"Dennach simma immer noch in's Schtädtle": Interview mit Niels Grötsch von Revolverheld

Marius Notter

Rock'n'Roll in sanft und Deutsch: Die Hits von Revolverheld sind allgegenwertig in Radio und Musikfernsehen. Sänger und Gitarrist Niels Grötsch (auf dem Foto links) hat mit fudder-Autor Marius Notter über den Erfolg, Jan Böhmermann und Unfälle auf der Bühne gesprochen:

Niels Grötsch (links), Gitarrist und Sänger bei Revolverheld.

Was verbindest Du mit Freiburg ?

Niels Grötsch: Schon unsere ersten Auftritte habe uns nach Freiburg, damals ins Jazzhaus, geführt. Mit Freiburg verbinde ich vor allem ganz tolles Wetter, eine wunderbare Studentenstadt und tolle Bauten. Bisher waren es auch immer super Konzerte, dennach simma immer noch in's Schtädtle.

Wie bereitet man sich nach Doppel-Platin und reichlich Live-Erfahrung auf eine Open-Air Tour vor?

Die Tourvorbereitung ist nicht wesentlich anders als früher – wir schließen uns in einen Proberaum ein und überlegen uns, wie wir unsere Songs besonders gut rüberbringen können.
Allerdings habe wir jetzt viel mehr Zeug dabei. Nicht mehr nur Gitarren und Schlagzeug, sondern auch viel mehr Licht und Specials. Die letzten zwei Jahre waren aber in der Hinsicht auch etwas krass für uns – was Zuschauerzahlen und die Größe der Bühnen angeht.

Ihr spielt nun schon seit 14 Jahren zusammen – welche Rituale haben sich im Laufe der Zeit etabliert?

Wir stellen uns vor Konzerten wie Fußballer in einen Kreis zusammen, pushen uns hoch, klatschen uns ab und schreien Rock’n’Roll. Dieses Ritual darf auch nie verändert werden, da sind wir schon etwas abergläubisch. Nicht auszumalen was passieren würde wenn wir das nicht machen würden!

Wenn wir schon dabei sind, wenn es mal schief läuft: Welcher Festival-Moment ist dir als besonders peinlich in Erinnerung geblieben?

Wir haben mal in Basel auf einem Schiff gespielt. Da bin ich während des Konzerts in die Luft gesprungen und dachte, ich mach mal einen coolen Move. Als ich gelandet bin, steckte ich allerdings in der Bühne. Zuerst habe ich mir natürlich Gedanken über mein Gewicht gemacht, als die anderen dann aber auch eingebrochen sind, war klar, dass da wohl beim Bühnenbau was schiefgelaufen sein muss. Gerade solche Geschichten machen aber auch das Spielen auf der Bühne aus. Das gehört dazu – ebenso wie die ein oder andere gerissene Saite oder Ähnliches.

Ihr spielt ja mittlerweile Shows vor vielen Tausend Menschen – vermisst Ihr die kleinen Bühnen manchmal?

Bei uns ist es so, dass wir beides sehr schätzen, die große Masse von Menschen und die Auftritte vor eher kleinem Publikum. Es ist natürlich eine andere Atmosphäre, wenn man die Reaktionen der Fans direkt wahrnehmen kann, weil sie unmittelbar vor einem stehen. Bei 20.000 Menschen ist das natürlich viel anonymer. Doch auch das macht uns extrem Spaß – wenn diese ganze Menge springt und mitsingt ist das atemberaubend. Die Abwechslung war für mich als Musiker aber schon immer total spannend und wir freuen uns, dass wir beides machen können.

Ihr seid ja auf einer kleinen Radio-Tour gewesen und habt dort sehr nah an euren Fans gespielt – wie sieht denn ein typischer Revolverheld-Fan aus?

Es gibt mittlerweile nicht mehr den klassischen Revolverheld-Fan. Früher war das anders, da waren wir jünger und viel in der Bravo. Dementsprechend waren unsere Fans. Jetzt gibt es keine Altersstruktur oder etwas, anhand dessen man unsere Fans wirklich kategorisieren könnte. Viele der Menschen, die heute auf unsere Konzerte kommen, sind mit uns gewachsen. Das freut uns natürlich sehr, weil wir uns ja auch in unseren Texten und der Musik, aber auch persönlich weiterentwickeln.

Ihr kritisiert in euren Liedern  hin und wieder elektronische Musik. Was stört euch daran?

Das ist natürlich mit etwas Ironie zu sehen. Allerdings gibt es da natürlich einige Beispiele an Bands, die sich da auf Links krempeln. Wenn man sie zum Beispiel Maroon 5 anhört – wie die angefangen haben und wie sie jetzt elektronischen Indie-Pop machen... Wir haben da mal rumprobiert, wir spielen schon mal mit solchen Elementen, aber mit House-Musik haben wir nichts am Hut. Ein Szenario mit Revolverheld plus DJ kann ich mir nicht wirklich vorstellen – wobei ich Dinge nicht gerne Kategorisch ausschließe.

Achtung, Fang-Frage: Findest Du nicht, dass es Stromverschwendung ist, das Licht für Dein Mädel die ganze Nacht anzulassen wie ihr in eurem Hit "Ich lass für dich das Licht an" singt?

Uh, das ist ja wirklich eine Fang-Frage – je nachdem, was ich jetzt hier sage, sieht es nicht gut für mich aus. Damit werden ja nur kleine Situationen beschrieben, die eine Liebe ausmacht. Es ist unsere Art, auf unkitischige Weise jemandem zu sagen, dass er ein ganz besonderer Mensch ist.

Wie geht man damit um, wenn im Internet eine Spaßversion des eigenen Hits plötzlich gehyped und sogar im Fernsehen gezeigt wird – wie vor einigen Monaten das Video "Worst Performance EVER"?

Das war natürlich sehr unglücklich, dass dieser Ausschnitt so im Internet aufgetaucht ist – als wir da in einer Talk-Show des NDR gespielt haben. Zum Glück konnten wir bei Jan Böhmermann nochmal zeigen dass wir ordentlich spielen können. Da haben wir dann schon reinen Tisch gemacht und das Lied auch gut performt, wie ich finde.



Revolverheld - Ich lass für Dich das Licht an



Verlosung

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Mehr dazu:


Was:
Revolverheld - Immer in Bewegung-Festival-Tour 2015
Wann: Donnerstag, 2. Juli 2015, 20 Uhr
Wo: Zirkuszelt auf dem ZMF
Tickets: ausverkauft

[Foto: Benedikt Schnermann/Veranstalter]