Demonstration gegen Mohammed-Video in Freiburg

Daniel Weber, Manuel Lorenz & Carolin Buchheim

In der Freiburger Innenstadt demonstrieren am Freitagnachmittag Muslime gegen das weltweit umstrittene Mohammed-Video. Es sind die ersten Proteste in Deutschland; die lokalen Sicherheitsbehörden sind in Alarmbereitschaft. Die Demo beginnt auf dem Karlsplatz; mehrere hundert Demonstranten sind gekommen.



15:06 Uhr
Die Demonstration ist noch nicht gestartet. Die Demonstrantinnen und Demonstranten - die Polizei spricht von 'mehreren hundert - haben sich am Karlsplatz versammelt, um von hier aus zum Rathaus zu ziehen.

Viele haben Schilder dabei. "Stoppt den Film über unsere Propheten!" - "Freie Meinungsäußerung ja - Beleidigung - NEIN!" - "Ich liebe Mohammed". "Wir verlangen Respekt für unseren Propheten." Ein älterer Herr trägt ein Schild mit der Aufschrift: "Bin nicht muslimisch demonstriere gegen jede Provokation und Gewaltanwendung in Sachen Religion. Für friedlichen Dialog."



Under den Demonstranten sind auffällig viele Frauen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Einer von ihnen ist  Hassan Ali Hussein, 24, aus Freiburg. Warum er heute demonstriert ist klar: "Ich bin für Meinungsfreiheit. Aber wenn man Religion beleidigt, dann geht das zu weit." Er glaubt nicht, dass die Demonstrationen in Deutschland so gewaltätig enden werden, wie in anderen Ländern. "Das muss friedlich abgehen."

Das Polizei- und Presseaufgebot ist groß.




15:37 Uhr
Die Demonstration hat sich noch nicht vom Karlsplatz weg bewegt, die Demonstrantinnen und Demonstranten reden miteinander und mit Passanten.

Auch Hanan Yassin, 24, ist dabei. "Ich demonstriere wegen dem Propheten Mohammed, dem Gesandten Gottes, den wir in unserer Religion lieben und ehren. Ich finde Religionen sollte Respekt entgegengebracht werden - nicht nur dem Islam, sondern allen Religionen."

Der Mann mit dem Schild "Bin nicht muslimisch demonstriere gegen jede Provokation und Gewaltanwendung in Sachen Religion. Für friedlichen Dialog." ist  Wolfgang Heinzmann, 63. "Die Wut auf die Herasgeber dieses Videos kann ich gut verstehen", sagt der Freiburger, der selbst aus der Kirche ausgetreten ist. "Ich gehe davon aus, dass diese sich Gewalt davon erhofft haben." Er ist grundsätzlich gegen Gewalt in religiösen Kontexten. "Man muß sich mit Religionen solidarisieren, wenn sie beleidigt werden."

Heinzmann wird immer wieder von Demonstranten, und Ordnern angesprochen; man heißt ihn willkommen, bedankt sich bei ihm für sein Kommen. "Wir sind froh, dass er gekommen ist", sagt ein Ordner, der seinen Namen nicht nennen will. "Unsere Bruderschaft, Nachbarschaft und Freundschaft soll nicht kaputt gehen."

Auch York Hilger aus Stegen (Bild unten) ist gekommen, um mit dem Demonstranten zu sprechen. "Meinungsfreiheit muß stattfinden", sagt der ehrenamtliche evangelische Pfarrer. "Aber sie darf nicht zwecklos sein und muß mit Respekt stattfinden. Ich verstehe die Proteste der Menschen, denn ihr Heiligstes wurde schwer beleidigt."

15:45 Uhr
Der Demonstrationszug zieht jetzt Richtung Rathausplatz. Die Polizei ist mit dem bisherigen Ablauf der Demo nach Angaben von Polizeipressesprecher Schmid übrigens zufrieden; der Veranstalter halte sich an alle Auflagen. Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl auf rund 500 Menschen.



15:56 Uhr
Der Demonstrationszug ist auf der Kaiser-Joseph-Straße. Die Demonstration erfolgt nach Geschlechtern getrennt: die Männer führen den Zug an; die Frauen gehen im hinteren Teil der Demonstration. Es gibt getrennte Sprechchöre, jeweils von einem Mann und einer Frau per Megafon angesagt.

16:09 Uhr
Die Demonstrantinnen und Demonstranten skandieren laut: "Schmerzen verbieten / Wahrheit bieten", ""Meinungsfreiheit - JA! Beleidigung - NEIN!" und "Die Würde des Propheten ist unsere Würde".



16:20 Uhr
Szene am Rande: ein frisch getrautes Brautpaar gerät nach der Trauung im Standesamt auf dem Rathausplatz in den Demonstrationszug.

16:21 Uhr
Die Demo wird immer größer. Menschen, die zufällig vor Ort sind und sich mit dem Anliegen solidarisieren, schließen sich dem Umzug an. Junge Männer brüllen die Sprechgesänge heraus, junge Frauen mit Kopftüchern schreien sie. In der ersten Reihe stehen Jungen im Grundschulalter. Sie haben beschriebene Pappen in der Hand und skandieren ebenfalls lautstark die Protest-Slogans.

16:25 Uhr Die Demonstranten marschieren weiter Richtung Rathausplatz. Immens großes Presseaufgebot: Filmteams, Kameramänner, Journalisten. Im Hof vor der Gerichtslaube steht ein Übertragungswagen des SWR. Ein Journalist spricht einen Nachrichtentext ein.

16:35 Uhr Die Demonstration endet auf dem hinteren Teil des Rathausesplatzes, wo weiterhin die verschiedenen Parolen geschrien werden. Zwischendurch fragt der Mann mit dem Megaphon die Meute, was man denn von der Videos habe, außer Gewalt? Die Antwort: „Nichts.“

Zudem wird betont, dass man Respekt für alle Religionen erwarte. Wenn der Mann am Megaphon nichts vorgibt, schreien Frauen und Männer, die versetzt stehen, Verschiedenes. Oftmals ergibt das dann einen lautstarken Brei. Viele Mädchen und Jungen stehen in den vorderen Reihen.



17:04 Uhr
Die Veranstaltung löst sich auf. Polizeipressesprecher Karl-Heinz Schmid: "Es gab nicht die geringste Störung. Die Gesamtlage war durchgehend ruhig. Das mediale Schreckensgespenst, das gezeichnet wurde, hat sich überhaupt nicht bestätigt. Die Kooperation mit dem Anmelder der Demonstration hat von A bis Z funktioniert; er war ständig ansprechbar und sein Ordnerdienst hat permanent funktioniert." Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl aktuell auf 850.

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