Das West Coast Swing Café: Tanzen in der StuSie zu Lorde, Michael Jackson und den Arctic Monkeys

Michaela Konz

Tanzen zu fast jeder Musikrichtung? Das geht mit West Coast Swing. "Für mich ist das der neue Standardtanz", sagt Tanzlehrer Gordian Gossen. Zusammen mit Henriette Bertemes leitet er das "West Coast Swing Café", dass immer dienstags im großen Saal der StuSie stattfindet. Wie West Coast Swing funktioniert:



Tanzlehrerin Henriette Bertemes dreht voll auf. Durch den großen Saal der StuSie dröhnt der Pop-Song "Royals" von Lorde. Sofort bilden sich Paare und fangen an, zur Musik zu tanzen. Das Ergebnis sieht eigentlich so aus wie einer dieser Standardtänze - Walzer, Foxtrott oder Slowfox. Bei genauerem Hinsehen, tanzen aber nicht alle Paare gleich.

Ein paar Schritte vor und zurück, dann eine Drehung der Dame, und wieder ein paar Schritte vor und zurück. Die Tanzpartner sind immer in Kontakt - durch die Hände oder eine Hand am Körper. Und zwischen den einzelnen Schritten bringt jeder seinen eigenen Stil mit ein. Einige kreisen die Hüften oder machen zum Rhythmus passende Bewegungen mit den Armen. Hier tanzt man West Coast Swing.

Kennen gelernt haben die 32-jährige Henriette Bertemes und der 38-jährige Gordian Gossen den West Coast Swing vor drei Jahren. "Seitdem sehen wir ihn als neuen Standardtanz an", sagt Gordian. Neben dem Tanzen arbeitet Henriette als Eventmanagerin bei der Tanzschule Gutmann; Gordian ist im IT-Einkauf an der Uni Freiburg beschäftigt.

Die Leidenschaft für den Tanz brachte sie dazu, vor zwei Jahren, gemeinsam das "West Coast Swing Café" in der StuSie zu gründen. So wollen die beiden diese Leidenschaft an andere weitergeben und sie für den Paartanz begeistern. "Wir sind zwar noch kein richtiges Tanzcafé, aber dafür gibt es den Kaffee vor der Tanzstunde gratis", sagt Gordian und lacht.



Henriette und Gordian haben als Schüler schon zahlreiche Workshops absolviert und Privatstunden bei den besten Paaren der Welt genommen. Derzeit folgen sie vier verschiedenen Lehrerausbildungen, unter anderem der Intensive- und Masterclass. Alles, was sie auf ihren Tanzreisen in den USA, Frankreich und der Schweiz lernen, geben sie an ihre Schüler weiter und bauen immer wieder neu erlerntes mit in die Tanzstunden ein, damit es spannend bleibt.

"Den West Coast Swing kann man zu fast allem tanzen, das im Radio läuft, es muss eben im 4/4 Takt sein", sagt Henriette, die auch während der Tanzstunde verschiedene Musik laufen lässt. Mal was Rockiges von den Arctic Monkeys oder Klassiker wie 'Billie Jean' von Michael Jackson. Vorkenntnisse in anderen Tänzen sind nicht nötig. "Unsere Kurse richten sich an alle, die Lust an Bewegung zu Musik haben", sagt Gordian. Allerdings ist der West Coast Swing, im Vergleich zu Standard-und Lateinamerikanischen Tänzen, relativ schwer zu lernen. "Aber wenn man erst mal die Technik beherrscht macht es umso mehr Spaß", sagt Gordian. "Der größte Unterschied zum West Coast Swing gegenüber den Standard- und Lateinamerikanischen Tänzen ist, dass alles geführt und geleitet wird",  sagt Henriette. "Bei den Standardtänzen zum Beispiel kennt man die genauen Schrittfolgen, und der Tanzpartner weiß schon, was als nächstes kommt. Das ist beim West Coast Swing anders. Man kann ihn unterschiedlich und unabhängig vom Partner interpretieren, je nach Musik, Lust und Laune."

Und tatsächlich funktioniert nichts ohne "die Verbindung" von der während der Tanzstunde immer wieder gesprochen wird. Es ist ganz klar zu sehen, wenn der Führende nicht die richtigen Signale gibt. Die Frau weiß nicht weiter. Soll sie sich wieder zum Partner umdrehen, oder einfach weiter von ihm weg tanzen? Der Mann gibt der Frau die Richtung an - über leichten oder starken Druck seiner Hand an ihrer Hand oder ihrem Körper. Die Frau muss natürlich auch immer bei der Sache sein, so spürt sie genau in welche Richtung sich der Tanz entwickelt.

Zu schnell darf die Musik, und damit die Tanzbewegungen und Abläufe aber nicht sein. "Da wären wir ja sonst fast schon wieder beim Lindy Hop", sagt Gordian. Der ist im Gegensatz zum West Coast Swing sehr flippig, peppig und schnell. Der Lindy Hop hat seine Wurzeln in den 1940er Jahren, was Musikstil, Kleidungsstil und die Tanzbewegungen angeht.

Der West Coast Swing dagegen ist immer der aktuell populären Musik gefolgt. Vor 30 bis 40 Jahren war die Musik deutlich schneller als heute, so dass sich der Tanzstil dem angepasst hat. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Musik deutlich langsamer geworden, und so hat sich ein anderer Tanzstil entwickelt. Fließende Bewegungen nehmen jetzt einen größeren Raum ein.

Während der Tanzstunde wird viel erklärt und zwischen den Tanzlehrern und Teilnehmenden kommuniziert, aber genau so viel geübt. Und das nicht nur mit dem selben Partner, sondern immer im Wechsel. Falls es mal Frauen- oder Männerüberschuss gibt, wird einfach öfter durch gewechselt "aber es geht eigentlich fast immer auf", sagt Gordian.

Mitmachen können übrigens nicht nur Studierende, sondern jeder, egal welchen Alters. Ein 16-jähriger Schüler tanzt mittlerweile regelmäßig mit: "Ich komme aus einer Tänzerfamilie und tanze sowieso viel und gerne. Seit einer Saison nehme ich jetzt schon am West Coast Swing Café teil und hab' echt jedes mal Spaß dabei, das ist mal was anderes." Da man sich vorher auch nicht anmelden muss, ist die Gruppenkonstellation immer wieder ein wenig anders.


 

Das West Coast Swing Café

Das West Coast Swing Café findet immer dienstags im großen Saal in der StuSie am Seepark statt. Für Einsteigerinnen und Einsteiger bieten Gordian und Henriette dort einmal im Monat einen Crashkurs an, der für Studierende kostenlos ist. Außerdem geben die beiden Kurse und Tanzabende in der Kölner Botschaft und beim Studium Generale der Uni. Alle Termine: West Coast Swing Café

Mehr dazu:



Was:
West Coast Swing Café
Wann: immer dienstags
19:30 Uhr Level 1
20:45 Uhr Pause
21 Uhr Level 2
22:15 Uhr Zeit zum Üben
Wo: Großer Saal; StuSie am Seepark, Sundgauallee 36
Eintritt: Einzelstunde 12 Euro; für Schüler und Studierende 10 Euro
5 Stunden: 50 Euro, Schüler und Studierende 45 Euro
10 Stunden: 90 Euro, Schüler und Studierende 80 Euro
Anmeldung: nicht erforderlich  
Foto-Galerie

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.