniger bösen Kommentar geschrieben, wie unrealistisch das alles sei und dass das ja wohl niemals klappen würde. Unter anderem auch deshalb, weil es in New York gar keine Strände gäbe, an denen man mit einem Tretboot anlegen kann. Als ich ihn dann darauf hinwies, dass das nur ein Scherz sein solle, hat er natürlich gesagt das sei ihm klar. Wahrscheinlich hatte er es nur gut gemeint und wollte mich vor einem großen Fehler bewahren :-)Ich glaube aber, jeder, der ein oder zwei Einträge im Logbuch gelesen hat, sollte schnell merken, dass man mit einem Schleppnetz aus alten Bettlaken und einem Gespann von Delfinen vor dem Tretboot nicht sonderlich weit kommt auf dem Atlantik. Besonders wenn man als Proviant nur Tiefkühlpizzen und Süßigkeiten dabei hat.

Wie bist du auf die Tretboot-Idee gekommen?

Das war eine spontane Idee, die mir unrealistisch genug erschien, um die Lacher auf meiner Seite zu haben. Allerdings habe ich letzte Woche im Internet gelesen, dass das wohl wirklich schon einmal jemand gemacht hat. Aber nicht mit einem normalen Tretboot.

Was schreibst du so in deinem Blog?

Naja, ich schreibe mit welchen Schwierigkeiten der Käptn auf seiner langen Reise zu kämpfen hat und wie er immer eine passende Lösung zu jedem Problem parat hat. Ich schreibe dann Sachen, die mir einfach so einfallen. Wenn mir mal nichts einfällt, dann hatte der Käptn halt ein Funkloch und konnte nicht ins Internet gehen um Einträge zu machen.

Wer liest dein Blog?

Das weiß ich nicht so genau. Es muss sich ja niemand vorher anmelden. Ich denke mal, hauptsächlich Leute, die per Zufall auf die Seite kommen und gerade nichts Besseres zu tun haben. Allerdings habe ich auch schon von ein paar Leuten gehört, die sich die Seite zu den Lesezeichen hinzugefügt haben. Ich hab also schon sozusagen Stammleser ;-)

Welche Kommentare gibt es dazu?

Es war schon alles von "Wie bekloppt ist das denn?!?" über "hmhm" bis "Das ist wirklich lustig!" dabei.

Fühlen sich andere Blogger geärgert?

Ich hoffe nicht. Ich will damit ja niemanden ärgern, ich will einfach nur 'ne lustige Geschichte schreiben, ohne jemandem damit auf die Füße zu treten.

Offensichtlich macht es dir mittlerweile Spaß. Wie lange wirst du die Idee fortführen?

Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht, sonst hätte ich wahrscheinlich gar nicht erst angefangen. Ich werde das noch so lange machen bis mir entweder nichts mehr einfällt oder es niemand mehr liest. Dann muss das Boot eben untergehen ;-)Vielleicht kommen ja auch noch viel mehr regelmäßige Leser dazu und ich kann Käptn T-Shirts, Klingeltöne, und Plüschtretboote verkaufen und ein Buch daraus machen. Aber wohl eher nicht. Und in spätestens sechs Monaten ist die Reise ja auch vorbei, dann muss ich mir was Neues ausdenken. Vielleicht mit dem Skateboard durch die Wüste oder so.

Woher hast du deine Ideen?

Die kommen ganz spontan. Wenn ich keine hab', dann schreibe ich halt nichts.

Wirst du später wirklich mal mit dem Tretboot losschippern?

Na klar, aber nicht länger als ein oder zwei Stunden auf dem Schluchsee. Dann habe ich nämlich immer schon Muskelkater.