Nachruf

Der Freiburger Soziologe Baldo Blinkert ist gestorben

Thomas Goebel

Der Soziologe Baldo Blinkert war ein forschender Beobachter. Er prägte Studierende an der Albert-Ludwigs-Universität, für die er mit seiner warmen, offenen Art immer ansprechbar war - und die Stadt.

"Aktionsräume von Kindern in der Stadt" heißt eine Studie, in der der Soziologe Baldo Blinkert im Auftrag der Stadt Freiburg untersuchte, an welchen öffentlichen Orten sich Kinder eigenständig aufhalten und gefahrlos spielen können. Mit der Untersuchung von 1993, die als "Freiburger Kinderstudie" große Beachtung erfuhr, prägte Blinkert die Stadtplanungen der folgenden Jahrzehnte mit. Am Sonntag ist Baldo Blinkert im Alter von 75 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben.


"Soziologie lernt man nicht aus Büchern" sei der Leitsatz von Blinkerts Lehr- und Forschungsarbeit gewesen, schreibt sein Kollege, der Freiburger Soziologieprofessor Stefan Kaufmann in einem Nachruf: "Soziologie bedeutete für ihn in erster Linie sich in der Welt zu bewegen und sich umzuschauen: im Wohnumfeld, auf dem Spielplatz, am Arbeitsplatz, beobachten, was Jugendliche, was Behinderte, was ältere Menschen tun, zuhören, was sie zu erzählen haben."

Studierende schätzten Blinkerts Lehre und Persönlichkeit

1971 kam Blinkert als Wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Institut für Soziologie der Universität Freiburg. Hier lehrte der Akademischer Oberrat und außerplanmäßiger Professor fast vier Jahrzehnte bis zu seinem Ruhestand 2010 und schulte Generationen von Soziologiestudierenden in Forschungsmethoden. 1984 gründete er das Freiburger Institut für angewandte Sozialwissenschaft (FIFAS) mit, um Lehre und Forschungspraxis noch besser zu verbinden.

In seinen Forschungen beschäftigte sich Blinkert mit Kindheit, Jugend und Alter, mit der Organisation der Arbeitswelt, aber auch mit Kriminalität, Sicherheit und Sicherheitswahrnehmung. Seit Beginn 1993 bis 2003 erstellten Blinkert und das FIFAS auch den Mietspiegel für die Stadt Freiburg.

Erst im vergangenen Jahr beendete Blinkert eine Studie zu "aktivem Altern", weitere Forschungsanträge liefen. Die Freiburger Soziologie verdanke Blinkert eine besondere Art lokalräumlicher Verankerung, schreibt Kaufmann. Damit habe er ihr "Bodenhaftung verliehen".