Straßenkonzert

Der Freiburger Jugendchor Voice Event ist die Talentschmiede von Twäng

Inanna Tribukait

Er ist die Talentschmiede vieler Twäng-Mitglieder gewesen: Der Jugendchor Voice Event. Chorleiter Christian Geugelin bezeichnet ihn als unbeabsichtigten Begabtenchor. Heute verabschiedet er sich mit einem Straßenkonzert auf der Kajo in die Sommerferien.

Wie läuft eine durchschnittliche Chorprobe ab?

Die Chorproben sind relativ vielfältig strukturiert, weil wir immer wieder Neusänger haben, aber eben auch Sänger die schon länger dabei sind. Wir versuchen natürlich die neuen möglichst schnell heranzuführen, deshalb bekommen sie ein halbes Jahr lang vor der eigentlichen Chorprobe noch eine Einführungsstunde. Sobald sie dann ein paar Stücke können, können sie beim nächsten Auftritt mitmachen und wachsen sehr schnell rein. Wir haben auch immer wieder Choreographen bei den Proben dabei, damit die Sänger lernen wie man sich beim Singen richtig und natürlich bewegt. Außerdem haben wir auch eine Stimmbildnerin, die am Anfang der Hauptprobe für zwanzig Minuten kommt. Das ist auch sehr körperbetont und mit gymnastischen Übungen verbunden.
Den Freiburger Jugendchor VoiceEvent gibt es seit über zwanzig Jahren. Die Mitglieder sind Jugendliche ab 13 Jahren und kommen aus 13 Schulen aus Freiburg und dem Umland.

Wie wird die Musik für ein Konzert ausgewählt?

Wir haben kürzlich beim Elyseeheim zum hundertjährigen Bestehen der AWO gesungen. Da waren viele ältere Leute da, das heißt man konnte auch so ein bisschen die Oldies rausholen, damit das Publikum zufrieden ist: etwas Klassisches, was in die Popliteratur passt, vielleicht auch mal ein deutsches Lied, denn 90 Prozent unserer Lieder sind auf Englisch. Dann versuchen wir es auch zu gliedern, da geht es auch um Spannung und Entspannung.

Und wie viel bringt sich der Chor bei den Arrangements mit ein?

Beim Arrangement hat der Chor erst mal nicht mitzureden. Das ist so gestaltet, dass die Chorsänger damit klarkommen – wenn wir sehen, das etwas nicht gut klingt, dann probieren wir rum, bis es vom Klang her passt. Der Chor bestimmt allerdings schon den Inhalt der Chorprobe mit – Durch die Neusänger ist es notwendig, dass man im Jahr ein paar mal an ein Stück rangeht – die erfahrenen Sänger haben dann schon Know-How und bringen das in die Proben mit ein. Es ist schon ein wichtiges Prinzip bei uns, dass sehr viel diskutiert wird. Wenn wir zehn Minuten was gemacht haben, dann kommen danach erst mal vier fünf Bemerkungen und Fragen, und die Schüler werden auch bei der Entscheidung miteinbezogen.

Wie ist bei euch der Gruppenzusammenhalt?

Ich würde sagen, dass der Chor einen ganz besonderen Zusammenhalt hat. Wir machen wenn es geht jedes Jahr eine größere Reise. Wir haben schon mal in Hamburg ein Konzert gegeben und sind anschließend für ein weiteres Konzert nach Holland gefahren und haben da auch ein Youtube Video gedreht. Und auch die Aufenthalte in Jugendherbergen und die Zeit vor den Auftritten fördern ungemein den Zusammenhalt. Die etwas Älteren fühlen sich dann auch verantwortlich, die jüngeren zu integrieren. So kommt es auch, dass sie meistens so lange bei uns aktiv bleiben wie sie können. Manchmal habe ich noch Sänger dabei, die selber schon im zweiten Studienjahr sind. Dann hat man in der Gruppe einen recht großen Altersunterschied und das funktioniert trotzdem seit vielen Jahren sehr gut.

Singt ihr mit Begleitung oder A-Capella?

Wir haben für viele Jahre immer grundsätzlich unsere Musik mit Klavierbegleitung gemacht, und das haben wir 2014 verändert. Da haben wir in mehreren Chorwettbewerben super Ergebnisse erzielt und waren auch so stark geworden, dass ich mich gefragt habe, wofür wir eigentlich noch eine Band brauchen. Deshalb haben wir es dann mit der Königsdisziplin A-Capella probiert und so singen wir seither. Das ist natürlich auch ein ziemlicher Qualitätsunterschied, weil man alles alleine machen muss und sich nicht auf die Klavierbegleitung verlassen kann.

Ihr macht auch immer mal wieder Benefizkonzerte. Wie wichtig ist denn der soziale Aspekt bei der Chorarbeit?

Der Sozialauftrag ist mir schon auch ein persönliches Anliegen und mit dem Jugendchor ist eine erzieherische Komponente mit verbunden. Die Jugendlichen lassen sich unheimlich gerne darauf ein, das gehört einfach zu unserem Tableau dazu. Bis vor zwei Jahren haben wir eine ganze Zeit lang in Rieselfeld in einer Gedenkkirche für verstorbene Kinder gesungen, das war immer ein emotionaler Höhepunkt des Konzertjahres.

Ihr seid als Chor mehrfach preisgekrönt – worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Ich war ursprünglich sehr klassisch ausgebildet und habe mich durch viele Workshops und Wettbewerbe fortgebildet. So haben wir viele andere Chöre gehört und dadurch gelernt. Die Beharrlichkeit vom Chor ist da auch unglaublich wichtig, dass man sich vorbereitet und bereit ist, mehr zu leisten.

Zum anderen haben sich im Chordurchschnitt die guten Sänger gehäuft, es hat sich quasi ein Begabtenchor ergeben ohne dass ich das erzwungen habe. Dadurch, dass die Stücke immer schwieriger wurden und die Ansprüche immer größer, kamen immer mehr Sängerinnen und Sänger die vielleicht auch nach genau so etwas gesucht haben, und da so auch ihre Gruppe gefunden haben – die mögen sich sehr aufgrund ihrer gemeinsamen Liebe zum Singen. Die Sänger, die da sind, haben die Fähigkeit, dass sie in kürzester Zeit das Programm sowohl gesanglich, als auch textlich und darstellerisch verstehen und auf sich selber übertragen. Wenn bei Jugendlichen viel Potential ist, dann geht’s schon mal los wie eine Rakete.
  • Was: Straßenkonzert des Freiburger Jugendchors Voice Event
  • Wann: 18 Uhr
  • Wo: Auf der Kaiser-Joseph-Straße vor dem Müller
  • Eintritt: Frei