Das unterschiedliche Duell der Künstler

Dirk Philippi

Mit Roman Kadera und Yannick Dubé werden die Zuschauer beim heutigen Spitzenspiel der Eishockey-Oberliga (18.30 Uhr, Franz-Siegel-Halle) zwischen den Wölfen Freiburg und den Tölzer Löwen zwei zauberhafte Puckkünstler zu Gesicht bekommen. Dabei ist den Wölfen nach einer bitteren Auswärtspleite am Freitag momentan nicht nach Zirkus zu Mute, und schon gar nicht nach einem hochnäsigen Gästetrainer.



Bad Tölz ist Tabellenerster, Freiburg Zweiter. Bad Tölz hat 26 (!) Punkte Vorsprung auf Freiburg und es auf einen Schnitt von sagenhaften 2,5 Punkten in 48 Spielen gebracht. Die Löwen haben ihr Freitagsspiel 8:2 gewonnen, die Wölfe ihres 3:7 verloren. Die Bayern versuchen ihre Form für die anstehenden Playoffs mit Genuss zu konservieren, die Breisgauer sind verkrampft bemüht, ihre endlich wieder zu finden. Hier strotzt unbarmherziges Selbstbewusstsein, dort verwirrte Unsicherheit. Selten waren die Vorzeichen für ein „Spitzenspiel“ unterschiedlicher als heute und doch lauert knisternde Brisanz im deutschen Minorleague-Evergreen.


Zur Freitagspartie in Peiting wollte Wölfe-Coach Peter Salmik gar nicht mehr viel sagen: „In den ersten zehn Minuten haben wir unsere Chancen fahrlässig vergeben, dann unnötige Strafzeiten kassiert und schließlich verunsichert wie eine Kleinschülermannschaft agiert.“ Angesichts des auf zwei Pünktchen geschmolzenen Vorsprungs auf den Verfolger aus Füssen, hat Salmik den letzten sechs Vorrundenspielen den Stempel „Endspiele“ aufgedrückt. Dabei ist es für die Freiburger höchste Zeit, dass endlich der komplette Kader zur Verfügung steht. Roman Kadera ist seit gestern dauerhaft in Freiburg angekommen, Antti Karhula wieder gesund und auch Josef Kottmair kann nach seinem Schlüsselbeinbruch wieder ins Geschehen eingreifen. Zusätzlich kommt mit Förderlizenzspieler Simon Danner Verstärkung aus der DEL. Wie der 24-Mann-Kader heute aufgestellt sein wird und welcher Kontingentspieler als überzähliger pausieren muss, wollte Salmik noch nicht sagen, vielleicht auch, weil er sich selbst noch nicht 100%ig sicher war. Noch in Peiting (ohne Kadera und Karhula) probierte es Salmik zuerst mit Chris Billich in der ersten Reihe, dann mit Josef Kottmair. Es ist die große Herausforderung für den jungen Coach, nach den notwendigen Neuverpflichtungen und zuletzt drei Niederlagen in fünf Spielen nun die richtige Mischung auf dem Eis zu finden, um rechtzeitig vor der Endrunde in die Erfolgsspur zurückzukehren. So muss auch Petr Mares, bislang überragender Wölfe-Spieler, der gegen Peiting erneut eine Disziplinarstrafe kassierte (Salmik: „Diesmal muss ich Petr in Schutz nehmen – er hat gar nichts gesagt“), wieder in sein Spiel finden, schneller abschließen und die Scheibe nicht so lange halten wie zuletzt.

Eine zweite Aufgabe ist es, das Team auf das klare Ziel einzuschwören: Jeder, der nun für die Wölfe auf das Eis geht, muss fortan den Auftrag „Aufstieg“ denken, spielen und leben. Inwieweit die Spieler, gerade die älteren (sieben über dreißig), noch bereit sind, diese mentalen und körperlichen Strapazen auf sich zu nehmen, können sie zum Beispiel heute beweisen. Gegen Bad Tölz und ihre Top-Spieler um Yannick Dubé müssen die Wölfe als kompakte Einheit auftreten, um eine reelle Chance zu haben und sich von dem Übermaß an Selbstvertrauen beim Tabellenführer ein Stückchen wegzunehmen.

Apropos Übermaß: Eines macht den Tölzer Trainer Axel Kammerer nahezu unantastbar: der Erfolg. Und doch hat er sich sogar bei den eigenen Chefs mit unbescheidenen Äußerungen ("Die Erfolgsstory geht weiter!" - „Der Gegner war hoffnungslos unterlegen!" - "Zum wiederholten Male waren wir überragend!") keine Freunde gemacht und wartet noch immer vergeblich auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung. Bei den Wölfen Freiburg und ihrem neuen Star hat er jedenfalls für zusätzliche Motivation gesorgt. Auf den Einsatz des mehrfachen tschechischen Nationalspielers und Extraliga-Skorers Roman Kadera angesprochen, äußerte Kammerer: „Kadera? - Sagt mir überhaupt nichts!“ – Mal sehen, was ihm dieser heute antworten wird.