Der erste Super-GAU

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 gar nicht die größte atomare Katastrophe der Geschichte war? Schon 1957 ereignete sich im russischen Majak, kurz hinter dem Ural, ein Unfall mit weitreichenden und -strahlenden Folgen.

In dieser geheimen Atomanlage wurde zu Sowjetzeiten das meiste waffenfähige Plutonium der UdSSR hergestellt. Am 29. September 1957 kam es in einem Tank für hochradioaktiven Flüssigabfälle durch ein fehlerhaftes Kühlsystem und einen Funken zu einer Explosion, bei dem eine sehr große Menge an radioaktive Substanzen freigesetzt wurde: Durch die fehlende Kühlung begannen die Flüssigkeiten zu trocknen, wobei leicht entzündliche Nitratsalze auskristallisierten.

Die Explosion war noch aus mehreren hundert Kilometern Entfernung zu beobachten. Von offizieller Seite wurde das Phänomen als Wetterleuchten oder Nordlicht abgetan.
In Mitteleuropa kam davon allerdings wenig bis gar nichts an, da die Katastrophe, im Gegensatz zum Tschernobyl-Unglück, hinter dem Uralgebirge passierte.