Das Wunder von Mainz: Mainz 05 gegen SC Freiburg

SC-Rapporter

Der absolute Wahnsinn! Der SC dreht ein verlorenes Spiel, gewinnt gegen Mainz in der Nachspielzeit und vollbringt ein kleines Wunder. Warum der SC-Rapporter in 120 Minuten gleich zweimal Tränen in den Augen hatte, erfahrt ihr hier:



Unglaublich ...


... aber wahr: Der SC Freiburg steht im Viertelfinale des DFB-Pokals und hat einen Gegner vor der Brust, mit dem er es allemal aufnehmen kann.

Außerdem könnte mit einem Sieg und dem daraus resultierenden Einzug ins Halbfinale nicht nur finanziell ein großer Schritt gemacht werden; es wäre auch die Möglichkeit mit dem alten Erzrivalen FFC in Sachen Erfolge im Pokal gleichzuziehen. Denn im Gegensatz zum Sportclub waren die Kicker vom FFC schon einmal in einem Halbfinale: 1935 schieden sie jedoch mit 2:6 gegen Schalke aus.

Kein Wunder, dass die Euphorie bei den mitgereisten Freiburger Fans riesengroß ist. Vor Spielbeginn grölt der Gästefanblock bereits lautstark und stimmgewaltig. Kleinere Grüppchen singen sogar von einer gemeinsame Reise in die Bundeshauptstadt an der Spree - in spe. Doch am Rande werden auch Zweifel an der eigenen Stärke spürbar, auch Angst mischt sich unter die Anhänger aus dem Breisgau. Eingefleischte Fans können sich noch sehr gut daran erinnern, was in der Vergangenheit passierte wenn der SC hoch flog.



Auch auf Mainzer Seite ist die Stimmung euphorisch. Vorfreude auf einen Pokalnacht, wo man hinsieht - so macht der Stadionbesuch Spaß. Als Schiri Aytekin die Teams aufs Feld führt, stellen sich auch dem Rapporter die Haare auf - es ist angerichtet.



Das Stadion ...

... liegt immer noch auf einem Feld vor den Toren der Karnevalshochburg und erstrahlt von außen rot illuminiert. Dass es sich dabei nicht um einen überdimensionalen Möbelmarkt handelt, verrät das Fehlen des obligatorischen Ottfried Fischer-Gedächtnis-Riesenstuhls auf dem VIP-Parkplatz. Diesen betritt der SC-Rapporter zu Fuß, nachdem er durch matschige und sumpfige Felder watscheln musste.

Ausverkauft ist der Pokalkracher leider nicht. Die Hauptribüne ist nur zur Hälfte besetzt, der SC-Fanblock jedoch ist zum bersten voll. Laut Stadionsprecher haben insgesamt nur knapp 24.000 Menschen den Weg vor die Tore der Stadt gefunden - vielleicht lag es ja am Matsch auf den Wegen ...

 

Die Anfangsphase ...

... verschlafen die Freiburger komplett. Ganz anders Mainz. Wie eine Lawine stürzen die rot gekleideten Mainzer über die Streich-Elf, die heute im eleganten Schwarz aufläuft. Die Folge des Blitz-Starts: Mainz schießt zwei Tore, und das Spiel scheint entschieden, obwohl es noch gar nicht richtig angefangen hat. Erst nach zehn Minuten und der Einwechslung von Jonathan Schmid wacht der SC allmählich auf - mehr aber auch nicht.

Mainz bleibt in der Folge weiter gefährlich, und der Sportclub ist bemüht, nach vorne zu spielen, kommt sogar zu Chancen, aber der Ball will nicht den Weg ins Tor finden.

 

Die 2. Hälfte ...

... gehört, was die Ballkontakte und den Ballbesitz angeht, den Freiburgern. Mainz verteidigt allerdings variabel und macht es den Breisgauer Offensivkräften schwer.

Nach dem zweiten Alluminiumtreffer stellt der Sitznachbar klar: "Die könnten heute noch drei Stunden so weiterspielen, ohne ein Tor zu machen." Mit der Gelb-Roten gegen den Mainzer Verteidiger Zdeněk Pospěch in der 65. Minute keimt noch mal Hoffnung auf - Tore fallen jedoch weiter nicht.  

Die 86. Und 92. Minute ...

... schreiben die Spieler des SC Freiburg ihr eigenes kleines Pokal-Märchen. Zuerst staubt der gerade erst eingewechselte Ivan Santini nach einem Pfostenkracher von Ginter zum Anschluss ab. Dann in der zweiten Minute der Nachspielzeit steht erneut Santini im Mittelpunkt, indem er geschickt einen Kontakt im gegnerischen Sechzehner annimmt und Aytekin damit keine andere Wahl lässt, als auf den Punkt zu zeigen: Elfmeter für den SC - Ekstase und Höchstspannung beiden Zuschauern.

Caligiuri schnappt sich den Ball, nimmt Anlauf und schiebt abgeklärt die Kugel ins Tor: Ausgleich für Freiburg! Die Fans toben, und auch Calligiuri lässt sich feiern und seinen Emotionen freien lauf. Der Rapporter, der eben noch mit einer Niederlage rechnete, erlebt jetzt das vielleicht größte Spiel seiner Freiburger, das es jemals gab.

 

Die Nachspielzeit ...

... beginnt für den SC zunächst systematisch unverändert. Pavel Krmas spielt den Stürmer, und die Abwehr bleibt nahezu aufgelöst. Die Mannschaft will jetzt den Sieg. Das Problem: Mainz kommt trotz Freiburger Überlegenheit zu gefährlichen Kontern.

In dieser Phase in der das Spiel auf Messers schneide steht dauert es bis zur 109. Minute. Nach Hereingabe von Kruse löst Calligiuri die Spannung und schiebt zum 3:2 ein. Die Restliche Spielzeit ist für die mitgereisten Fans eine Mischung aus Beten, Bangen und Berlin-Sprechchören.

Erst nach der zweiminütigen Verlängerung der Verlängerung kommt dann der "Alles" erlösende Abpfiff - Freiburg hat es tatsächlich geschafft und darf jetzt vom Finale träumen, vielleicht ausgenommen von Christian Streich, der mag das Träumen beim Fußball ja nicht so.

 

Nach dem irren Spiel...

... stürmt die komplette Mannschaft auf den Gästeblock zu, und Daniel Calligiuri wird ein Megaphon gereicht. Jetzt ist die Stimmung endgültig auf dem Höhepunkt. Während kaum mehr ein Mainzer im Stadion ist, feiern die Freiburger Fans auch noch als die Mannschaft wieder zurück in die warme Kabine läuft.



Der Rapporter hat jetzt allerdings genug. Aus Sorge um sein "strapaziertes" Herz verlässt er das Stadion mit einem breiten und zutiefst zufriedenen Lächeln im Gesicht, konnte er doch Zeuge dieses historischen Freiburg-Spiels werden.  

König des Platzes ...

... ist heute  Freiburgs offizieller neuer Pokalheld: Ivan Santini. Der kroatische Stürmer, den eigentlich kaum jemand mehr auf der Rechnung hatte, kam spät, traf und fiel im richtigen Moment. Damit hat er alles richtig gemacht und einen wesentlichen Teil zum Halbfinaleinzug beigetragen.  

Fazit

Freiburg erlebt mit seinen Fans in Mainz eine Achterbahn der Gefühle. Am Ende aber geht der SC als glücklicher und verdienter Sieger vom Platz. Mainz schwächt sich selbst: einmal durch Gelb-Rot und die unvorteilhafte Schiri-Aussage von Trainer Tuchel vor dem Spiel, aber auch durch die sehr frühe 2:0 Führung, die zu lange den gefühlten Sieg prophezeit.

Freiburg hat damit einen neuen Pokal-Dimension erreicht und gehört zweifelsohne zu den besten Mannschaften Deutschlands in der aktuellen Spielzeit. Fraglich wir aber sein, wie schnell sich die Spieler von den Strapazen des Pokal-Fights erholen, wenn sie am Samstag gegen Nürnberg in der Liga wieder auf Punktejagd gehen werden.