Der Breakdance-Papst

Oliver Rath

Claudio Esposito ist "Auf dem Weg nach oben". Der Rapper aus Offenburg ist Chef seines eigenes Labels und arbeitet nebenbei als Breakdance-Dozent in einem Jugendzentrum. Wir haben ihn in seinem Studio besucht, um mit ihm über Bushido, verrückte Bühnenshows und die Zukunft des deutschen Hip Hop zu sprechen.



Wie bist du zu Hip Hop gekommen?

Ich war schon mit 7 oder 8 Jahren im Jugendzentrum und habe den Jungs beim Tanzen zu geschaut. Zuhause habe ich versucht, die Tanzbewegungen nachzumachen. Das war der Grundstein für das, was später kam. Durch meine Mutter bin ich mit Funk & Soul aufgewachsen, ich habe nur diese Musik gehört. 1994 fingen wir an, uns regelmäßig zu treffen und zu trainieren. Das war der Start meiner B-Boy Karriere.

Wann war deine erste Hip Hop-Jam?

Das war 1995 in Karlsruhe, die damals legendäre „Weiserose-Jam“. Too Strong, Advanced Chemestie und viele andere waren da am Start. Da hab ich mir die letzte nötige Packung Inspiration geholt.

Du bist Labelchef von „Streethop Records“. Wofür steht Streethop?

Streethop steht in erster Linie für realen Hip Hop und da der nun mal auf der Straße entstanden ist, passt Streethop ganz gut. Wir sind erwachsene Männer, die auf die 30 zugehen. Auf die „Jetzt-bau-ich-mir-mal-ein-Image-auf“-Nummer haben wir keine Lust mehr. Wir machen Musik, weil wir Spaß haben und nicht, weil wir mit aller Gewalt einen Majordeal wollen. Das ist für uns Streethop.



Wann und wie hast du mit dem Label angefangen?

Die Idee oder der Wunsch, alles selber zu machen, kam 2003. Ich hatte mit P-Vers einige Diskussionen. Er wusste nicht, bei welchem Label er sein Album „Tage voller Zorn“, das damals schon fertig war, rausbringen soll. Aus Verzweiflung wäre er beinahe bei den falschen Leuten gelandet. Da haben wir zusammen beschlossen, unser eigenes Label zu gründen. Unser erstes Mixtape war gleich ein guter Start für Streethop Records.

Wie schätzt du die nächste Generation ein?

Der Hip Hop hat sich sehr stark verändert. Hip Hop ist nicht mehr Kultur. Für viele Jugendliche gibt es Werte im Hip Hop gar nicht mehr. Sie treten alles mit Füßen, es fehlt ihnen an Respekt. Es ist an der Zeit, dass Leute wie wir die neue Generation teachen! Woher sollen sie wissen, was real ist, wenn nicht von uns?

Was war dein verrücktestes Erlebnis bei einem Auftritt?

Das war bei einer Session mit P-Vers in Ravensburg, bei der wir abwechselnd rappten. Ich hatte meinen Part gerade fertig und wartete auf den Einsatz von P-Vers, aber von ihm kam nichts. Als ich mich zu ihm umdrehte, war das Publikum schon am Lachen. Ein Pfarrer hatte ihn am Ärmel geschnappt und von der Bühne gezogen. Angeblich hätten wir mit unserem Lärm den Gottesdienst nebenan gestört. Ihr hättet das Gesicht von P-Vers sehen müssen, einfach zu geil.



Worum geht es in Eurem neuem Album?

Um vieles. Ich würde sagen, die Themenauswahl ist diesmal sehr gut gelungen. Fast jeder Song stellt ein Thema für sich dar. Wir haben tiefgründige Tracks zum Nachdenken, aber auch Funky-Tunes zum Abfeiern. Auch die ganzen Fake MC’s werden einige Battle-Tracks um die Ohren bekommen.

Welche Features können wir erwarten?

Wir haben Tracks mit Funkjoker Toni-L und dem Straßburger Frero von La Mixture. Außerdem die holländischen Oldschool-Legenden Zombi Squad und einige Jungs aus der Streethop-Click. Slona (365 Crew), Moree More, Maximum One und unsere Italia Connection sind ja sowieso bei jedem Streethop-Release am Start.



Wann steht die Veröffentlichung an?

Wir setzen alles daran, dass wir am 26. Januar im KiK in Offenburg unsere Release-Jam geben können.

Mit welchem Equipment arbeitet ihr im Studio?

Zurzeit nehmen wir unsere Tracks mit Nuendo auf. Unser Fireface ist das von RME 800, Beats machen P-Vers und ich meistens mit Reason, während andere Kollegen von uns mehr mit der MPC arbeiten.



Wenn du Labelchef eines großen Majors in Deutschland wärst, wen würdest du feuern und wen feiern?

Es gibt einige Bananenbieger, die ich gerne feuern würde. Oder ich würde wenigstens dafür sorgen, dass die Medien nicht alles als Hip Hop verkaufen. Einige Jungs haben Schande über unsere Kultur gebracht und der neuen Generation ein falsches Bild von Hip Hop vermittelt. Das finde ich persönlich sehr schade. Namen will ich nicht nennen, die richtigen Headz wissen sowieso, wen ich meine!

Du bist ein Vorbild für viele Jungendliche in Offenburg. Welche Tipps gibst du ihnen auf den Weg?

Stimmt, ich bin sehr aktiv in der Jugendarbeit und es macht mir Spaß mit den Kids zu arbeiten. Ich kann nur sagen, besucht meine Workshops und lernt was über eine Kultur, die weitaus mehr ist als Bushido und Co. Setzt euch Ziele und kämpft dafür, diese auch zu erreichen. Nur die Kämpfer werden Kings!

Was inspiriert Dich?

Wenn ich sehe, wie meine Schüler beim Breaken immer besser werden, das positive Feedback für meine Arbeit und die Neider und Hater, die es da draußen gibt. Das inspiriert mich immer wieder.



Wo siehst du den Rap in 10 Jahren?

Den wahren Rap sehe ich da, wo er jetzt ist: im Untergrund. Da gehört er auch hin, damit er seine Qualität behält. Natürlich werden uns einige schlimme Veränderungen im Mainstreambereich erwarten. Aber das hat nichts mit den Charts zu tun. Rap spielt sich auch in 10 Jahren ganz woanders ab.

Welche Alben und Videos plant Streethop?

Als nächstes kommt „Auf dem Weg nach oben“, das gemeinsame Album von P-Vers und mir. Dann erscheint im Februar 2008 das Soloalbum von Maximum One „Alarmstufe Rot“. Im Sommer 2008 ist ein Streethop-Sampler geplant, und ich arbeite auch schon fleißig an meinem Soloalbum „CL-AudioBiographie. Zurzeit drehen wir ein Video zu unserem Track „Wo ich herkomm“. Das könnt ihr bald auch auf Youtube sehen.



Kannst du mittlerweile von Hip Hop leben?

Ja, ich lebe quasi von und für den Hip Hop. Durch meine Tanzschulen und Workshops habe ich mir etwas aufgebaut. Freitags bin ich als Resident DJ in einem Offenburger Club („Schöllmanns“, Anm.). Ich lege hier und da auch mal auf anderen Partys auf. Ich habe Veranstaltungen, die ich seid 12 Jahren regelmäßig durchführe und bin nach wie vor mit meiner Crew „Rockin till Death“ unterwegs.

Irgendwelche letzte Worte?

Ich danke denen, die uns über so viele Jahre schon supportet haben. Wartet auf unser neues Album, wir werden euch nicht enttäuschen. Es wird die Herzen höher schlagen lassen von denen, die seit langem auf ein gutes deutsches Hip-Hop-Album warten.

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