"Das Vauban gehört zu Frankreich!" Interview mit Verschwörungstheoretiker Conny Spirazzi

Daniel Laufer

"Freiburg, wie wir es kennen, wird bald nicht mehr existieren", versprach Conny Spirazzi. Also traf sich fudder-Redakteur Daniel Laufer mit dem bekannten Verschwörungstheoretiker. Warum Spirazzi recht haben könnte:



Wo verabredet man sich mit jemandem, der mehr Transparenz fordert? Antwort: in der neuen Glas-UB. Ich stehe im zweiten Stock und warte. Eine Neumondnacht, Ende September. Tagsüber arbeiten hier noch die Handwerker, jetzt bin ich alleine. Bis er die Treppe hochstürmt: Conny Spirazzi - Journalist, Aussteiger, Querdenker.

Er habe einen Schleichweg genommen, platzt er heraus, da seien zwei Radfahrer gewesen, ohne Licht, die hätten ihn verfolgt. Aber ihm passiere das ja ständig. Spirazzi zündet sich eine Zigarette an, irgendeine russische Marke. Dann kann unser Interview beginnen.

Herr Spirazzi, Sie arbeiten an einem Buch, das Anfang 2015 erscheinen soll. "Freiburg, wie wir es kennen, wird bald nicht mehr existieren" - das haben Sie versprochen. Warum sollten unsere Leser Ihnen das glauben?

Conny Spirazzi: Ich kann Ihnen beweisen, dass ich die Wahrheit sage. Also passen Sie auf: Innerhalb der nächsten zwei Monaten wird herauskommen, dass die Schweiz sämtliche Brücken an der deutschen Grenze mit Sprengstoff ausgestattet hat. Erinnern Sie sich an meine Worte - bis in zwei Monaten fliegt die Sache auf!

Sprengstoff in Rheinbrücken? Das klingt ziemlich unwahrscheinlich. Haben Sie nichts Besseres?

Na gut: Was, wenn ich Ihnen sage, dass das Vauban eigentlich gar nicht zu Freiburg gehört?

Viel besser!

Mitterrand hat in Freiburg ja immer großes Potential gesehen. Als es nach der Wende dann um den Abzug der Streitkräfte ging, hat er sich einfach quergestellt. Mit dem Ergebnis: Das Vauban gehört zu Frankreich! Und seine Bewohner sind de facto französische Staatsbürger.

Ich bin darauf gestoßen, als ich für die Uni eine Studie durchgeführt habe. Wir wollten sehen, wie gewissenhaft der Freiburger seinen Müll trennt. Deshalb haben wir in allen Stadtteilen in die Tonnen geschaut. Und was haben wir im Vauban gefunden? Leere Merlot-Flaschen!

Was glauben Sie denn, woher der ganze Laissez-faire-Quatsch in dieser Stadt kommt? Freiburg, die Toskana Deutschlands? Blabla - das Vauban gehört zum Elsass! 32 Prozent haben die Grünen dort bei der Gemeinderatswahl geholt. Diese Stimmen wird der Front National jetzt übrigens einklagen.

In einer Ihrer Emails haben Sie außerdem angedeutet, ein Großinvestor aus der Ukraine plane in Freiburg ein - ich zitiere das einfach - "echt krasses Ding". Aus welcher Branche kommt der Mann - und was hat er vor?

Gut, dass Sie das ansprechen. Da hat sich seither ja auch so einiges getan. Erst mal: Dieser Unternehmer hat sich sein Vermögen hauptsächlich mit dem Verkauf von Schokolade ergaunert. Mehr darf ich zur Personalie nicht sagen.

Während der Aufstiegsrunde im Frühjahr war er regelmäßig bei den Spielen des EHC. Er stellte dem Vorstand in Aussicht, viel Geld in den Verein zu investieren, um in Zukunft in der russischen KHL spielen zu können. Aber wie Sie sicher wissen, platzte dieser Plan.

Man hätte wegen der Zuschauerkapazität ins Dreisamstadion umziehen müssen, die Überdachung wäre kein Problem gewesen. Der Boden, auf dem das Stadion steht, ist aber leider leicht abschüssig - das hat ein Gutachten ergeben. Da wäre der Puck immer von alleine ins Tor gerutscht.

Aber dem Schokoladenzar, wie ich ihn nennen will, ist das egal. Er hat sich schon was Neues ausgedacht.

Das ist ja verrückt! Was plant er denn nun?

Ich will es Ihnen verraten. Freiburg soll ja einen neuen Stadtteil bekommen - Dietenbach, entlang des Dietenbachs. Das Gelände ist aber im Moment noch im Besitz von Privateigentümern. Poroschenko, also dieser Schokoladenzar eben, will an den Grundstücken verdienen und die neue Siedlung bauen.

Sein Plan: Er pumpt das Wasser aus dem Dietenbach ab. Systematisch trocknet er die umliegenden Flächen aus, bis sie für die Landwirtschaft nicht mehr zu nutzen sind. Dann haben die Privateigentümer keine Wahl mehr: Sie müssen verkaufen. 14 Euro pro Quadratmeter will Poroschenko ausgeben. Dabei ist das Land in Wirklichkeit viel wertvoller!

Das klingt nach einem üblen Komplott. Wie sind Sie dem auf die Spur gekommen?

Ich habe gut kombiniert und eine Schwäche des Plans aufgespürt: Poroschenko kann so viel Wasser abpumpen wie er will - es muss trotzdem irgendwo hin! Sobald es dunkel ist, leitet er es also ins Bächle um. Das Bächle wird deshalb auch den ganzen Winter über Wasser haben - aber eben nur nachts, damit niemand etwas mitbekommt.

Entschuldigen Sie, aber das erinnert mich doch stark an die Handlung von "Chinatown", diesem Film mit Jack Nicholson, in dem Gangster vorübergehend den Los Angeles River austrocknen wollen...

Kriminelle gibt es eben überall - ob in den USA oder in der Ukraine.

Ein echter Thriller!

Gut, dass Sie mich daran erinnern. Den wahren Grund, warum der SWR den Freiburg-"Tatort" verschoben hat, kennt ja auch noch niemand.

Außer Ihnen, nehme ich an?

Exakt. Das Drehbuch war längst fertig, da hat die Wirklichkeit die Produzenten eingeholt. Die Geschichte hat sich in der Zwischenzeit genau wie im Buch zugetragen!

Die Öffentlichkeit hat ja keinen Schimmer, was man beim Umbau des Theaters unter der Bühne entdeckt hat. Ich sage nur: Rheingoldzimmer!

Haben Sie sich nie Gedanken gemacht, wie sich so ein Theater selbst finanzieren kann? Nun, das hier ist die Erklärung.

Heike Makatsch jedenfalls ist darauf völlig ausgeflippt. Jetzt, wo die Story tot ist, hat sie keine Lust mehr auf das Projekt. Nun verhandelt der SWR doch mit dem Schweiger.

Sie machen mir Angst, Herr Spirazzi!

Dabei haben Sie noch gar keinen Schimmer, was hier wirklich läuft. Die Augen werden Ihnen erst bei der Bürgermeisterwahl 2015 aufgehen!

Da muss ich Sie korrigieren - die nächste Bürgermeisterwahl in Freiburg ist erst wieder 2018.

Das glauben Sie nur, weil Sie noch nichts von der jüngsten Entwicklung gehört haben: Der Salomon ist weg! Bei der FIFA in Zürich fürchten die Leute nun um ihren Job: Jogi Löw hat den WM-Pokal auf dem Rathausbalkon vergessen und Salomon die Chance genutzt.

Haben Sie sich nie gefragt, warum man in Freiburg seit diesem Rathausempfang keinen der beiden mehr gesehen hat?

Tagelang wusste niemand, was eigentlich los ist. Dann hat Salomon auf Instagram ein Selfie mitsamt Pokal gepostet - vom Flughafen im australischen Melbourne. Das Foto hat er schon wieder gelöscht, aber es gibt eine Kopie auf einem russischen Webserver. Ich werde Ihnen einen Link schicken.

Ich hoffe, das hat keine Konsequenzen für den SC.

Der hat im Moment ganz andere Sorgen: Christian Streich. Obwohl er mittlerweile die Bundesliga-Mannschaft trainiert, hat er noch immer seinen alten Arbeitsvertrag aus Zeiten der Fußballschule - mitsamt einer Klausel, die ihn praktisch unkündbar macht! Egal wie die Saison läuft - Streich wird also Trainer bleiben.

Als ich davon hörte, konnte ich es selbst zunächst nicht glauben. Also habe ich beim SC angerufen, um mir das bestätigen zu lassen. Das Statement des Vereins beweist eindeutig, dass das Gerücht stimmt: "Über die Bedingungen des Vertrags wurde wie üblich Stillschweigen vereinbart." Sie hätten es ja auch dementieren können.

Aber Herr Spirazzi, so etwas kann ich doch nicht schreiben - da kriege ich bloß Ärger!

Ich bin enttäuscht! Wegen Journalisten wie Ihnen ist es so wichtig, dass die Leute im Januar dann mein Buch kaufen.

Berichten Sie wenigstens über das gigantische Chemtrail-Experiment, das die Stadtverwaltung für den Dezember plant?

Wovon sprechen Sie?

Auch als wärmste Großstadt Deutschlands soll Freiburg zum Jahresende hin mal wieder Schnee haben - unter Ausschluss der Öffentlichkeit gab es da einen Bürgerentscheid.

Deshalb wird die Stadt Anfang Dezember das ganze Silberiodid aus dem Schlossbergbunker holen, um es dann zu Silvester in die Wolken zu ballern. Da wird Schaden unbekannten Ausmaßes für Mensch und Natur in Kauf genommen - und so was im grünen Freiburg!

Denken Sie, das funktioniert überhaupt?

Das wird die Zeit zeigen. Vielleicht erleben wir es aber auch alle gar nicht mehr.

Sehen Sie das schwarze Tuch, dass man da draußen an der UB-Fassade aufgehängt hat? Damit die Sonne die Autofahrer nicht blendet - angeblich. Jetzt denken Sie doch selbst mal nach: Kann es wirklich sein, dass einem Architekten so ein Fehler unterlaufen sein soll? Natürlich nicht. Dieses Segel war von Anfang an geplant - nur geht es dabei nicht um die Sonne.

Es ist eine Markierung - damit die da Freiburg aus der Luft gut erkenne und die Stadt dem Erdboden gleich machen können.

Wer sind "die da"?

Na die Außerirdischen.

Spirazzis Augen werden feucht, ihn scheint das alles sehr mitzunehmen. Wir müssen das Interview schließlich abbrechen. Der Autor raucht noch eine weitere Zigarette, dann verabschiedet er sich.
In den Wochen darauf versuche ich mehrfach, ihn zu erreichen. Damit ich das Interview veröffentlichen kann, fehlt noch ein Puzzleteil: Dieter Salomons Bild mit dem WM-Pokal am Flughafen. Doch Spirazzi reagiert nicht - er geht nicht ans Telefon und antwortet nicht auf Emails. Auch von seiner geplanten Buchveröffentlichung hört man nichts mehr.
Am Montagmorgen nach den Weihnachtsfeiertagen liegt dann auf einmal ein Brief auf meinem Schreibtisch in der fudder-Redaktion - natürlich ohne Absender. Ich öffne ihn - und finde dieses Foto:



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[Fotos: ysbrandcosijn/Fotolia.com, dpa/Montage: Daniel Laufer]