Der Hymnensinger

Jonas Frankenreiter

Eugen Zak ist 21 Jahre alt und Student der Musik in Freiburg. Am Samstag war er vor 4000 Zuschauern als Sänger beim Eishockeyländerspiel Deutschland gegen Russland in der Freiburger Eishalle im Einsatz. Das Besondere: Eugen hat vor dem Spiel nicht nur die deutsche Hymne gesungen, sondern auch die russische. Warum ihm das akzentfrei gelang (mit Video):



Du hast am Samstag vor 4000 Zuschauern in der Freiburger Eissporthalle vor einem Eishockeyländerspiel die Nationalhymnen von Russland und Deutschland vorgetragen. Wie aufgeregt warst du vor diesem Auftritt?

Eugen Zak: Normalerweise bin ich bei einem Auftritt oder Konzert ein bis eineinhalb Stunden davor wirklich aufgeregt. Jetzt, am Samstag, war ich eigentlich ziemlich relaxt, denn trotz der 4000 Zuschauer wirkte es durch die Bauart des Stadions, als wären es nicht so viele. Erst als die Mannschaften aufs Eis liefen und man den ganzen Krach der Zuschauer hören konnte, muss ich gestehen, war ich ziemlich aufgeregt. Mir kam dann der Gedanke, dass ich die Hymnen vielleicht doch etwas besser hätte vorbereiten können.

Video: Eugen Zak singt die russische Nationalhymne



Du hast beide Hymnen akzentfrei vorgetragen - wie kommt das?

Eugen Zak: Ich bin 1995 aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Meine ganze Familie kommt ursprünglich aus der Ukraine. Die Ukraine ist ja eine ehmalige Republik der Sowjetunion, in der Russisch gesprochen wurde, deshalb rede ich mit meinen Eltern zu Hause ausschließlich Russisch. Es war also kein Problem für mich, die russische Nationalhymne zu singen, obwohl ich sie nicht kannte, muss ich gestehen, ich musste sie mir dann doch beibringen. Den Text konnte ich aber natürlich akzentfrei wiedergeben.

Welche Hymne berührt dich emotional mehr - die russische oder die deutsche?

Eugen Zak: Die Deutsche. Die Russische hat für viele Leute anderer Nationalitäten etwas Besonderes, weil sie so pompös ist. Und genau das mag ich an ihr nicht. Sie ist wirklich sehr kraftvoll, und ich finde das übertrieben.

Die Deutsche Hymne besteht ja nur noch aus der 3. Strophe, also der zahmsten Strophe. Ich finde sie sehr sympathisch. Es geht weniger darum, dass das Land so toll und schön ist. Es geht eher um die Frage, was man tut, damit das Land gut bleibt.

Hast Du dir schon die TV-Aufzeichnung deines Auftritts angesehen?

Eugen Zak: Ja, mein Vater hat das Spiel auf Videokassette aufgezeichnet. Der Großteil der TV-Zuschauer hat wahrscheinlich gar nicht gehört, wer ich überhaupt bin. Denn als ich aufs Eis geführt wurde und als Eugen Zak, Student der Musikhochschule Freiburg, vorgestellt wurde, gab es im Fernsehen einen AC/DC-Song zu hören, der meine Vorstellung versehentlich überspielt hatte. Im Fernsehen hat man dann versucht, diesen Fehler unkenntlich zu machen, sie haben dann versucht die Musik als eine Art Einleitung zu nutzen. Aber ich glaube, man hat schon gemerkt, dass das nicht ganz geplant war.

Deutschland hat ja das Länderspiel gegen Russland mit 4:3 gewonnen. Wem hast du die Daumen gedrückt?

Eugen Zak: Im ersten Drittel hab ich mich schwergetan, aber ich war dann schon für Deutschland. Einfach deshalb, weil Deutschland der Underdog war. Am Anfang hat man auch gesehen, dass die Russen spielerisch ein höheres Niveau hatten. Die Deutschen mussten dann schon kämpfen.

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  • Eugen Zak (Foto unten) ist 21 Jahr alt und studiert in Freiburg im 2. Semester Musik  (Schwerpunkt Gesang) und Englisch auf Lehramt. Er wurde in Kiew (Ukraine) geboren und lebt seit 1995 in Deutschland. Nach seinem Studium will er sich erstmal weiter der Musik widmen, für später kann er sich den Lehrerberuf vorstellen.



[Fotos: Achim Keller, privat]