Demo: Freiburger Studenten übergeben Forderungen an Schiewer

Nadine Paulus

13 Seiten umfasst der Forderungskatalog der Freiburger Studierenden. Im Rahmen einer Demo haben sie diese heute Nachmittag an Uni-Leitung, Stadt und Landesregierung übergeben. Eine Bilderbuch-Demo mit 2000 Protestierenden, Dieter Salomon, Hans-Jochen Schiewer, Daniel Sander und Martin Luther Bildungsgrippe.



Schon im Vorfeld der Demo konnten die Freiburger Studenten einen ersten kleinen Erfolg verbuchen. „Wie wir zufällig erfahren haben, hat die Unileitung eine unserer Forderungen, in der es um mehr studentische Mitbestimmung ging, bereits erfüllt“, sagt Vincent Heckmann (21) vom AK Inhalt. So werde bei der Ausarbeitung des Konzepts für ein neues Lehramtsmodul nun auch erstmals ein Student beteiligt.




Dementsprechend optimistisch scheint die Stimmung der etwa 2000 Studenten und Symphatisanten, die sich um 13 Uhr vor dem KG II versammelt haben. Die Demo beginnt mit einer Menschenkette vom KG II über den Platz der Alten Synagoge und den Rotteckring bis zum Stadttheater, dessen Intendanz mit dem Banner „We cannot not change the Uni“ Solidarität mit den Studierenden zum Ausdruck bringt.

Mit einiger Verspätung setzt sich der Zug in Richtung Rathaus in Bewegung, wo der erste Teil der Forderungen an OB Dieter Salomon übergeben werden soll. Um sich Gehör zu verschaffen, setzen die Freiburger Studierenden dieses Mal auf eine besonders publikumswirksame Inszenierung: ein als Martin Luther verkleideter Student präsentiert die Thesen/Forderungen, während an der Bildungsgrippe erkrankte und in Schutzanzüge gehüllte Demonstrierende Handzettel an Passanten verteilen.



Auf der Kaiser-Joseph-Straße lässt sich der Protestzug zum Sitzstreik nieder. Während eine Delegation die Forderungen an OB Dieter Salomon überreicht, werden diese unter dem Applaus der Demonstranten auch über den Lautsprecher des Demowagens mitgeteilt. Zur allgemeinen Überraschung taucht der Oberbürgermeister nach Übergabe der Forderungen persönlich auf. Er wird mit den Worten „Herzlich willkommen zu der Demonstration gegen ihre Pläne" begrüßt.

Vom Beifahrersitz des Lautsprecherwagens aus nimmt er Stellung zu den an die Stadt gestellten Forderungen und kassiert dafür einige Buhrufe. Sogar ein paar Papierkügelchen fliegen in Richtung Auto. Dennoch erklärt Salomon sich solidarisch mit den Studenten und begleitet den Protestzug, dessen nächste Station das Uni-Rektorat am Fahnenbergplatz ist.



Dort ist man bereits auf die Demonstranten vorbereitet. „Wir finden es sehr gut, dass wir jetzt eine Basis für ein Gespräch haben“, teilt Rektor Hans-Jochen Schiewer den Studenten mit. Auch er äußert sich über Lautsprecher zu den an die Uni-Leitung gerichteten Forderungen und nutzt die Gelegenheit, um zu einer Diskussion einzuladen, die morgen um 20 Uhr im Hörsaal 2004 des KG II stattfinden soll.

Bei den Studenten stößt das Diskussionsangebot zwar auf große Zustimmung, allerdings fordern sie das Rektorat dazu auf, für diese Veranstaltung das Audimax zu nutzen. Bevor der Demonstrationszug zur CDU-Geschäftsstelle in der Eisenbahnstraße weitermarschiert, schlägt „Martin Luther“ noch zur allgemeinen Erheiterung der Anwesenden die Forderungen der Studenten am Eingang des Rektorats an.



Vor der CDU-Geschäftsstelle fordern die Demonstranten die Landesregierung dazu auf, Bildung als wichtige soziale Aufgabe anzusehen, in die ausreichend Geld investiert werden müsse. Sie fordern außerdem mehr konkrete Handlungen anstelle von „zynischen Solidaritätsbekundungen“.

Auch CDU-Stadtrat Daniel Sander nimmt im Lautsprecherwagen Platz und verteidigt seinen Standpunkt. Seine Meinung, eine Abschaffung der Studiengebühren sei nicht sozialverträglich, findet bei den Studierenden allerdings wenig Anklang. In Form einer musikalischen Drohung (Deichkind „Krawall und Remmidemmi“) machen sie klar: „Wir können im Plenum stundenlang diskutieren, aber wir können auch anders.“



Zurück auf dem Rotteckring heißt es dann ein letztes Mal: Hinsetzen und Zuhören. Die Demoleitung kündigt für nächste Woche Mittwoch eine erneute Demo an. Der Zeitpunkt soll diesmal ein wenig nach hinten verlegt werden, da sonst einige Teilnehmer Probleme mit der Anwesenheitspflicht bei ihren Univeranstaltungen bekommen könnten. Der genaue Zeitpunkt soll im Plenum festgelegt und über Aushänge und im Internet mitgeteilt werden.



Nach Abschluss der Demo zeigt sich Demoleiter Nikolas Grimm (21) sehr zufrieden: "Wir haben sehr kreativ und laut unsere Forderungen rübergebracht, die Stimmung war sogar noch ein bisschen besser als bei der letzten Demo.“ Der Protest werde weitergehen bis die Forderungen erreicht sind.

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