Democracy - demokratisches Internet-Fernsehen

Christoph Wendt

Ist das die Zukunft des Fernsehens? In den vergangenen Jahren hat sich das gute alte Fernsehprogramm stark verändert. Zwischen Spots für flippige Klingeltöne, Transaktionsfernsehen à la 9-Live und "superwitzigen" Clipsendungen findet man kaum noch sehenswerte Inhalte. Und die Höhepunkte eines Fernsehtages verpasst man leider ziemlich oft - oder sie werden von ellenlangen Werbeblöcken immens ausgebremst. Democracy hingegen könnte dem altbekannten Fernsehen den Garaus bereiten - denn mit diesem Programm können Breitband-Surfer selbst bestimmen, was wann gesehen wird. Christoph Wendt erklärt euch, wie das funktioniert.



Was ist Democracy?

Die Gründer und Macher der Open-Source-TV-Software Democracy, die Participatory Culture Foundation, haben sich die Demokratisierung der Medienwelt zum Ziel gesetzt. Konkret heißt das, dass jeder einzelne sein Wunschprogramm zusammenstellen kann. Es werden also keine festen Sendezeiten und lästige Werbeunterbrechungen mehr aufgezwungen. Doch damit nicht genug: Mit der Integrierten Software Broadcast-Machine kann jeder im Handumdrehen seinen eigenen Sender mit eigenen Inhalten betreiben. Das Projekt ist kostenlos, unabhängig und für jedermann zugänglich.

Wie funktioniert's?

Democracy basiert auf dem Zusammenspiel von RSS-Feeds und einer Bittorrent-Integration. RSS-Feeds ermöglichen es, Teile einer Website oder anderer Online-Medien zu abonnieren. Das Bittorrent-Protokol lässt über P2P einen bandbreitensparenden Datenaustausch zu ? jeder Rechner ist hierbei gleichberechtigt, Daten werden also nicht mehr von einem Server angefordert, sondern untereinander getauscht. Je mehr Leute dieselbe Datei runterladen, desto schneller der Datentransfer. Derzeit können mehr als 500 Channel (größtenteils englischsprachig) abonniert werden, von denen man sich quasi die Rosinen rauspicken und somit sein eigenes Fernsehprogramm zusammenstellen kann. Über den Channel-Guide findet man zu unterschiedlichsten Themen Kanäle, welche bewertet und kommentiert werden. Einzelne Videos können von den Usern mit Stichwörtern versehen werden - ein nervenaufreibendes suchen nach einzelnen Sendungen im Internet bleibt also aus. Mit einem Klick sind Kanäle abonniert, und die einzelnen Sendungen werden von nun an auf Wunsch automatisch runtergeladen. Von der ARD Tagesschau bis zur Hobby-Comedy-Show ist alles vertreten. Darüber hinaus können durch die Integration Video-Bomb-Videos mit anderen Usern frei ausgetauscht werden. Anschließend kann eine Playlist mit den gewünschten neuen Folgen und Beiträgen angelegt werden ? und los geht’s. Das Resultat: ein individuelles, unabhängiges Fernsehprogramm in Vollbild und ohne Werbeunterbrechung. Dank dem Democracy-Player ist der User jederzeit in der Lage Beiträge beliebig zu unterbrechen und zurückzuspulen. Die Clips werden fünf Tage auf der Festplatte gespeichert und danach automatisch gelöscht.

Fazit

Democracy ist eine echte Alternative zu Online-Streaming Angeboten oder der herkömmlichen TV-Ausstrahlung via Kabel oder Satellit. Experten wollen in diesem Konzept schon jetzt das Ende des Broadcasting-Mediums Fernseher sehen. Aufgrund von fehlenden Lizenzen muss man derzeit aber auf die meisten Sendungen aus dem herkömmlichen Fernsehprogramm verzichten und sich mit freien, aber teilweise dennoch kultverdächtigen Videos zufrieden geben.Democracy ist eine Anwendung für Leute, die gesehen werden wollen oder deren Meinungen gehört werden sollen ? Die Sender können ihrer Meinungsfreiheit größtenteils freien Lauf lassen, ohne bestimmten Konzepten gerecht zu werden. Ob und unter welchen Bedingungen sich das kostenlose und werbefreie Prinzip von Democracy wirklich durchsetzen kann, ist fraglich. Potential hierzu hat es definitiv. Bleibt nur noch eine Frage offen: Was kommt bei DIR heute Abend in der Glotze?