Dealer-Verdacht in der KTS: Prügelei statt Polizei

Friederike Reußner & Carolin Buchheim

In der Nacht zum Sonntag wurde ein Mann in der KTS verprügelt. Am Montag veröffentlichte die Polizei eine Pressemitteilung in der sie Zeugen bat, sich zu melden, denn den Beamten sei von den Betreibern der KTS "die Tür vor der Nase zugeschlagen" worden. Heute äußerte sich die Autonome Antifa zum Vorfall: das Prügelopfer sei ein Dealer, der auf der Party Liquid Ecstasy verkauft hätte.



Laut Polizeibericht meldete sich am Sonntagmorgen, kurz nach 3 Uhr, ein 27-jähriger Mann bei der Polizei, der angab, kurz zuvor von einem Türsteher der KTS erst des Ortes verwiesen, und dann heftig geschlagen worden zu sein. Der Mann wies Verletzungen an Kopf und Beinen auf. Anschließend habe die Polizei versucht, mit Besuchern und Betreibern der KTS den Vorfall zu klären. Dies sei jedoch gescheitert, weil den Beamten "die Tür vor der Nase zugeschlagen" worden sei.


Die Autonome Antifa rechtfertigt den Vorfall damit, dass der Mann, der Anzeige erstattet habe, ein Dealer sei, der an diesem Abend in der KTS Liquid Ecstasy angeboten habe. Er habe erhebliche Mengen der Droge in Flakons mit Pipetten bei sich geführt hätte und außerdem angeboten, noch größere Mengen besorgen zu können. Liquid Ecstasy wird nicht nur als billige Partydroge, sondern auch als K.O.-Tropfen genutzt, um Discobesucher und -besucherinnen zu berauben oder zu vergewaltigen.

Dass Frauen in der KTS Liquid Ecstasy in ihre abgestellten Getränke geschüttet werden, komme in der letzten Zeit häufiger vor, so ein Sprecher der Antifa. Auch am vergangenen Samstag hätte es bei einer Besucherin Anzeichen für  unfreiwilligen Drogenkonsum gegeben. Am selben Abend hätten Gäste herausgefunden, dass ein Gast Liquid Ecstasy verkaufen würde. „Später sind Leute zu ihm hin und haben ihm aufs Maul gehauen." Der Mann ging danach zur Polizei und erstattete Anzeige. Als die jedoch kurz darauf zur KTS kam, wurde  en Beamten der Zugang verweigert. „Die Polizei hat in der KTS nichts zu suchen,“ so der Sprecher der Antifa.

Die Polizei ermittelt nun wegen Körperverletzung gegen Unbekannt und bittet die Gäste der KTS, auszusagen wer den 27-Jährigen zusammengeschlagen hat. „Bis jetzt haben wir ja kein vollständiges Bild, was an dem Abend passiert ist. Wir wissen ja nur, was der Geschädigte uns erzählt hat,“ so Polizeisprecher Ulrich Brecht. Gegen den Anzeigenerstatter, der polizeilich auch im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln bekannt ist, läuft kein Ermittlungsverfahren, da keine Anzeige vorliegt. „Man muss aktuell mit uns reden, wenn jemand in Discos dealt, denn dann können wir etwas unternehmen,“ sagt Brecht. „Wir würden auch den KTS-Leuten danken, wenn sie mit uns sprächen."

Die fehlende Kooperation der Partyveranstalter in der KTS sei auch der Grund, warum in der Pressemitteilung der Polizei die KTS mit Namen genannt worden sei; eigentlich verzichtet die Polizei bei Vorfällen im Nachtleben auf Nennung der Örtlichkeit. "In einer normalen Diskothek in der Innenstadt, in anderen Vergnügungsbetrieben, da haben wir Zugang, da wird zumindest mit uns gesprochen, auch wenn nicht immer die Wahrheit gesagt wird", sagt Ulrich Brecht. "Aber wenn niemand mit uns redet, haben wir nur die Möglichkeit, über die Öffentlichkeit zu gehen. Hätten wir keinen genauen Ort genannt, hätten wir sicher viele nutzlose Hinweise bekommen. Es waren viele junge Menschen bei der Party. Vielleicht möchte jemand mit uns reden."



Die Gefahr, im Freiburger Nachtleben Liquid Ecstasy ins Getränk geschüttet zu bekommen ist eigentlich an anderen Orten als der KTS höher. „Eigentlich sind es eher die Diskotheken im Innenstadtbereich, in denen so etwas passiert,“ meint Simone Thomas von der Beratungsstelle für vergewaltigte Frauen Frauenhorizonte.

In zwei Diskotheken, die der BZ namentlich bekannt sind, gab es mehrere Fälle von Vergewaltigungen, bei denen den Frauen wahrscheinlich vorher Liquid Ecstasy ins Glas gekippt wurde. Das nachzuweisen ist allerdings schwer, da sich der Wirkstoff GHB höchstens 24 Stunden im Körper nachweisen lässt. Auch seien die Frauen durch den Blackout und Gedächtnisverlust, den die Tropfen auslösen, am nächsten Morgen oft unsicher, was mit ihnen passiert sei, so Thomas.

„2008 hatten wir neun Klientinnen, die während eines unerklärlichen Blackouts vergewaltigt wurden. Bei einer konnte GHB nachgewiesen werden,“ sagt Simone Thomas. Dieses Jahr gäbe es noch mehr Fälle, Zahlen habe sie aber noch nicht. Die Frauen hätten meist wenig getrunken - plötzlich wäre ihnen trotzdem schlecht geworden und hätten das Bewusstsein verloren. „In einem Fall ist das Mädchen aus der Disco rausgelaufen, weil ihr schlecht war und ein Mann hat ihr freundlich angeboten, sie nach Hause zu bringen. Da weiß man dann nicht, ob es nicht der Täter ist, der vorher abgewartet hat, bis das Zeug wirkt,“ so Thomas. Deshalb sollten Frauen auf jeden Fall in ihrer Gruppe zusammenbleiben und wenn etwas passiert ist, möglichst schnell zum Arzt und zur Polizei gehen.

Um die Besucher bei kommenden Partys in der KTS vor Liquid Ecstasy zu warnen, soll es ab jetzt Plakate mit dem Hinweis geben, Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen zu lassen. In einer heute veröffentlichten Presseerklärung warnt die autonome Antifa außerdem „alle Dealer harter Drogen, dass sie im autonomen Zentrum unerwünscht sind und im Falle einer Missachtung dieser Warnung mit direkten Konsequenzen rechnen müssen.“

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