Der fudder-Check: Wie aktiv sind Südbadens Bundestagsabgeordnete auf Facebook und Twitter?

Fabian Fechner

Obama macht's vor: Zeitgemäße Kommunikation zwischen Politikern und ihren Wählern findet auch in sozialen Netzwerken statt. Etwas mehr als drei Viertel aller Bundestagsabgeordneten sind auf Facebook aktiv, rund die Hälfte hat ein Twitter-Profil. Wie aktiv sind Südbadens Mitglieder des Bundestags? fudder-Autor Fabian Fechner hat ihre Online-Profile unter die Lupe genommen:

Die gute Nachricht zuerst: Alle südbadischen Bundestagsabgeordneten sind im Social Web aktiv. Bei Facebook liegen sie sogar über dem Bundestagsdurchschnitt, denn ausnahmslos jeder hat dort ein eigenes Profil. Der Grad der Aktivität variiert stark - zwischen hyperaktiv und regungslos.


Die Netzwerk-Muffel sind in guter Gesellschaft: Eine Studie der Universität St. Gallen hat ergeben, dass nur ein Prozent aller Volksvertreter die sozialen Netzwerke tatsächlich aktiv nutzt. Bei Twitter haben immerhin zwei Drittel der südbadischen Abgeordneten einen eigenen Account. Aktiv genutzt wird der Kurznachrichtendienst von drei südbadischen Volksvertretern. Unter die Top 10 der aktivsten Bundestagstwitterer von bundestwitter.de schafft es allerdings keiner von ihnen.

Wenn ein Politiker nun soziale Netzwerke nutzt, heißt das aber noch lange nicht, dass man als Wähler immer persönlich mit seinem Abgeordneten kommunizieren kann. Mehr als die Hälfte der Abgeordneten unseres fudder-Tests lassen zumindest teilweise ihre Mitarbeiter posten.

Armin Schuster (CDU), ein Neuling im Bundestag, wurde das bei seinem Antritt sogar von vermeintlich erfahreneren Kollegen empfohlen. Schließlich habe man als Abgeordneter für „so etwas“ nicht auch noch Zeit. Ob ein Politiker tatsächlich selbst twittert und postet, merkt man häufig daran, wie unregelmäßig er oder sie aktiv ist.

Die Übersicht: Wie aktiv sind Südbadens Bundestagsabgeordnete auf Facebook und Twitter?

 
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Zum Vergrößern der Infografik bitte Bild klicken.

 

Kerstin Andreae, B90/Die Grünen


Kerstin Andreae ist die erfahrenste Twittererin unter Südbadens Bundestagsabgeordneten. Sie ist am längsten dabei, hat die meisten Tweets und Follower. Sucht man etwas, findet man auch richtige Gespräche, etwa über den Schuldenabbau. Kurz: Sie nutzt das Medium im Sinne seiner Erfinder. Nur das automatisierte Twittern von eigenen Website-Artikeln nervt ein bisschen.

Auf Facebook begrüßt den Nutzer kein knallig grünes Titelbild, sondern nur gähnende Leere. Dafür stimmt der Inhalt, so fordert sie zum Beispiel in der Sexismusdebatte eine klare Stellungnahme von Rainer Brüderle. In die mehr als 50 Kommentare umfassende Diskussion unter diesem Post greift sie allerdings nur einmal ein. Da geht noch mehr. Daran, dass sie ihre Freunde auch mal um Hilfe bei einem Softwareproblem bittet, merkt man, dass sie das Medium und die Nutzer ernst nimmt.  

Thomas Dörflinger, CDU


Das Facebook-Profil von Thomas Dörflinger kommt etwas verstaubt daher. Um Updates zu bekommen, muss man eine Freundschaftsanfrage verschicken – unsere wurde nach fünf Tagen beantwortet.

Die Abonnieren-Funktion hat er nicht aktiviert – Facebook anno 2008. Immerhin kann man sein Profil einsehen, ohne mit ihm befreundet zu sein. Während unseres Testzeitraums ist die Chronik zunächst noch mit Bildern von Schülergruppen vor der Reichstagskuppel zugepflastert; jetzt mehren sich nützliche Infos, etwa über den Weiterbau der A98.

Trotzdem wünscht man sich noch mehr Antworten auf Kommentare und Posts und weniger Verweise auf seine Website. Immerhin erfährt man Persönliches abseits der Vita: MdB Dörflinger findet Max Raabe und den SC Freiburg gut.

Obwohl Thomas Dörflinger sich schon 2009 als @thodoe auf Twitter angemeldet hat, scheint sich das für ihn wohl nicht rentiert zu haben: Nach einem halben Jahr und sechs Tweets war Schluss.    



Elvira Drobinski-Weiß, SPD

Auf der Facebook-Seite von Elvira Drobinski-Weiß weiß man sofort, woran man ist: Die Farbe Rot dominiert das Titelbild. Deutlich wird auch darauf hingewiesen, dass die Seite, die mehr als 559 „Gefällt mir“ vorweisen kann, von ihr und einer Mitarbeiterin gemeinsam betreut wird. Wer welchen Beitrag geschrieben hat, wird mit einem Kürzel vermerkt - das ist best practice.

Trotzdem wirkt alles etwas steril. Das schlägt sich dann auch in einer etwas mauen User-Resonanz nieder, obwohl die Offenburger SPD-Frau nicht nur eigene Links postet, sondern auch mal einen Spiegel- oder Zeit-Artikel, etwa zu Datenlecks bei Instagram. Vielleicht würden noch mehr Bürgerinnen und Bürger die Facebook-Seite liken, wenn auf der gut gepflegten Website der MdB auf Facebook verwiesen würde.    

Gernot Erler, SPD


Auf Gernot Erlers Facebook-Seite ist Action: Erler veröffentlicht reichlich Pressemitteilungen oder verlinkt Artikel von der eigenen Website. Immerhin ist auch mal ein Video aus dem eigenen YouTube-Kanal oder ein Foto dabei, zum Beispiel von der Nominierungskonferenz seiner Partei.

Schade nur, dass die persönliche Note in seinen Statusmeldungen gegen Null tendiert. Man merkt deutlich, dass er das nicht selber macht. Unterm Strich aber ein zufriedenstellender Mix in einem klassischen Politikerprofil. Von einem gestandenen Abgeordneten wie Erler könnte man allerdings auch erwarten, dass er auf Twitter ist.  

Sibylle Laurischk, FDP


Sibylle Laurischk ist wohl das, was man einen sozial-medialen Totalausfall nennt. Auf Facebook ist sie zwar vertreten, jedoch ohne Titelbild und Abonnement-Funktion. Posts sind nicht sichtbar, zumindest nicht, bevor man befreundet ist.

Unsere Freundschaftsanfrage wurde innerhalb von zehn Tagen nicht angenommen. Die parteipolitische Zugehörigkeit ist das einzige, was man erfährt. Kurzum: Sibylle Laurischk legt keinen Wert auf Social Media. Muss erwähnt werden, dass sie nicht auf Twitter ist?

Wolfgang Schäuble, CDU


Wolfgang Schäubles Facebook-Seite spricht eine deutliche Sprache: Der Bundesfinanzminister rettet gerade den Euro und den Haushalt, daher hat er keine Zeit für Wählerkommunikation im Social Web.

Kein Titelbild, keine Interaktion, kein Pep und eine Chronik gepflastert mit Links zur eigenen Website und dem Finanzministerium. Was im Sommer 2009 mit Videos und Fotos gut angefangen hat, wurde schon wenige Wochen später - im Herbst 2009 - komplett vernachlässigt. Im gesamten Jahr 2012 wurden lediglich vier (!) Statusmeldungen gemacht. Schade. Ein Praktikantenprojekt, das nicht fortgesetzt wurde?

Das Alter ist übrigens keine Ausrede: Schließlich macht der nur zwei Jahre jüngere Kollege Erler vor, wie's besser geht.    

Armin Schuster, CDU



Armin Schuster twittert!
Und das sogar oft! Daher weiß man jetzt auch, dass Sissi (Teil I bis III) für ihn an Weihnachten dazugehört. Würde der CDU-Mann aus dem Wahlkreis Lörrach-Müllheim jetzt noch etwas weniger „Ich habe ein neues Foto auf Facebook gepostet“-Beiträge veröffentlichen, wäre sein Twitter-Profil prima. Re-Tweets sind allerdings ebenso Mangelware wie Tweet-Antworten.

Die Mischung aus politischen Informationen (zum Beispiel zur Rheintalbahn) und persönlichen Anekdoten (wie das Aussuchen des Narrenbaums) ist auch auf Facebook gelungen und man kann ihn abonnieren, ohne sich zu befreunden - eine für Politikerprofile sinnvolle Option.

Rita Schwarzelühr-Sutter, SPD


Rita Schwarzelühr-Sutter verfügt über ein ganz frisches Facebook-Profil – leider bisher nur für ein kleines Publikum von nur 75 Likern. Und das, obwohl vorbildlich auf der Startseite ihrer Website auf Facebook verwiesen wird - im Gegensatz zum Twitter-Account, den man nur findet, wenn man sehr sorgfältig sucht.

Ein direkter Austausch mit dem Wähler findet bisher selten statt. Der Mix aus Fotos (etwa von Besuchern aus Waldshut in Berlin), Videos, Posts sowie eigenen und fremden Links überzeugt allerdings. Die Frequenz der Beiträge ist noch etwas niedrig – da könnte das Social-Media-Team von Rita Schwarzelühr-Sutter noch mehr machen.    

Peter Weiß, CDU


Nach einem hübschen Titelbild wird man auf dem Facebook-Profil von Peter Weiß von seiner ellenlangen Vita erschlagen. Die kriegt man auch auf Wikipedia, und das vielleicht sogar objektiver. Zudem hindert auch hier noch die Freundschaftseinladung.

Positiv im Vergleich mit vielen anderen Pressemitteilungsschleudern: Das Profil des CDU-Manns wird dominiert von Fotos und eigenen Posts - zum Beispiel von der Umstellung der Straßenbeleuchtung im Wahlkreis auf LED. Allerdings werden die (seltenen) User-Kommentare kaum beantwortet.   fudder-Autor Fabian Fechner kommt aus Breisach und hat Internationale Beziehungen in St. Gallen sowie Europäische Politik in London (LSE) studiert. In seiner Masterarbeit untersuchte er die Web- und Social-Media-Auftritte von Europaabgeordneten.

Mehr dazu:

[Infografik: BZ; Bild Andrea: Bündnis 90/Die Grünen; Bild Dörflinger: BZ; Bild Drobinski-Weiß: SPD-Bundestagsfraktion; Bild Erler: SPD-Bundestagsfraktion; Bild Laurischk: dpa; Bild Schäuble: dpa; Bild Schuster: MdB-Büro; Bild Schwarzelühr-Sutter: SPD-Bundestagsfraktion; Bild Weiß: dpa]