Debatte: Welche Bücher empfehlt ihr für den Herbst?

fudder-Redaktion

Wir wünschen uns von Euch Lesetipps für graue Herbsttage! Den Anfang machen wir selber: Anna-Lena, Friederike, Neomi und Caro erzählen, welches Buch Sie Euch ans Herz legen, damit es nicht langweilig wird, wenn der Regen gegen das Fenster des Kaminzimmers peitscht.



Tipp 1: Anna-Lena

Charlotte Link: Der fremde Gast

Eigentlich bin ich kein Freund von Krimis. Aber nachdem meine Mutter und dann auch meine Schwester gesagt hatten, dass dieses Buch sehr spannend sei, nahm ich es in die Hand - und verschlang es. Drei Handlungsstränge gibt es: Den einer Witwe, die in Südfrankreich lebt und beschlossen hat, sich umzubringen; ein junges Pärchen, das nach Südfrankreich reist und ihr dabei ungewollt in die Quere kommt; drittens die Geschichte einer frustrierten Haus- und Ehefrau, die ebenfalls in den Fall verwickelt ist. Ach ja, ein Mord geschieht auch noch. Wer jedoch wie und was mit dem Mord zu tun hat, bleibt bis zum Ende des Buchs für den Leser ein Rätsel.

Beim Lesen wird man selbst zum Kommissar, der diesen mysteriösen Fall unbedingt schnell aufdecken will. Deshalb will man das Buch nicht aus den Händen legen. Ich hasse lange Kapitel, die sich über dutzende von Seiten strecken und dabei zu sechzig Prozent belangloses Zeug beinhalten. Ich mag es kurz und knackig, so, wie im „fremden Gast“. Ich habe Kapitel für Kapitel aufgesaugt und mir dann beim Schluss unheimlich viel Zeit gelassen, da ich nicht wollte, dass das Buch zu Ende geht.

[Anna-Lena Zehendner]

Der fremde Gast
von Charlotte Link
Goldmann
Taschenbuch, 480 S.
10 €
ISBN 978-3442457694



Tipp 2: Friederike

David Safier: Mieses Karma

Kim Lange ist eine erfolgreiche Fernsehmoderatorin, die am Abend des Deutschen Fernsehpreises von einem Stück einer herunterfallenden Raumstation erschlagen wird. Da sie ein ziemliches Aas war, wird sie als Ameise wiedergeboren und Buddha erklärt ihr, dass sie erst ihr „mieses Karma“ durch gute Taten abbauen müsse, um ihrem neuem Schicksal zu entkommen.

Soweit der Anfang von David Safiers erstem Roman. Er liest sich sehr flüssig, da Safier auf lange und umständliche Sätze verzichtet und keine Langatmigkeit bei der Handlung entstehen lässt. Seinen Hintergrund als jahrelanger Drehbuchschreiber für „Berlin, Berlin“ merkt man dem Buch an. Die Ereignisse reihen sich rasant aneinander und die Dialoge sind kurz und witzig geschrieben. Die Handlung ist zwar nicht allzu überraschend und das Ende relativ vorhersehbar, aber es ist die absurde Situationskomik, von der das Buch lebt. Etwa, wenn wiedergeborene Ameisen mit wiedergeborenen Spinnen um ihr Überleben feilschen. Gegen Ende der Geschiche übertreibt es Safier ein wenig mit Slapstik und das filmreife Ende lässt erkennen, dass Safier von Haus aus Drehbuchautor ist.

Wer „Berlin, Berlin“ gern geschaut hat, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Aufgrund der sarakastischen Ich-Erzählerin vermeidet Safier es bei den meisten Szenen, ins Kitschige abzurutschen und konzentriert sich meist auf die lustigen Aspekte der Geschichte. Wer ein Buch mit Tiefgang und komplexen Charakteren bervorzugt, sollte die Finger davon lassen, aber wer sich gerne mal von einer flüssig geschriebenen Geschichte berieseln lassen möchte, dem kann ich das Buch empfehlen.

[Friederike Günter]

Mieses Karma
von David Safier
rororo
Taschenbuch, 288 S.
8,95 €
ISBN 978-3499244551



Tipp 3: Neomi

Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Die Bücherdiebin ist nicht mein einziges Lieblingsbuch, allerdings habe ich selten ein Buch gelesen, das mich so fasziniert hat, da es auf eine besondere Art und Weise geschrieben ist. Die Geschichte handelt vom Leben eines Mädchens, Liesel. Es geht um Freundschaft, Liebe, Bücher und Nationalsozialismus. Der Erzähler ist der Tod.

[Neomi Klingenberg]

Die Bücherdiebin
von Markus Zusak
Blanvalet
Taschenbuch, 608 S.
9,95 €
ISBN 978-3442373956



Tipp 4: Caro

Jonathan Franzen: Freiheit

Ich lese gerne große Familienromane. Das habe ich meinem Deutschlehrer Willi Helten zu verdanken, der uns im Unterricht dazu nötigte, Thomas Manns 'Buddenbrooks' zu lesen. Ich habe mich damals nicht nur in Toni, Christian, Thomas (und all die anderen Charaktere) und in den Niedergang dieser Familie insgesamt verknallt, sondern auch in die Vielschichtigkeit des Romans, in den philosophischen Überbau. Kein Wunder, dass die Klausur, die ich über die Buddenbrooks schrieb, die schlechteste meiner Oberstufendeutschklausuren war. Ich hing da viel zu tief drin.

Ich bin sehr froh, dass ich keine Klausuren über die Romane von Jonathan Franzen schreiben muß, denn auch in denen hänge ich auch zu tief drin, weil ich Menschen, Geschichte und Vielschichtigkeit so sehr mag.

2002 erschienen 'Die Korrekturen', ein Roman, der mich mitriss und den ich runterriss, innerhalb eines Wochenendes, und dessen Geschichte, dessen Menschen mich traurig machten und froh. Der Roman beeindruckte mich in seiner Gesamtheit so sehr, dass ich es seither nicht gewagt habe, das Buch noch einmal anzufassen, aus Angst, dass es nicht wirklich so gut ist, wie es mir beim ersten Lesen vorkam.

Vor ein paar Wochen ist 'Freiheit' erschienen, Franzens erster Roman seit den 'Korrekturen'. Als Franzen-Fangirl hatte ich absurd überhöhte Erwartungen, riss alle Feuilletonbeiträge aus der Zeitung, um Spoiler und böse Gedanken zu vermeiden, bevor ich das Buch lesen konnte. Und dann hatte ich es endlich und Zeit auch, und innerhalb von Stunden hing ich tief in diesem Buch, seinen Menschen, seiner Geschichte drin. Das Leseerlebnis war – wie schon bei den Korrekturen – ein Rausch.

Freiheit handelt von Patty und Walter Berglund und ihren Kindern, von politischen und privaten Idealen, von der Moral und von der Liebe. Der Roman ist randvoll mit großartigen Szenen, Momenten und Absurditäten, und als ich zwei Drittel der mehr als 700 Seiten gelesen hatte, da begann ich traurig zu werden, weil ich diese Menschen nicht verlieren wollte.

[Eine Nachbemerkung für Insider: Ich fände es ja wirklich schön, wenn irgendein Alt-Folk-Indie-Musiker das Richard Katz' 'Nameless Lake'-Album stellvertretend aufnehmen würde. Tim Kasher vielleicht. Oder Conor Oberst.]

[Carolin Buchheim]

Freiheit
Übersetzung von Bettina Abarbanell, Eike Schönfeld & Frank Günther
Rowohlt
Hardcover, 736 S.
24,95 €
ISBN 978-3-498-02129-0

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