Das Zäpfle zum Anziehen: Jochen Scherzinger entwirft unter dem Label Artwood hippe Schwarzwald-Mode

Corinna Wölm

Der Schwarzwald: bekannt für Tannen, grummelige Holzfäller und Holzhäuser. Das alles findet sich auch in der Mode, die der Gütenbacher Jochen Scherzinger unter dem Label Artwood entwirft. Sein Motto: Heimatgefühl trifft Großstadtmode.



"S’erscht mol am beschde seperat wäsche (s’färbt ä weng !), lätz rum un am beschde mit gliche Farbe!" Ziemlich selten sind Waschanleitungen für Pullover in solchem Schwarzwälder Kauderwelsch verfasst, ziemlich selten kommt Mode aber auch aus dem Schwarzwald. Im Fall von Jochen Scherzinger ist das anders.

Den gewohnten Weg verlassen, mutig sein, etwas ganz Neues machen – das wagen nur wenige. Scherzinger ist einer dieser Mutigen. Er hat sein eigenes Modelabel gegründet. Und zwar nicht in Berlin - sondern in Gütenbach, inmitten dunkler Wälder, die nächste hippe Szene-Boutique mindestens eine Flugstunde entfernt. So verwunderlich es erscheint, dies scheint der richtige Ort für ihn zu sein. "Hier ist meine Heimat, hier sind meine Wurzeln und hier entsteht meine Inspiration", sagt er. Neben der Landschaft und vor allem den Wäldern, inspiriert den Modedesigner die Arbeitskleidung, wie sie früher Waldarbeiter und Uhrmacher getragen haben.

Diese Heimatverbundenheit spiegelt sich in der Kleidung von Artwood: Prints mit abstrakten Tannen, aufgenähte Figürchen mit dem traditionellen Bollenhut oder alte Schwarz-Weiß-Fotografien aus Scherzingers Familie. Und eben in dieser Waschanleitung, die in Berlin kein Mensch verstehen würde.

Was nicht heißen soll, dass Scherzingers Mode nur im Schwarzwald getragen werden soll - im Gegenteil. Geht es nach ihm, soll sein kleines Label deutschlandweit zum Kult werden, ein Schwarzwälder Kultur-Export sozusagen: "Artwood ist das Zäpfle zum Anziehen", sagt er. Eine bestimmte Zielgruppe hat Artwood dabei nicht. "Meine Schwarzwaldmode soll zeitlos, kein Mainstream sein. Getragen werden kann sie von Teenagern, aber auch von einem 70-Jährigen."

Jochen Scherzinger - Gütenbachs Kultfigur

Tattoos, Piercings, ein eigenes Modelabel: Jochen Scherzinger ist in Gütenbach ein Exot. Ursprünglich studierte der Schwarzwälder Maschinenbau, merkte aber schnell, dass eine Industrielaufbahn mit vorgegebenen Arbeitszeiten und wenig Eigeninitiative nichts für ihn ist. Er fing noch mal ganz neu an. Mit 26 entschloss sich Scherzinger, Modedesign auf einer Mannheimer Privatuni zu studieren. Danach machte er sich selbstständig und gründete das Label Artwood.

Kaufen kann man die Artwood-Kollektion unter anderem bei Schwarzundwald in Freiburg. "Wir finden Artwood natürlich selber richtig cool. Besonders lustig ist es immer, wenn Kunden in unseren Laden kommen und sagen: ihr habt ja sogar den Balzer Herrgott auf einem Shirt", sagt Nicole Nitschke, eine der beiden Inhaberinnen des Geschäfts. Der Balzer Herrgott ist eine in eine Weidbuche eingewachsene Christusfigur in Gütenbach. Vor allem bei jungen Schwarzwäldern kommt die Kollektion gut an. Sie verbinden mit den Drucken Erinnerungen an Klettertouren und Wanderungen in der Region.

Am Ende seines Wegs ist Jochen Scherzinger aber noch lange nicht. Er hat immer Ideen für neue Produkte und Prints - und möchte die produzierten Stückzahlen weiter erhöhen. Eine Utopie sei es aber momentan, die T-Shirts und Pullover in Deutschland produzieren zu lassen. Momentan produziert Scherzinger in der Türkei. "Qualitativ unterscheiden sich die Shirts nicht von denen aus deutscher Herstellung, ich kann aber die Kosten um zwei Drittel minimieren." Auf Dauer lohne es sich auch, die Produktion nach China zu verlegen: "Das bringt's aber erst, wenn ich Stückzahlen von Zehtausend und mehr liefern lasse!", sagt der Schwarzwälder.

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Foto-Galerie: Artwood

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