Der Freiburger Tenzin Sherpa ist Dokumentarfilmer

Cristina Morales

Der Freiburger Tenzin Sherpa ist Kameramann und dreht Reportagen und Dokumentarfilme in Europa und Amerika. Wie es der 25-Jährige von seiner alten Digitalkamera ohne Tonaufnahme bis zu den Sets von Sat.1, ZDF und Arte geschafft hat.

Auf Bildern oder Erinnerungsvideos von Klassenfahrten ist Tenzin Sherpa meist nicht zu sehen. Schon damals steht er lieber hinter der Kamera. Als Teenager bekommt er dann seinen ersten Auftrag: Zwei befreundete DJs bitten ihn um ein Musikvideo.


Seitdem versucht der 25-Jährige seine Fähigkeiten zu perfektionieren, um immer den richtigen Moment einzufangen. Mit Erfolg: Er hat bis heute sieben Fotoawards gewonnen und große Dokumentarfilme für ARD, ZDF, RTL und ARTE gedreht.

Wenn Leidenschaft zur Berufung führt

Mit elf Jahren entdeckt der Freiburger mit tibetischen Wurzeln seine Liebe zur Kamera. Zwei Jahre später bekommt Tenzin seine erste eigene Digitalkamera geschenkt. "Das war so eine drei Megapixel-Kamera, die ohne Ton Videos aufzeichnete", sagt Tenzin. Aber sie steht noch heute in seinem Regal. Als Erinnerung an die Anfänge.

Tenzin nutzt damals jede Gelegenheit und fotografierte viel. "Ich habe immer die Fotos und Videos auf den Ferienfreizeiten meiner Jugendgruppe gemacht." Zusammen mit seinem besten Freund wird aus dem Filmen bald ein gemeinsames Hobby. "Wenn wir uns getroffen haben, wollten wir immer etwas drehen. Manchmal drehten wir einfach drauf los, ohne festen Inhalt", sagt Tenzin.

Erste Erfahrungen im Filmgeschäft macht der Freiburger nach dem Abitur. Für ein sechsmonatiges Praktikum als Aufnahmeleiter und Requisiteur bei Constantin Entertainment zieht er nach München. Durch ein Gespräch mit den Kameraleuten am Set kommt er auf den Gedanken, sich an der Bayerischen Akademie für Fernsehen zu bewerben – mit Erfolg.Sein Showreel – der Zusammenschnitt aus dem besten eigenen Filmmaterial – kommt bei den Hochschuldozenten gut an.

Von der Hochschule zu internationalen Aufträgen

Noch im selben Jahr beginnt Tenzin sein Studium zum Diplom-Kameramann. "Der zehnmonatige Trisemesterstudiengang beinhaltet viel Praxis. Das war super", sagt Tenzin. Am Ende des Studiums organisiert die Akademie einen Recruiting Day. An diesem Tag sind wichtige Arbeitgeber aus dem Filmgeschäft an der Hochschule, um sich ein Bild vom Nachwuchs zu machen. Die Chance für Tenzin, einen der begehrten Jobs in der Branche zu bekommen.

Er hat nur fünfzehn Minuten Zeit, sein filmisches Können zu beweisen. Er zeigt sein Showreel und erklärt dem Publikum seine Kameraarbeit. Ein Firmenvertreter wird auf ihn aufmerksam und erkennt sein Talent. Noch am selben Tag wird Tenzin von der Münchner Filmproduktionsfirma Bilderfest angeworben.

Ein Arbeitsangebot aus Amerika lehnt er ab

Mittlerweile hat der Wahlmünchner mit seinen Film- und Fotografiearbeiten schon an etlichen Wettbewerben erfolgreich teilgenommen. Im Jahr 2016 war er in einem Filmteam, dessen Regisseurin zur BR-Folge "Die Wärmewende – Die Zukunft des Wohnens" den Deutschen Journalistenpreis in der Kategorie Fernsehen gewann. Zudem konnte er viermal beim International Travel Photography Contest überzeugen.

Es folgt ein Arbeitsangebot aus Amerika. Doch das lehnt Tenzin vorerst ab. Stattdessen arbeitet er weiterhin als lichtsetzender Kameramann bei Bilderfest.

Unabhängig von seiner Festanstellung dreht Tenzin Kurzfilme, ab und zu auch Hochzeitsreportagen.
Am liebsten arbeitet er aber an großen Filmsets mit vielen Leuten. "Ein Projekt in Teamarbeit fertig zustellen, gibt mir als Kameramann ein Wahnsinnsgefühl", sagt er. "Letzte Woche habe ich meinen ersten großen Terra-X-Reenactment-Dreh als 2. Kameramann gemacht. Das war genial". Terra X Reenactment wird eine 90-minütige historische Doku, die 2018 ins Fernsehen kommen soll.

Zukunftsperspektiven

Auch, wenn er sich in München seit vier Jahren eine Basis und ein Kontaktnetzwerk geschaffen hat: Ganz verworfen hat Tenzin seine Auswanderungspläne in die USA nicht. Durch seinen Job ist er jetzt schon ständig im Ausland unterwegs. "Zur Zeit bin ich jede Woche in einem anderen Land, um dort an Dokus, Beiträgen oder Reportagen zu arbeiten." Dadurch hat er bereits ein Arbeitsvisum für die USA – das noch fünf Jahre gilt.

Nachwuchstalenten empfiehlt er so viel zu drehen, wie es geht. "Es gibt viele Leute, die in die Filmbranche wollen sich aber nicht trauen. Man muss die Hemmschwelle überwinden, ein Konzept schreiben und einfach loslegen", sagt Tenzin. Denn im Filmgeschäft bekomme man selten etwas geschenkt.