Denkmale vom Typ "Ätsch!"

Lorenz Bockisch

Denkmäler werden eigentlich zu dem Zweck erbaut, die nachfolgenden Generationen an bedeutende Ereignisse oder Personen zu erinnern oder zu ermahnen. Nicht immer aber bleibt die Erinnerung bei den Nachgeborenen im gleichen Sinne erhalten; vor allem dann, wenn die Machthaber wechseln. Dann kommt schon mal offiziell ein neuer Spruch dazu - wie in Koblenz. Oder ein neues Denkmal wird an makaber-passender Stelle hinzugebaut - wie auf den Phillippinen.

In einer Zeit, da Napoleon mit seinen Armeen noch von Sieg zu Sieg eilte, war auch der französische Statthalter in Koblenz 1812 so begeistert von seinem korsischen Kaiser, dass er in den Sockel einer großen Brunnenfigur den Gedenkspruch „Mémorable par la campagne contre les Russes – Sous le préfectura de Jules Doazan”( was so viel heißt wie „Denkmal für den Feldzug gegen die Russen – unter dem Präfekturat von Jules Doazan”) einmeißeln ließ. Nur war dieser Präfekt damit ein weinig voreilig; der Russlandfeldzug wurde zum Desaster.


Keine zwei Jahre später war Nepoleon mit seinen Armeen überhaupt nicht mehr erfolgreich und in Koblenz wimmelte es plötzlich nicht mehr von französischen, sondern von russischen Soldaten. Der neue Stadtkommandant war zwar auch Franzose, aber in russischen Diensten, und ließ dem Brunnenspruch eine Antwort dazumeißeln: „Vu et approuvé par nous commandant russe de la ville de Coblentz, le 1er janvier 1814”, zu deutsch: „Gesehen und genehmigt durch uns, russischer Kommandant der Stadt Koblenz, am 1. Januar 1814”.

Eine etwas andere Umdeutung der Geschichte fand auf der kleinen Insel Mactan/Philippinen statt. Dort starb im Jahre 1521 der berühmte Weltumsegler Ferdinand Magellan bei einem Kampf mit Einheimischen. Und obwohl Magellan eigentlich Portugieser war, bauten ihm die Spanier auf eben dieser Insel später ein monumentales Denkmal. Als die Philippinen 1946 – nach fast 300 Jahren als Kolonie Spaniens und später der USA – endgültig unabhängig wurden, störte dieses Denkmal der jahrhundertelangen Besatzer eigentlich.

Doch warum abreißen? Heute steht vor dem Magellan-Denkmal ein neueres Denkmal von einem gewissen Lapu Lapu. Diesem Stammeshäuptling wird zugeschrieben, Magellan eigenhändig erschlagen zu haben. Ob das genau stimmt, ist nicht mehr nachzuvollziehen, aber Lapu Lapu wird mit diesem Denkmal geehrt als erster Freiheitskämpfer gegen die Unterdrückung.