Das Z: Mitmachen erwünscht

Philipp Aubreville

Ob Visions-Partys oder Elektro-Abende: Das abwechslungsreiche Programm des 'Z' ist ein essentieller Bestandteil des Freiburger Nachtlebens. Was viele jedoch nicht wissen: Das 'Z' ist keine Location, in der man nur passiv konsumieren kann. Nach dem Do it yourself-Prinzip kann man im 'Kultur- und Bildungszentrum' auch selbst aktiv werden und eigene Veranstaltungen auf die Beine stellen. Philip hat sich das 'Z' von Barbara Ruder und Wiebke Lüther erklären lassen



Es ist drei Jahre her, als Barbara Ruder (im Bild oben links) mit ihrer Band im Proberaum des 'Z' jammte und über Umwege dazu kam, dort organisatorische Aufgaben zu übernehmen. Mittlerweile studiert die 23-jährige Internationales Kulturmanagement am ISW. Eigentlich habe sie Musik studieren wollen, doch die Mitarbeit im 'Z' hatte sie zum Umdenken bewegt.


"Hier bekommt man eine Idee, was man selbst hinbekommt und was man selbst auf die Beine stellen kann", findet auch Wiebke Lüther. Kurz nachdem das 'Z' vor vier Jahren unter diesem Namen eröffnet wurde, wurde die 21-jährige Vorstandsmitglied. Auch sie kam über die Nutzung des Proberaumes dazu.

Wenn Barbara und Wiebke Veranstaltungen organisieren, Briefe an den Bürgermeister schreiben oder mit dem Polizeipräsidenten sprechen, sind sie fast nur von Gleichaltrigen umgeben: Der Großteil der 'Z'-Mitarbeiter ist zwischen 18 und 25 Jahre alt. Erwachsene Vormünder findet man im Kellerclub an der Friedrichstraße nicht: "Wir sind kein Jugendzentrum! Hier gibt es keine Sozialarbeiter!"

Das hat zwar neben gewissen Freiheiten auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung zur Folge. "Wir mussten erst einmal Bürokratendeutsch lernen, um mit den Leuten in den Ämtern und den Politikern kommunizieren zu können. Die Reden auf einer völlig anderen Ebene", erklärt Wiebke. "Man lernt aus seinen Fehlern. Wenn auf einem Plakat aus Versehen 'Open End' steht, kommt schon mal ein wütender Brief vom Amt."
Auch müsse man manchmal darauf hinweisen, dass man im Gegensatz zu Autonomen Zentren sehr auf Regeln achte und auf Regelungen aufmerksam machen, die auf kommerzielle Diskotheken zugeschnittenen seien, jedoch nicht auf Jugendliche.
Insgesamt sei der Kontakt zu Ämtern und Behörden kein schlechter. "Den Bürgermeister oder Polizeichef zu treffen ist spannender, als man sich vorstellt", meint sie.

Auch sonst kann man als ehrenamtlicher Mitarbeiter viel mitnehmen: Das 'Z' versteht sich als Kultur- und Bildungszentrum. Bildung findet konkret auf zwei Ebenen statt. Zum einen sei man immer offen für Lesungen oder Podiumsdiskussionen – auch wenn man nicht politisch geprägt sei: "Man muss nicht zwangsläufig links sein, um hier mitzumachen."



Es kommt im Z immer darauf an, ob sich jemand finde, der derartige Veranstaltungen organisiert. So hätten beispielsweise schon der Sparkassen-Direktor oder Stadt-Mitarbeiter einen Vortrag gehalten, erzählen Wiebke und Barbara.

Die andere, wichtigere Ebene könne man mit 'Do it yourself' beschreiben. "Die Arbeit im 'Z' hat einen wesentlich größeren Praxisbezug als manche Praktika oder fiktive Veranstaltungs-Planungen in meinem Studium", lobt Barbara. Auch Wiebke fragt sich, "Wie viele 21jährige schon Geschäftsführungspraxis vorweisen" können.

Die Arbeit im 'Z' bringt nach Meinung der Beiden nicht nur gute Referenzen, sondern auch Erfahrungen, die im kulturellen Bereich sehr hilfreich sein können. So hätten beispielsweise die Gründer des Klub Kamikaze ihr Handwerk im 'Z' gelernt.

Kulturell sei eine der Besonderheiten des 'Z' das Solidar-Prinzip: Einnahmen aus erfolgreichen Veranstaltungen werden genutzt, um zum Beispiel Newcomer-Bands Auftritte zu ermöglichen. "Das wäre für andere Clubs finanziell nicht rentabel", glaubt Wiebke.

Apropos rentabel: Das 'Z' finanziert sich vor allem durch die Getränkeeinnahmen – die Zuschüsse der Stadt reichen gerade einmal zur Deckung der Stromkosten. Ein weitere Geldquelle seien Stiftungsgelder. Stiftungen seien allerdings 'jugendfremd'. "Und um den bürokratischen Aufwand eines Antrags zu bewältigen, müsste man eine eigene Sekretärin einstellen."



Als Konsequenz aus dieser Einsicht, wurde nun die FörderBar gegründet, die als Brücke zwischen Jugendlichen und den Berufsjugendlichen in Stiftungen fungieren solle. Man arbeitet hierbei unter anderem mit der Youth Bank zusammen, die wesentlich unkomplizierter Projektförderungen vergebe als andere Stiftungen.

Neben Geldern soll die FörderBar aber auch Projekterfahrungen vermitteln: "Wenn wir Verbesserungsvorschläge machen, wird das ernster genommen, als wenn diese von einem 50-jährigen kommen", weiß Barbara.

An Ideen mangelt es also nicht in der Friedrichstraße. Auch Gerald Greschel vom Stadtjugendring zollte dem Engagement der 'Z'-Ehrenamtlichen schon seinen Respekt und zog in Zweifel, ob er selbst eine solche Riesenverantwortung tragen könne.



Doch auch schlechtes Feedback kommt immer wieder vor. Viele Leute hätten ein schlechtes Image vom 'Z' und wüssten oft nicht, wie das selbstorganisierte Kulturzentrum funktioniert. "Da  kann ich nur sagen: 'Nicht motzen, sondern machen'", erklärt Wiebke einen der wichtigsten Grundgedanken des 'Z'.  "Das 'Z' ist das, was man draus macht."

Neben einem fünf Personen starken Kernteam, das die Rahmenbedingungen vorgibt, sind über das Jahr verteilt ungefähr 200 Leute an verschiedenen Veranstaltungen im Kultur- und Bildungszentrum beteiligt. Ein Limit stellt diese Zahl jedoch nicht dar: "Jeder der Bock hat  und das ganze ernsthaft angeht, kann mitmachen."



Um sich dieser Ernsthaftigkeit sicher zu sein, gibt es allerdings ein paar kleine Hürden. So muss beispielsweise die Polizeiberatung wahrgenommenwerden: Bei einer Veranstaltung mit dem zuständigen Jugendsachbearbeiter der Freiburger Polizei werden Sicherheits- und Jugendschutzaspekte besprochen; Diese Schulung sichert die Veranstalter gegenüber der Stadt ab.

Doch wer derartige Hürden nicht scheut, der kann sich auf einem abwechselungsreichen Aufgabenfeld austoben. "Ich kenn mich mit Brandschutz aus", gibt Wiebke eine ihrer erlernten Fähigkeiten zu Protokoll und Barbara ergänzt: "Das ist ein spannendes Thema."

Vielleicht noch spannender sind klassische Aufgaben wie Booking, PR-Arbeit oder Sponsoren-Suche. "Die Leute interessiert das erfahrungsgemäß, sie wissen es nur noch nicht."

Inzwischen sind auch verschiedene Gruppen geplant: Wer partout nicht mit Billy Talent-Fans zusammenarbeiten möchte, kann im Elektro- oder HipHop-Ressort agieren; Sido-Hassern steht die Rock-Abteilung offen. "Natürlich soll man mit den anderen Leuten gut klarkommen, doch die Einteilung in Ressorts erleichtert die Identifikation."

Mehr dazu:

Das Z: Website & last.fm

Bei Interesse an einer Mitarbeit im 'Z' genügt übrigens eine kurze E-Mail mit den gewünschten Aufgabenfeldern.

Wer eher allgemein helfen will, kann zum Beispiel einfach bei der Organisation oder Ausführung einer geplanten Aktion "pimpMyZ" mitmachen, bei der das 'Z' unter anderem durch Anstreichen verschönert werden soll. Das ganze soll im August stattfinden - auch in diesem Fall genügt eine kurze Email, wenn man mitmachen möchte.