Der Chickenman checkt aus

Alexander Ochs

Chicks on the run!, möchte man mit gedämpfter Stimme rufen, die Hühner sind ausgeflogen. Oder vielmehr der Herr der Hühner, Imbissbetreiber Vural Salih. Der Chickenman vor der Stusie gibt auf. Warum?



Seit Jahresbeginn hat der Chickenman am Stusie-Parkplatz an der Sundgauallee sein Revier markiert, deutlich zu erkennen am Parfum de Broiler, das einem wochentags von früh bis spät in die Nase steigt – genauer gesagt: stieg. Denn seit gestern Abend ist der Ofen aus, kein Hühnerspieß dreht sich mehr, keine Pommes mehr werden gebrutzelt. Die letzten habe ich quasi gestern weggefuttert. Wofür sich der Broiler-Brutzler in seiner typischen Art noch überschwänglich bedankt.


Kürzlich hatte Vural Salih, der freundliche Endfünfziger im Imbisswagen, noch seine Zielmarke von 30 verkauften Hähnchen pro Tag verkündet. Hat er die erreicht? Oder hat sein Geschäftsmodell einfach nicht funktioniert? „Funktioniert hat’s schon mehr oder weniger“, antwortet der gebürtige Türke etwas ausweichend. „Aber dass ich von außerhalb kommen muss, das ist der Hauptgrund, warum ich aufhöre. Das kostet Extrageld.



„Und das Schlimmste ist, von meiner Familie getrennt zu sein,“ sagt der sichtlich geknickte Mann traurig, dennoch wie stets um gute Laune bemüht. Salih kommt aus dem hessischen Viernheim und hat auch seine umfangreiche Familie dort.

Zum Kehraus in Freiburg hat er noch seine Frau mitgebracht. Sie hilft ihm noch beim Saubermachen des naturgemäß nicht gerade fettarmen Imbisswägelchens. Am Mittwoch Nachmittag, kurz vor 16 Uhr, rotieren noch drei Hähnchen auf einem einzigen Spieß. Wenn die verkauft sind, fährt Salih heim, der Wagen bleibt da. „Vielleicht findet sich ja ein Nachfolger“, meint Salih, der die Hoffnung nie aufgibt. Mittlerweile ist der Wagen zu.

Wie geht es jetzt weiter? „Wie es weiter geht? Mal gucken...“



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Der Chickenman