Der gestohlene Feiertag

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass das Bruttoinlandprodukt Deutschlands nächstes Jahr garantiert wachsen wird? Verantwortlich für diesen sicheren Effekt zeichnen weder die Große Koalition, der Klimawandel, noch Knut oder Dieter Bohlen, sondern der Mond. Durch seine Wanderung durch den Kalender dürfen wir alle nächstes Jahr mindestens einen Tag mehr arbeiten.

Im Jahr 2008 nämlich entsteht durch den ungewöhnlich frühen Ostertermin ein recht seltenes Ereignis: Der an Ostern gebundene und deshalb ebenfalls bewegliche gesetzliche Feiertag Christi Himmelfahrt fällt auf den ersten Mai!


Zuletzt gab es diese Dopplung 1913, damals musste der Tag der Arbeit allerdings noch sechs Jahre warten, um ein offizieller Feiertag in Deutschland zu werden. Und es wird danach noch bis 2160 dauern, bis die beiden Feiertage wieder auf einem Donnerstag zusammentreffen.

Durch den daraus folgenden Wegfall eines freien Tages erhöht sich die Wirtschaftsleistung automatisch um ein knappes halbes Prozent, da einfach einen Tag länger gearbeitet wird. Der gleiche statistische Effekt entsteht, wenn Feiertage auf einen Sonntag fallen. Das passiert aber deutlich öfter als diese ungewöhnliche Feiertagsdopplung.

Deshalb sollte man einfach den kommenden Dienstag in diesem Jahr noch als singulären Feiertag (vielleicht samt Brückentag) richtig genießen, im nächsten Jahr muss man an einem Tag für zwei entspannen.