Interview

Der Freiburger Rapper MC Prisma veröffentlicht am Dienstag sein Album "Golden Twenties"

Felix Klingel

Erst Wiehreboy, jetzt Great Gatsby im edlen Zwirn: MC Prisma veröffentlicht am Dienstag sein neues Album. fudder hat mit ihm über sein Leben und das Spiel mit verschiedenen Rollen gesprochen.

Prisma, wie geht es dir mit 25 in deinen Golden Twenties?

Gut soweit, man lebt. Klar geht es auf und ab, aber eigentlich kann ich mich nicht beschweren.

Dein neues Album hört sich so an, als hättest du gerade zu dir selbst gefunden. Ist das so?

Ja, das Album ist sicher eine gute Dokumentation von meinem jetzigen Stand. Wenn ich mir das aber in fünf Jahren anhöre, werde ich wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und denken: Ach komm, die Songs die ich jetzt mache sind viel krasser und die Themen wieder ganz anders. Aber so soll es ja auch sein: Es muss immer eine Entwicklung geben.



Andere sind mit 25 gerade in der Quarter Life Crisis und schlagen sich mit Perspektivlosigkeit oder Zukunftsängsten rum. Dir geht es nicht so?

Nein, das hatte ich glaube schon früher. Dadurch, dass ich recht gefestigt bin mit meinem Job hatte ich nicht diese Phase mit Schule und dann Studium und dann plötzlich auf sich alleine gestellt sein. Aber klar, die Frage wo geht es überhaupt hin, die stelle ich mir immer noch. Ich würde das jetzt aber nicht als Krise bezeichnen.

Dein vorheriges Mixtape hieß immerhin "Zwischen Depression und Größenwahn"…

Ich glaube, von der Thematik her schlägt auch das Album noch in diese Schiene. Tatsächlich war es so, dass eine Trennung mich wieder motiviert hat, das Album fertig zu machen und wieder mehr in meine Rapper-Identität hineinzugehen.

Unterscheidet sich diese denn von deiner normalen Identität?

Auch darum dreht sich das Album. Eigentlich ist man als Rapper authentisch und lebt dieses ganze Ding, und das würde ich von mir auch sagen. Ich bin sozusagen auch auf der Arbeit Rapper. So Dinge wie ein gewisses Selbstbewusstsein kann ich da schon einbringen.

Gleichzeitig spielst du aber gewisse Rollen, so wie im Titeltrack des Albums "Golden Twenties", in dem du einen auf Great Gatsby im edlen Zwirn machst ...

Früher habe ich gedacht, als Rapper muss ich immer total real belieben. Aber jetzt finde ich es ist ein total geiles Stilmittel, die Sachen etwas zu überspitzen. Und eben mal im Anzug in nem edlen Modehaus rumzuhocken. Klar werden das dann einige nicht feiern, aber Hauptsache, ich habe mein Ding auf die Spitze getrieben. Ich hatte schon immer Bock drauf, etwas Stilvolles und Ästhetisches zu machen. Nicht so diese typische "Wir-Rappen-In-Der-Tiefgarage-und-sind-die-Geilsten."



Die Gefahr dabei ist, dass deine Texte trotzdem komplett wörtlich genommen werden.

Klar, ich meine das teilweise auch ernst, aber es ist auch eine Menge Selbstironie dabei.

Damit bedienst Du ja zwei Elemente, die es im Hip-Hop immer wieder gibt: Übertreibung und Selbstironie.

Ja, oder auch in der Kunst generell. Da geht es ja immer darum, etwas anzuecken, zu übertreiben und etwas zu wagen.

Wie siehts es musikalisch auf deinem Album aus, ist der Sound auch an die 20er Jahre angelehnt, auf die du dich im Albumtitel beziehst?

Nein, das kann man nicht sagen. Musikalisch habe ich nur versucht, dass die Songs stimmungsvolle Melodien haben. Es ist also kein Boom-Bap-Rap, aber auch kein typisches Trap-Album. Es ist irgendwie ein Mittelding geworden.

Gedreht wurde das Video von "Golden Twenties" im Modeladen Wermter, welcher der Frau von Ex-Bürgermeisterkandidat Stephan Wermter gehört. Der ist mit rechtspopulistischen Aussagen in der Öffentlichkeit aufgetreten. Steckt in der Wahl des Drehortes irgendeine Message?

Nein, das hat sich einfach so ergeben. Ich wollte eigentlich im Colombi drehen, aber die haben abgesagt. Und dann bin ich dort rausgelaufen und habe den Laden gesehen und einfach dort angefragt. Der Zusammenhang war mir am Anfang auch nicht bewusst, aber die Inhaberin hat mir das von sich aus erzählt. Aber mir war dann ganz klar, dass das zwei verschiedene paar Schuhe sind und das nichts miteinander zu tun hat.
MC Prisma heißt im bürgerlichen Leben Valentin Fischer. Der 25- Jährige arbeitet in einer Freiburger Klinik. Sein neues Album "Golden Twenties" erscheint am Dienstag, den 15. Oktober, über Spotify und Amazon.

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