Dead or Alive: Wettstreit der Worte

Isabel

Poetry Slams wie im Atlantik sind längst kein Insider-Tipp mehr. Autoren tragen dabei ihre selbstgeschriebenen Texte vor und kämpfen gegeneinander um die Gunst des Publikums. Heute Abend treten bei der ersten "Dead or Alive" Poetry Slam Show im Theater Freiburg lebende gegen tote Dichter an. Wie darf man sich das vorstellen?


Das Konzept des „Dead or Alive“ Slams sieht etwas anders aus als bei einem gewöhnlichen Poetry Slam: Vier bekannte Mitglieder der Poetry Slam-Szene treten im Wettstreit der Worte gegen Mitglieder des Schauspiel-Ensembles an. Die Schauspieler schlüpfen dabei in die Rolle von toten Dichtern wie Goethe, Schiller und Nietzsche.


Wie bei einem normalen Slam vergeben Juroren aus dem Publikum mittels Tafeln ihre Punkte. Lebende und tote Dichter treten dabei immer abwechselnd gegeneinander an. „Ein großer Unterschied zu einem normalen Slam ist, dass es nur eine Mannschaftswertung geben wird. Das heißt, die einzelnen Beiträge werden zwar bewertet, aber das wird dann am Ende addiert und dann gewinnen eben die Lebenden oder die Toten“, so Sebastian 23, deutscher Meister im Poetry Slam und Moderator.

Wie üblich gilt für die Poetry Slammer auch bei der Show im Theater die Regel, dass keine Hilfsmittel benutzt werden dürfen – die Texte und der Vortrag allein müssen überzeugen. Dabei sind die Slammer für die Qualität ihrer Texte und deren Wirkung beim Publikum selbst verantwortlich.

Die Schauspieler dagegen sind an feste Texte gebunden, zu denen Sie erst mal eine gewisse Distanz haben. Über die Qualität von Prosa, Lyrik und Dramaturgie der großen Dichter der Vergangenheit muss man nicht mehr reden.

Aber gerade darin liegt für die Schauspieler die Herausforderung: Es gilt, das Publikum trotz der fixen Texte und der nicht immer gerade modernen Sprache zu begeistern. Um keinen Nachteil gegenüber den lebenden Dichtern zu haben, ist es den Schauspielern deshalb erlaubt, Hilfsmittel aus Requisite, Kostüm und Maske zu verwenden.

„Die Vorbereitung auf ihre Rollen ist bei den Schauspielern ganz individuell“, so Michael Kaiser vom Theater Freiburg. Obwohl das Vortragen von Texten auf der Bühne das tägliche Brot der Schauspieler sei, hätten Sie großen Respekt vor den Slammern, berichtet Kaiser. Deren Auftritte und tiefsinnige Wortspielereien seien den Schauspielern aus dem Atlantik gut bekannt und würden durchaus als starke Konkurrenz wahrgenommen.

Eine gemeinsame Probe von Poetry Slammern und Schauspielern gibt es bewusst nicht. „Das Spannende ist doch“, so Kaiser, „beim Poetry Slam wie beim Theater immer gerade das, was im Moment auf der Bühne passiert.“ Das Theaterambiente im Großen Haus gibt dem Dichterwettstreit dabei einen völlig neuen Rahmen.

Mehr dazu:

Was: Dead or Alive
Wann: Donnerstag, 23. April 2009, 20 Uhr
Wo: Theater Freiburg