Theater Freiburg

Der Grafiker Michael Genter hat fürs Junge Theater einen neuen Look kreiert

Frank Zimmermann

Sieben Jahre lang zierten die Programmhefte des Jungen Theater am Theater Freiburg Fotos von Oliver Rath. Nach seinem Tod 2016 musste ein Neuanfang gemacht werden. Jetzt illustriert das Material der Grafiker Michael Genter.

Das junge Theater, die vierte Sparte des Theaters Freiburg, setzt seit Jahren bei Programmheften und Plakaten auf eine eigene einprägsame, stilbildende Bildsprache. Zentral für die Wirkung des Jungen Theater waren sieben Jahre lang die Aufnahmen des Fotografen Oliver Rath, der im August 2016 mit 38 Jahren starb. Im Mittelpunkt seiner Bilder standen die Menschen, die beim Jungen Theater mitwirkten. An seine Stelle treten nun nicht die Arbeiten eines anderen Fotografen, sondern Illustrationen von Grafik-Designer Michael Genter.


"Seine kräftigen Fotos wollten wir nicht mehr fortsetzen. Wir hatten nun das Dilemma: Wie sollten wir einen Neuanfang bebildern?" Michael Kaiser über die Theater-Fotos von Oliver Rath
"Er konnte super mit Kindern und Jugendlichen umgehen", würdigt Michael Kaiser, Leiter des Jungen Theaters, Oliver Rath: Für jede Spielzeit habe dieser drei Tage lang unendlich viele Motive fotografiert, das Feedback sei stets super gewesen. Die Jugendlichen hätten sich in Raths Fotos sehr stark wiedergefunden. "Seine kräftigen Fotos wollten wir nicht mehr fortsetzen. Wir hatten nun das Dilemma: Wie sollten wir einen Neuanfang bebildern?" Den Neuanfang bezieht Kaiser auf den neuen Theaterintendanten Peter Carp und sein Team, die eine neue Theatersprache und neues Personal mit nach Freiburg bringen. Kaiser, seit 2006 am Theater, ist der einzige Spartenverantwortliche, der nach dem Abgang von Barbara Mundel am Theater geblieben ist.

Ausdrucksstarke, dynamische Illustrationen

Für die neue Aufgabe, das Label "Junges Theater" im Programmheft, auf der Internetseite, auf Plakaten, Flyern und Postkarten zu gestalten, hat Kaiser den 30-jährigen Michael Genter entdeckt. Wichtig sei der Wiedererkennungswert. Genters Arbeiten habe er "aus der Ferne" verfolgt, auf Vernissagen und in sozialen Medien. "Ich fand seine Illustrationen großartig und habe mich beim Neuanfang an ihn erinnert." Für Kaiser darf Kinder- und Jugendtheater komplex sein; die Illustrationen müssten das Programm nicht eins zu eins widerspiegeln. Im Mittelpunkt von Genters Zeichnungen stehen Menschen, meist junge, nur das "Dschungelbuch" wird durch einen sich an einen Ast klammernden Affen dargestellt, über dem eine Krone schwebt. Kafkas "Verwandlung" (Premiere im April 2018), oft dargestellt durch ein Insekt, ist eigentlich kein Stoff für Kinder. Michael Kaiser und sein Team wollten bewusst kein Insekt als Illustration ihrer Geschichte. Genter stellt die Verwandlung mit einem Junge mit Basecap dar, der in seine Hose guckt – er ist in der Pubertät, sein Körper wandelt sich.

"Nichts ist ehrlicher als der schwarze Strich auf einem weißen Blatt." Michael Genter
Michael Genter, 1987 in Freiburg geboren, wohnt und arbeitet im Stühlinger. Geprägt war seine Jugend durch Graffiti. Schon als Kind sei er von Zeichentrickfilmen fasziniert gewesen. Als gelernter Bauzeichner arbeitete er drei Jahre im Beruf. Nach seiner Zeit als Zivi bei einem mobilen Pflegedienst entschied sich Genter für einen Schnitt, er wollte seine Zeichenleidenschaft zum Beruf machen, ließ sich zum Grafik-Designer ausbilden. Danach arbeitete er für eine Firma in Lahr, ehe er freischaffend Aufträge umsetzte. Heute macht er beides parallel.

Genter liebt es, Menschen zu beobachten, stets hat er ein Skizzenbuch dabei. Er macht das am liebsten auf der Straße. Es gehe ihm bei seinen Figuren um Emotionen, er sucht das Wesen in den Menschen, arbeitet mit Mischtechniken – mit Tusche, Acrylmarkern, Aquarell und Sprühlack, am liebsten Schwarz-Weiß oder monochrom. Denn: "Nichts ist ehrlicher als der schwarze Strich auf einem weißen Blatt." Genter legt Wert auf Intuition, auf wilde Striche und Dynamik. Und genau das gefällt Michael Kaiser. "Perfektion interessiert uns nicht so sehr."