Demo-Guru: 1.-Mai-Kundgebung des DGB auf dem Stühlinger Kirchplatz

Demo-Guru

Alle Jahre wieder versammelt sich der Deutscher Gewerkschaftsbund mit den Werktätigen auf dem Stühlinger Kirchplatz. fudders Demo-Guru war dabei und parkte sein Fahrrad am Stand der Piratenpartei - da wird es nicht geklaut, sondern höchstens kopiert, dachte er bei sich.



Status quo

Es ist der 1. Mai, Kampftag der Arbeiterklasse, und sie sind alle da, wie jedes Jahr: Allerlei Gewerkschaften und noch mehr Parteien haben ihre Infostände auf dem Stühlinger Kirchplatz aufgebaut, umzingelt von unzähligen Bierbänken. Bei Bratwurststand und Bierausschank sind alle Plätze belegt, aber vor der Bühne sind einige Bänke frei.

Klangwaren-TÜV

Liegt es am unvermeidlichen Liedermacher mit zum Glück unverstärkter Gitarre, oder daran, dass Winfried Kretschmann, der grüne Minischterbräsident von Baddewüddeberg, schon mit seiner Rede fertig ist? In gewohnt kantiger Betonung sprach er – gut hörbar aber schlecht sichtbar: Bühne zu niedrig – unter anderem von der Finanztransaktionssteuer, die man nun jetzt aber wirklich mal einführen müsse, und von der Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Was man halt so fordert, wenn einem die geballte Macht der Arbeiterklasse gegenübersteht.



Deko

Oder sind es viele kleine Massen, längst zersplittert im Klassenkampf? Man weiß gar nicht, wie weit links man anfangen soll, wollte man sie alle aufzählen. Hier werden Lenin-T-Shirts feilgeboten, dort fordert man unter einem überlebensgroßen Konterfei Ché Guevaras die uneingeschränkte Solidarität mit Kuba.



Wer war da?

Die MLPD ist da, die FAU auch, die Linkspartei sowieso. Am Stand der Piratenpartei fragt ein älterer Herr, wie man denn zu Stalin stünde. Und erwartet ernsthaft eine Antwort. Nebenan bei der Grünen Alternative Freiburg fragt man selbst: „Darf die GAF grün bleiben?“, erwartet aber keine Antwort. Das Urteil steht noch aus.



Mitten im Gewusel stellen sich diverse Gewerkschaften vor. Einige tragen den Zusatz „junge“ im Logo, was die Existenz eines eigenen Jugendverbandes andeuten soll, und tatsächlich, auch wenn es vor und hinter vielen Ständen grauhaarigst zugeht, findet man vereinzelte Leute unter 30. Mehr davon gibt‘s am ehesten hinter Grill und Zapfhahn. Ob sie wohl sozialverträgliche Löhne und Feiertagszuschlag bekommen?

Catering

Gut organisiert ist der Bratwurststand. Das muss er auch sein, denn hier herrscht mit Abstand der größte Andrang, vielleicht noch übertroffen vom Bierstand. Erste Schlange: Kasse. Für ortsübliche 2,50 Euro ohne soziale Staffelung erhält man hier einen Wurstbon. Dann: Zweite Schlange, der Grill, an dem man Bon zu Wurst tauschen kann.

Aufregerle

Ein älteres Pärchen erkennt das System sofort und stellt sich an beiden Schlangen an. Schneller, aber unsolidarisch.

Aufheiterle

Die SPD verkauft mitten im Getümmel Kaffee und Kuchen, die Regierungspartei Bündnis’90/Die Grünen hat ganz nach hinten bis fast zur Kirche zurückgezogen. In einer ruhigen Ecke des Parks können die Kinder auf einer unfallverhütungstechnisch zumindest fragwürdigen Konstruktion auf Rollen ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn es bergab geht. In den noch ruhigeren Ecken des Parks gehen die dortigen Einzelhändler ihren üblichen Geschäften nach, ungestört von den vereinzelten Polizisten.

Fazit

Es war die selbe 1. Mai Kundgebung wie jedes Jahr: Die üblichen Gruppen, die üblichen Forderungen und insgesamt in etwa so revolutionär, wie eine lange Rote. Nichtmal Tofuwurst gab es.