Der Gang zum Klo

Lorenz Bockisch

Jeder kennt es, der schon einmal einen Abend lang durchgehend getrunken hat: Am Anfang hält man es sehr lange aus, bis man das erste Mal den dringenden Gang zur Toilette antreten muss. Doch danach scheint es, als seien alle Dämme gebrochen und man muss nahezu alle halbe Stunde Wasser abschlagen. Der Spruch "Gehst du einmal, gehst du immer" hat leicht erklärbare körperliche Gründe.

Sitzt man in der Kneipe und lässt das erste Bier in sich hineinlaufen, so landet das erstmal im Magen. Von dort tritt es peu á peu den weiteren Gang durch den Verdauungstrakt an. Erst im Darm wird das Wasser absorbiert und kommt in den Blutkreislauf. Und erst wenn das Blut wiederum durch die Niere gefiltert wird, wird die überschüssige Flüssigkeit in die Blase abgegeben.


Dieser Vorgang dauert an die zwei Stunden. Doch bleibt es in gemütlicher Runde selten bei einem Bier und der geübte Trinker kann sich in dieser Zeit weitere Halbe in den Kopf stellen, ohne einen Harndrang zu verspüren. Doch wenn die Blase – sie fasst circa einen halben Liter – gefüllt ist, muss man dringend mal. Der Unterschied zur ersten Blasenfüllung ist im folgenden jedoch, dass kontinuierlich weiter gesoffen wurde; jetzt muss der Zecher ständig wieder aufs Klo.

Beim ersten Gang auf die Toilette nach zwei Stunden wurde also höchstens das erste Bier ausgeschieden. Die nächsten zwei bis fünf befinden sich aber schon auf dem halben Weg und man rennt in deutlich kürzeren Abständen zum Orkus.

Zusätzlich hat Alkohol auch noch eine gewisse harntreibende Wirkung, beschleunigt den Prozess also zusätzlich. Aber der Effekt, dass man zu fortgeschrittener Stunde in kürzeren Abständen muss, würde auch beim Konsum von zwei Litern Cola auftreten. Nur tut sich selten jemand derartige Mengen Zuckerwasser an.