Das unterschätzte Medium

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie der Videotext funktioniert? Inzwischen ist es fast unvorstellbar, dass man vor dem Ferneher sitzt und nicht mal kurz nach den aktuellen Sportergebnissen oder Informationen zur laufenden Sendung gucken kann. Doch diesen so praktischen Service gibt es erst seit Anfang der 70er Jahre, als Techniker der BBC darauf kamen, eine Lücke im Fernsehsignal zu nutzen.

Diese Lücke entsteht bei analogen Fernsehgeräten: In der Bildröhre läuft 50 mal pro Sekunde ein Elektronenstrahl Zeile für Zeile über die Scheibe und baut dort Pünktchen für Pünktchen das Fernsehbild auf. Dabei gibt es Momente, in denen der Strahl nicht sichtbar ist: Einmal, wenn er vom Ende einer Zeile zum Anfang der nächsten springt, dort entsteht die horizontale Austastlücke. Und in dem Moment, wo der Elektronenstrahl vom unteren Ende des Bildschirms wieder nach oben zurückspringt, entsteht die vertikale Austastlücke.


In dieser Zeit können statt der Information "nichts" auch Daten gesendet werden. Die vertikale Austastlücke wurde also dazu benutzt, zuerst nur wenige Seiten an aktuellen Informationen zu verschicken. Die berühmte graphische Qualität mit nur wenigen Farben und ausgesuchten Sonderzeiten ist noch die gleiche wie zur Einführung dieses Mediums. 1974 startete die BBC diesen Service, der sich mit der Zeit und Fernsehgeräten, die dafür ausgelegt waren, über viele Länder verbreitete.

Die verschiedenen Videotextseiten werden dabei hintereinander immer wieder in einer Schleife gesendet. Deshalb muss man bei älteren Fernsehern bis zu einer halben Minute warten, bis die gewünschte Seite auch zu sehen ist. Das liegt daran, dass kleine Speicherbausteine, die heutzutage problemlos sämtliche Seiten memorieren können, früher einfach zu groß und vor allem zu teuer waren. Auch legten viele TV-Hersteller lange Zeit wenig Wert auf die Bedienerfreundlichkeit des Teletextes.

Moderne Fernseher haben aber solche Speicher, die inzwischen Pfennigartikel sind. Und auch die graphische Qualität ist, zumindest bei einigen Sendern, die größtenteils dafür Gebührengelder benutzen können, inzwischen stark verbessert.