Das WG-Casting-ABC: Du bist im Recall

Gina Kutkat

Wer auf Zimmer-Suche ist, kommt heutzutage kaum noch drum herum. Mit einem Casting versuchen diverse WGs, den perfekten Kandidaten für ihre Bude zu finden. Ihr sucht ein Zimmer? Was ihr auf keinen Fall tun dürft und mit welchen Hobbies ihr jede WG-Jury überzeugt: Hier kommt der ultimative WG-Casting-Survival-Guide. Von A bis Z.



A wie Auswahlverfahren

Der deutsche Begriff für Casting. Findet jedoch heute kaum noch Verwendung – Casting klingt ja auch viel cooler.


B wie Bild malen

Im Extremfall kommt es vor, dass deine zukünftigen Mitbewohner in spe von dir verlangen, ein Bild zu malen. Wenn du Glück hast, musst du nur dich selber zeichnen. Hast du Pech, kommen Aufgaben wie "Zeichne ein Bild von deiner Zukunft" oder ähnliches auf dich zu.



C wie Casting

Ein Casting ist in seiner ursprünglichen Form (laut Online-Lexikon) der Prozess der Auswahl von Schauspielern, Tänzern, Sängern etc. in der Phase der Vorproduktion von Inszenierungen, Filmaufnahmen und Fotoaufnahmen. Man kennt den Begriff außerdem aus diversen Formaten namens DSDS, Popstars oder Das Supertalent. Auch in Studenten-WGs hat sich das Phänomen bemerkbar gemacht. Das WG-Casting besteht meistens aus einer Fragerunde, einem Fragebogen (siehe F), dem Vorspülen (siehe V) und einem Recall (siehe R).

D wie Dresscode Geht gar nicht:

  • Cordhose
  • Highheels
  • Gladiator-Sandalen
  • Jumpsuit
  • Lack-und-Leder-Leggins
  • zu viel Schminke
  • fleckige Kleidung
  • Krawatte
  • Leo-Look
  • Cocktailkleid
  • Ed Hardy
  • Jesus-Latschen

E wie Erster Eindruck

"Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance". Psychologen gehen davon aus, dass es nur 30 Sekunden dauert, bis man sich ein Bild von seinem Gegenüber gemacht hat. Wer in der ersten halben Minute nicht überzeugen kann, schafft es bestimmt nicht in die zweite Runde. Deswegen: Ruhe bewahren, Brust raus, Bauch rein, tief Luft holen und immer schön lächeln. Wer von sich selbst überzeugt ist, kann auch die anderen überzeugen.

F wie Fragebogen

Ein beliebtes Mittel, dem persönlichen Gespräch aus dem Weg zu gehen. Aus unerklärlichen Gründen denkt die Jury, somit dein wahres Ich zu erkennen.

Auf folgende Fragen kannst du dich schon mal gefasst machen:
  • Deine letzte Mahlzeit bestand woraus?
  • Deine Stärken und Schwächen?
  • Wie gut kannst du Siedler?
  • Welche Ecke des Raumes passt zu dir?
  • Wann stehst du morgens auf?
  • Was würdest du mit 500 Euro machen, die du auf der Straße findest?
  • Welche natürliche Gabe möchtest du gerne besitzen?
  • Tagesschau? RTL Aktuell? RTL II News? CNN?
  • Wenn du ein Tier wärst, dann welches?
  • Klo putzen oder Spülen, was machst du lieber?
  • Wo siehst du dich in fünf Jahren?
  • Wie lange brauchst du im Bad?



G wie Gemüse

Gemüse-Liebhaber kommen generell gut an. Einen großen Pluspunkt gibt es, wenn man Kochen als sein größtes Hobby angibt. Das ist gesellig und zudem noch praktisch für die anderen. Fleischliebhaber sollten ihre Gelüste vorerst geheimhalten, kann ja sein, dass die Psychologie-Studentin in der Runde überzeugte Vegetarierin ist. Auch Sprüche wie "Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg" sind bei der ersten Begegnung eher unangebracht. Ein übertriebener Gesundheitsfimmel ist aber auch nicht zu empfehlen, sonst landet man gleich in der Extrem-Vegetarier-Schublade (siehe X).

H wie Hobbies

Eine der beliebtesten Fragen beim WG-Casting ist die nach den Hobbies. Sie kommt garantiert – deswegen sollte man sich vorher schon mal überlegen, mit welchen Hobbies man prahlt und welche man lieber verschweigt.

Mit diesen Hobbies kann man angeben:

  • Sport, besonders Teamsport
  • Kochen (für andere, keine Fertigprodukte)
  • Computer (Mitgliedschaft im CCC und der Piratenpartei aber gegebenenfalls verschweigen, sonst wirkt man noch zu nerdig)
  • Kino, DVD (mit großer Kollektion) 
  • Zeitung lesen
  • Billy Regale zusammenbauen
  • Klettern
  • Fallschirmspringen
  • in einer Band spielen (außer Schlagzeug, und nur wenn man eine coole Band hat)
Diese Hobbies sollte man lieber verschweigen:
  • Jagen (siehe G wie Gemüse; und besonders dann, wenn man irgendwann Trophäen in der Wohnung aufhängen möchte)
  • Live-Rollenspiele
  • Kleintierzucht
  • Ü-Eier-Sammlung
  • Sadomasochistische Sexualpraktiken ohne Knebel (mit Knebel aber vollkommen okay, oder gegebenenfalls sogar ein Plus, weil cool)
I wie Insektenkunde

Entomologie ist dein größtes Hobby? Kleiner Tipp: Das musst du bei der Frage nach den Hobbies (Siehe H) ja nicht unbedingt als Erstes nennen.



J wie Jury

Deine größte Hürde: Die Jury. Wenn alle Juroren anwesend sind, besteht sie aus etwa drei bis vier Leuten. Sie entscheiden über dein Schicksal – zumindest was die Wohnungssuche angeht. Vorsicht ist geboten: Sei nicht zu frech, aber auch nicht zu ruhig. Stell dich schon mal auf folgende Jury-Typen ein:

  • Der/die Neugierige: Möchte gleich wissen, wie dein Liebster heißt, interessiert sich für deine Hobbies und deine Lebensgeschichte.
  • Der/die Ignorant/in: Haut nach zehn Minuten wieder ab. Ihm/ihr ist es eh schnuppe, wer in die WG zieht.
  • Der/die Aufgeregte: Kann's kaum abwarten, dir endlich den Fragebogen zu zeigen. "Frage 3 ist meine Lieblingsfrage!"
  • Der/die Nörgler/in: Findet alles doof, was du sagst. Ihm/Ihr kannst du es nie rechtmachen, deswegen rede lieber mit dem/der Neugierigen.
  • Der/die Angeber/in: Fällt durch sein/ihr übertrieben zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein auf.

K wie Kriterien

Darauf achtet die Jury besonders:
  • Kleidung
  • Was du in die WG mit einbringst (Wasch- oder Spülmaschine, Standmixer und Co. kommen gut an, ein Auto ist ein Joker)
  • Frisur
  • Hobbies (Siehe H)
  • Auftreten
  • Fragebogen-Kompabilität (Siehe F)
  • Humor
L wie Langzeitstudent

Du bist im 15. Semester, gerade aus der letzten WG geflogen und hast keine Ahnung warum? Siehe auch T wie Todsünde.

M wie Musikgeschmack

Manche Menschen denken ja, die CD-Sammlung beziehungsweise die Songs auf Deinem mp3-Player sagen mehr über dich aus als deine Hobbies. Wir finden: Stimmt! Deswegen solltest Du einen guten Musikgeschmack haben. Und "gut" heißt nicht, dass du neue Bands durch SWR3 entdeckst und dein letzter Kauf die neue Shakira-Scheibe war.

N wie Nummer

Eine ehemals WG-Suchende berichtet: "Ich kam in die WG und wollte mich vorstellen. Reaktion: "Nee, Namen brauchen wir nicht. Du bist Nummer 98 heute und den merken wir uns 'eh nicht mehr!" Dann wurde – ungelogen – ein Foto von mir gemacht, auf dem ich wie ein Verbrecher die Nummer 98 auf einem Schild hochhalten musste. Unterhalten haben wir uns nicht, "denn dafür haben wir ja Fragebögen." (siehe F)

O wie Orakel


Tut uns leid, aber wir können dir leider auch nicht voraussagen, ob es mit dem WG-Zimmer klappt.



P wie Putzfimmel

Bei dir kann man problemlos vom Boden essen und beim kleinsten Krümel greifst du sofort zum nächsten Lappen? Dann gehörst du schon jetzt zu den Favoriten deiner zukünftigen WG.

Q wie Quasselstrippe

Wer gut reden kann, ist klar im Vorteil. Allerdings solltest du darauf achten, vor lauter Aufregung nicht zu viel zu quasseln. Deinem Gegenüber bloß keine Frikadelle ans Ohr quatschen! Weniger ist auch hier mal wieder mehr. Die Jury interessiert nicht, wie viele WGs du schon angeschaut hast und wie anstrengend eine Wohnungssuche in Freiburg ist. Am besten beim Small Talk belassen. Wenn die Jury etwas interessiert, wird sie schon nachfragen.

R wie Recall

"Herzlichen Glückwunsch, du bist im Recall." Wer die erste Runde geschafft hat, ist noch nicht am Ziel. Die Studenten-WGs haben bei den großen Castern abgekupfert und den Recall eingeführt. Wer die Fragebogen-Hölle überstanden hat und seine Kreuze ins richtige Kästchen gesetzt hat, wird eventuell zurückgerufen. Gute Chancen, auch den Recall zu überleben, hat derjenige, der möglichst viele Gebrauchsgegenstände in die WG miteinbringt. Oder zum Recall spontan die Lieblingsgetränke der Jurymitglieder mitbringt. Denn: jede Jury ist bestechlich!

S wie StudiVZ

Wenn du im StudiVZ leicht zu finden sein solltest, überprüfe vorher noch einmal, dass du auf deiner Seite möglichst geil rüberkommst.

T wie Todsünde

  • Eltern mitbringen
  • Freunde mitbringen
  • Zimmer ausmessen
  • die Frage: "Aber ihr renoviert schon noch, bevor ich einziehe?"

U wie Urinieren

Nicht im Stehen! Streitpunkt fast aller WGs.



V wie Vorspülen


Das hier ist jetzt kein Witz. Um deine WG-Tauglichkeit zu testen, wird dich die Jury eventuell dazu auffordern, für sie vorzuspülen. Also vorher lieber noch mal 'ne Runde Tellerwaschen zur Probe.

W wie Waschmaschine

Thema WG-Geschenk: Wer mit einer Waschmaschine glänzen kann, hat das Zimmer schon fast in der Tasche.

X wie Xtrem-Vegetarier und/oder Veganer


Wer gesund lebt und viel Gemüse isst, kommt gut an (siehe G). Wer extrem pingelig ist, was Essen angeht, stößt jedoch nicht immer auf Gegenliebe. Du ekelst dich vor Sardellenpaste und verurteilst deine Mitmenschen, weil sie Milch in ihren Kaffee mischen? Dann solltest du doch lieber über eine Single-Wohnung nachdenken.



Y wie Yuppie


Du hast im Management Karriere gemacht und bist ein junger, weltgewandter Fachmann – ein Young Urban Professional? Was suchst du dann bei einem WG-Casting?

Z wie Zeit

Solltest du bei Deiner Wohnungssuche in Freiburg unbedingt mitbringen. Nur für den Fall, dass es nicht gleich mit der ersten WG klappt. Die fudder-Redaktion wünscht allen Suchenenden viel Erfolg und vor allem Durchhaltevermögen.

Mehr dazu: