Abschlussarbeit

Das steckt hinter der Idee des "Freiburg-Cups"

Otto Schnekenburger (Der Sonntag)

Die Freiburgerin Kathrin Hoene führte den ersten Mehrweg-Kaffeebecher für die "Warsteiner Galerie" ein. Damit war der Vorläufer des neuen "Freiburg-Cups" geboren.

Auf einer Busfahrt ist es Kathrin Hoene eingefallen, in der von ihrer Familie betriebenen Freiburger Kneipe "Warsteiner Galerie" ein Mehrwegsystem für Kaffeebecher zum Mitnehmen einzuführen. Weil sie sich von Mitreisenden umgeben sah, die alle Plastikbecher in den Händen hielten. Und so kann die 26-Jährige von sich sagen, weit vor der Aktion, mit der die Stadt Freiburg in dieser Woche von sich reden machte, den To-Go-Kaffeebecher zum Zurückgeben eingeführt zu haben – und die Stadt zudem mit dazu anregte, auch andere Betriebe für eine solche Aktion zu gewinnen.


Am Anfang lief es nur schleppend

300 Mehrwegbecher aus der Holzfaser Lignin schaffte sich die Warsteiner Galerie an, die Abfallwirtschaft beteiligte sich und warb mit ihrem Logo auf den hell- und dunkelblau gestalteten Produkten, für die ein Pfand von fünf Euro verlangt wurde. Anfangs lief das Geschäft mit den Mehrwegbechern nur schleppend, ohnehin hatte der Gastrobetrieb nicht viele Gäste, die einen Kaffee zum Mitnehmen verlangten. Dann wurde es aber immer besser. Und im Gegensatz zum jetzt in mehreren Cafés eingeführten "Freiburg-Cup" sind bei den Bechern der Warsteiner Galerie die Deckel aus Silikon und gehören damit zum Mehrwegsystem dazu. "Außerdem verbrennt man sich an unseren Deckeln nicht die Finger", lacht Hoene.

"Wir sind froh, dass aus der Idee jetzt so ein großes Ding geworden ist", Kathrin Hoene
Sogar ihre Abschlussarbeit widmet Kathrin Hoene, die an der Hotelfachschule in Heidelberg Hotelbetriebswirtschaft studiert und im Sommer 2017 die Warsteiner Galerie von ihrem Vater Christian Hoene übernehmen will, dem Thema Pfandsystem für Becher. "Der Erfolg einer Einführung von so einem Mehrwegsystem variiert in den Städten sehr, weil die Akzeptanz in der Bevölkerung dafür stark schwankt", erzählt sie von ihren Forschungen.
Von der Abfallwirtschaft hörte Hoene seit der gemeinsamen Aktion nichts mehr und war jetzt überrascht vom "Freiburg-Cup", der die Stadt Freiburg bundesweit in die Medien brachte. "Wir erfuhren davon erst aus der Zeitung, wir hätten uns sonst auch gerne beteiligt", sagt Kathrin Hoene. Das soll wohl auch noch nachgeholt werden. "Wir sind aber nicht böse, uns geht es um die Sache, wir sind froh, dass aus der Idee jetzt so ein großes Ding geworden ist."

Mehr zum Thema: Quelle: Dieser Beitrag ist zuerst am 27. November 2016 in unserer Wochenzeitung "Der Sonntag" erschienen