Der Freikämpfer

David Weigend

Daniel Matuschek, 31, 83 Kilo, 1.80 Meter groß, wird am 6. Dezember bei der Fight-Night Freiburg antreten, in der Disziplin Free Fight. Der Cräsh-Türsteher hat uns vorab einen Eindruck davon gegeben, was das bedeutet.



Die Begegnung mit dem Kämpfer Daniel Matuschek beginnt mit einer Warnung. Wir haben uns standesgemäß am Fitness-Studio California verabredet und als ich mein Fahrrad abschließen will, sagt er: „Schließ’ es besser da dran. Hier hat mir auch mal einer versucht, das Rad zu klauen. Als ich den Typen gestellt hab, dachte ich, ich seh’ net recht: das war ein Kumpel. Der hat sich dann entschuldigt und meinte, er wusste nicht, dass es mein Rad ist.“


Wahrscheinlich hätte sich auch jeder andere Mensch bei Matuschek, den seine Freunde Mattu nennen, höflich entschuldigt. Nicht, weil er ein Bodybuilderbrocken wäre oder furchteinflößende Rhetorik beherrscht. Es ist sein Blick. Er hat etwas Unausweichliches, Fixierendes. Diese Augen suggerieren: wenn es darauf ankommt, zögert er nicht.



Wenn Daniel Matuschek in seinem schwarzen Trainingsanzug durchs California schlendert, gleicht das einer Abklatschrunde. Viele kennen ihn hier, mit einigen trainiert er. Mit Pascal Krauss zum Beispiel, der ebenfalls in der Fightnight kämpfen wird. Er macht gerade Sit-Ups. Als er Mattu sieht, steht er auf und umarmt ihn. Dann erzählt Pascal beiläufig eine Geschichte von einem Mann, der vor seinem Haus herumschleichen würde und ihm gedroht hätte. Spöttisches Gelächter, aber dann sagt Mattu: „Wenn’s Ärger gibt, rufsch mich an. Nimm des net auf die leichte Schulter. So e Gallo.“

Am 6. Dezember, wahrscheinlich gegen 22 Uhr, wird Mattu im Ring stehen. Mit Handschuhen, Mund- und Tiefschutz. Vor 1000 Zuschauern in der Güterbahnhofshalle. Sein Gegner heißt Ervin Dereschewski. Sie werden im Freefight gegeneinander antreten. „Eine Mischung aus Kickboxen, Boxen und Ringen. Es ist viel mehr erlaubt als in den anderen Kämpfen, die da stattfinden.“ Das heißt: man darf treten, schlagen, im Stand kämpfen und auf den Boden gehen. Der Kampf dauert zwei Mal fünf Minuten. Es sei denn, ein Kämpfer gibt vorher durch Abklopfen auf oder der Ringrichter bricht ab.



Drei Mal unter der Woche trainiert Mattu in Littenweiler brasilianisches Jiu-Jiutsu, samstags Vale tudo. Das ist portugiesisch und heißt so viel wie „alles geht“. Mattu hat sich das Logo seiner Kampfschule „Brazilian Jiu-Jitsu“ auf den linken Unterarm tätowieren lassen. „Wir trainieren zwar hart und hauen auch mal fest zu, aber wir verstehen uns auch gut. Es ist immer noch ein Sport. Und es ist ein Unterschied, ob ich einem eine reinhaue, der mich beleidigt, oder ob das im Training passiert. Man mag ja den anderen. Trotzdem will man hart trainieren.“

Mattu sitzt im Steakhaus und rührt im Kaffee. Er erzählt von seiner Herkunft. In Haslach aufgewachsen mit zwei Schwestern, beide Eltern Tierpfleger im Mundenhof. Mit 15 hat er ein wenig geboxt, dann aber wieder aufgehört. Vor zwei Jahren kam er mit Gregor Herb und seiner Jiu Jitsu-Schule in Kontakt. Seitdem ist das Training, neben seiner Arbeit als Türsteher im Cräsh, zum Lebensinhalt geworden. „Wir sind keine hirnlosen Schläger“, sagt er. „Es geht darum, Techniken auszuprobieren.“



Zweimal schon hat Mattu diese Techniken bei einer Freefight-Veranstaltung in Stuttgart angewendet. Ein Kampf endete unentschieden, den anderen gewann er mit einem Armhebel. Die Situation muss man sich so vorstellen: Er sitzt auf dem Brustkorb des Gegners in der so genannten Mount-Position. Dann klemmt er den Arm den Gegners zwischen seine Beine und zieht ihn weg. „Man hat eine gewisse Schmerztoleranz“, sagt Mattus Trainer Gregor Herb. „Aber man klopft dann als Unterlegener doch recht schnell ab.“

Herb sagt zum Gegner seines Schützlings: „Dereschewski ist größer und etwa 15 Kilo schwerer, das ist für ihn natürlich ein Vorteil. Und er ist ein Striker, also eher ein Kickboxer und Standkämpfer.“ Mattus Strategie dürfte darin liegen, den Kontrahenten in den Bodenkampf zu zwingen. Der ist seine Spezialität. "Da ist er technisch sehr versiert", sagt Herb.



Wieviel Antrittsgeld er für diesen Kampf bekommt, darüber will Mattu nicht sprechen. Schon gar nicht Mentor Krasniqi, der die Veranstaltung organisiert und die Kämpfer angeheuert hat. Krasniqi hat das Antrittsgeld mit jedem Sportler einzeln ausgehandelt. "Wenn ich da Beträge nenne, springt mir vielleicht einer ab", so Krasniqi, der selbst den Hauptkampf gegen den K1-Thaiboxer Senad Hadzic bestreiten wird.

Vielleicht ist der Kämpfertyp Mattu der Gegenentwurf zum so genannten Promiboxer, verkörpert durch die Freiburger DJs Al Kaporn und Robert Heart. Während die beiden Lokalgrößen im Vorfeld Sprüche klopfen, hält sich Mattu zurück, auch, als das Tonbandgerät abgeschaltet ist. "Ich nehme diesen Kampf schon sehr ernst."

Mehr dazu:

Web: Fight Night Freiburg
Was: Fight Night, Daniel Matuschek vs Ervin Dereschewski
Wann: Samstag, 6. Dezember, ab 20 Uhr
Wo: Alte Güterbahnhofshalle, Neulindenstr. 35

fudder.de: Mixed Martial Arts in Altenheim
fudder.de: Interview mit Mentor Krasniqi