Prozess gegen Hussein K.

Der Angeklagte war in der Tatnacht ein "social butterfly"

Frank Zimmermann

Am dritten Tag im Mordprozess gegen Hussein K. am Landgericht wird dessen Besuch in einer Innenstadt-Bar rekonstruiert. Die wichtigste Frage: Wie betrunken war er wirklich?

Am dritten Tag des Prozesses gegen den des Mordes an Maria L. angeklagten Hussein K. ging es ausschließlich um dessen gut zweistündigen Aufenthalt in der Schwulenkneipe "Sonderbar" in der Tatnacht. Befragt wurden zwei Barkeeper, der Pächter und mehrere Gäste. Sie schilderten ihre zum Teil sehr unterschiedlichen Eindrücke von K. Zudem wurde eine Aufzeichnung abgespielt, die eine Videokamera in der Innenstadtbar aufgezeichnet hatte. Der Angeklagte räumte nach Sichtung des Filmes gegenüber dem Gericht ein, sich darauf zu erkennen.


Der Zustand ist wichtig für die Schuldfähigkeit

Die Analyse des Bar-Aufenthalts war für das Gericht wichtig, um zu zeigen, in welchem Zustand K. wenige Stunden vor der grausamen Tat war – ob er stark alkoholisiert und unter Drogen war, so dass er möglicherweise nur vermindert oder gar nicht schuldfähig gewesen sein könnte.

Ein Barkeeper nannte K.s Verhalten das eines "social butterfly", der von Blüte zu Blüte gesprungen sei –womit er meinte, dass K. von Gast zu Gast gegangen und viele Kontakte geknüpft oder zu knüpfen versucht habe. Die meisten der als Zeugen geladenen Gäste der Bar beschrieben K. als an-, aber keineswegs betrunken. Dies will lediglich ein Stammgast der "Sonderbar" beobachtet haben.

Video-Analyse des BZ-Gerichtsreporters:



Bei der Polizei hatte er zu Protokoll gegeben: "Er war besoffen, aber konnte schon noch reden." K. habe geschwankt und sei beim Tanzen einmal auf den Boden gefallen, habe die Bierflasche nicht richtig halten können, Bier auf sein Hemd verschüttet und beim Rausgehen die Tür nicht gleich richtig öffnen können.

Zweifel an Zeugenaussage wegen des Videos

Oberstaatsanwalt Eckart Berger zog die Aussagen des Stammgastes in diesen Punkten allerdings in Zweifel, da nichts davon auf dem Video zu sehen sei. Auch andere Zeugen erinnerten sich an Vorgänge und Abläufe, die die Videoaufnahmen widerlegten.

Angeklagter zeigt zum ersten Mal eine Regung

Der homosexuelle Stammgast war der erste Zeuge im Prozess, der K. in einem positiven Licht beschrieb: "Ich fand ihn sympathisch." Es war auch das erste Mal, dass der Angeklagte eine Regung zeigte und einen Zeugen direkt anblickte. Er habe K. witzig gefunden und keineswegs übergriffig, auch nicht, als der ihm körperlich sehr nah gekommen sei und den Arm um seine Schulter gelegt habe. Dass der Angeklagte ihm mehrfach sexuelle Dienste auf der Toilette gegen Geld angeboten habe, habe ihn nicht weiter gestört. Er habe einfach dankend abgelehnt: "Nee Schätzchen, lass mal." Ohnehin habe er K. nicht abgenommen, dass er homosexuell sei: "Ich hatte vielmehr den Eindruck, dass es ihm ums Geld gehe."

Der Stammgast erinnerte sich vor Gericht daran, Hussein K. zwei Bier und drei Zigaretten spendiert zu haben. K. habe ihn auch gebeten, ihn mit nach Hause zu nehmen, was er jedoch abgelehnt habe.

Auch ein weiterer Gast, eine Industriekauffrau, hatte mit K. ein angenehmes Gespräch über ihre Arbeit in der Flüchtlingshilfe und tanzte mit ihm.

Eine andere Frau in der Bar empfand K. als aufdringlich. Immer wieder habe er sie zum Tanzen aufgefordert, obwohl sie ihm mehr als einmal deutlich gemacht habe, kein Interesse zu haben.
Info: Am 28. September wird weiter verhandelt.

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