Dave Leon: Hilfseinsatz in Haiti

Claudia Kornmeier & Marc Schätzle

Die Hand einer toten Frau, die aus den Trümmern ragt. Ein kleiner Junge, dem der Unterschenkel amputiert wurde. Gestank und Staub. Menschen, die alles verloren haben - und trotzdem ein Lachen im Gesicht tragen. Das sind Eindrücke, die David Schöpfer (links), den Freiburgs Nachtschwärmer auch als DJ Dave Leon kennen, aus Haiti mitgebracht hat. Für zwei Wochen ist David in das Erdbebengebiet geflogen, um erste medizinische Hilfe zu leisten. Auf fudder berichtet er von seinen Erlebnissen.



Tagsüber ist David auf der Kardiologischen Intensivstation in der Uniklinik tätig und macht eine Fachweiterbildung zum Anästhesie/Intensivpfleger. Nachts ist er als DJ Dave Leon im Waldsee, Drifter’s oder Kamikaze unterwegs. Der Einsatz in Haiti war nicht nur sein erster Aufenthalt in einem Krisengebiet, sondern überhaupt seine erste Reise in ein Land der Dritten Welt.


Als David die Nachricht von dem Erdbeben in Haiti hörte, hat er nicht lange gezögert und im Internet recherchiert, wie er helfen kann. „Ich wollte nicht einfach spenden. Für mich war es wichtig, mein Wissen und Können als Krankenpfleger einzubringen.“

Durch die Internetrecherche ist er auf die Hilfsorganisation Help gestoßen. Und dann sei alles ganz schnell gegangen: „Da stand eine Handynummer. Die habe ich angerufen. Und kurz darauf saß ich schon im Flugzeug“ - mit einem fünfköpfigen Team aus Ärzten und Krankenpflegern. Die Kollegen an der Uniklinik sprangen sofort für ihn ein, übernahmen seine Dienste. Der Chef stellte ihn frei.



„Kurz nach der Ankunft ging es schon ans Operieren.“ Brüche, Amputationen, Wundversorgung. Knochen müssen mit einem Draht durchsägt werden. Für die Narkose kann nur Ketamin verwendet werden. Das kann zwar zu Albträumen führen, wirkt aber kreislaufstabilisierend. „Wir mussten auf viele Instrumente verzichten und uns stattdessen auf unsere fünf Sinne verlassen.“

Nach den ersten Tagen kam der Zusammenbruch. Die körperliche Anstrengung, die Hitze, der Gestank, die Aufregung. David musste einen Tag aussetzen. Die Eindrücke verarbeiten, sich erholen, bevor er weiterarbeiten konnte.

Viel Halt hat ihm die Zusammenarbeit mit anderen Helfern gegeben, die schon länger vor Ort waren. Ratschläge oder einfach Gespräche über das Erlebte, konnten viel von der anfänglichen Angst nehmen. Zumal der Kontakt nach außen, nach Hause, spärlich gewesen sei.



„Es sah alles viel schlimmer aus als im Fernsehen“, sagt David. „Als sei Godzilla einmal über die Stadt gerannt.“ Und doch hatten die Menschen so rasch die ersten Dinge wieder aufgebaut. Inmitten der Trümmer seien Verkaufsstände mit Obst, Kleidern, Schuhen oder auch Kunstgegenständen errichtet worden. Das habe ihn sehr beeindruckt.

Gefährlich sei es für ihn selbst nie geworden. Zwar habe man sie davor gewarnt, nach Sonnenuntergang durch die Straßen zu laufen. Die Kriminalität sei zu hoch. Wirklich beurteilen kann David das aber nicht.

Davids Team hatte das Glück, einen Arzt, der aus Haiti stammte, unter sich zu haben. „Der Kollege konnte nicht nur für uns dolmetschen, sondern uns auch viel über Land und Leute erklären.“



Zwar war David in Haiti das erste Mal selbst als Helfer in einem Krisengebiet. Engagiert hat er sich aber schon zuvor. Unter dem Motto „Soziales Tanzen“ tritt David als DJ mit Peculiar Objects auf und spendet einen Teil der Einnahmen an den Verein Neia, der kleine, afrikanische Entwicklungsprojekte unterstützt.

Seit einer Woche erst ist David zurück. Plötzlich will jeder wissen, wie es ihm geht. Die ungelesenen Nachrichten sammeln sich. Es war eine aufregende Reise, für den jungen Mann aus Freiburg. Und für ihn steht fest: „Ich würde es jederzeit wieder machen.“

[Fotos: David Schöpfer]

Audio-Galerie: Dave Leon in Haiti

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