Das Vorbild aller Finanzminister

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wer im Preußen des frühen 18. Jahrhundertsdie Staatsfinanzen regelte? Unter Friedrich I. war Johann Kasimir Graf Kolbe von Wartenberg der fast allmächtige Premierminister. Da er nicht nur einen absolutistischen Prunkhof, sondern auch noch sein eigenes fürstliches Gehalt (ungefähr 20 Prozent der gesamten Staatsausgaben) bezahlen musste, war er bei der Erfindung von Steuern sehr kreativ: Neben Steuern auf Perücken, Hüte, Kaffee, Tee, Strümpfe oder Kutschen mussten auch junge Mädchen blechen: Bis zu ihrer Heirat mussten sie auf ihre Jungfernschaft pro Monat zwei Groschen Jungfernsteuer bezahlen.