Das SPAM-Museum

Christoph Müller-Stoffels

Ob Aktien-Infos, Heimarbeit oder Viagra zum Schleuderpreis, Ernährungstipps, Medikamente oder der vorgebliche Lottogewinn: Spam nervt in allen seinen Formen. Am besten, man nimmt es mit Humor, dachten sich die Gründer des Spam-Museums und begannen, die lästigen Werbemails auszustellen. Im fudder-Interview erzählt Klaus-Martin Meyer von Aktien-Tipps, dem Interesse der Polizei und dem Nutzen des virtuellen Museums.

 

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen das online zu stellen, was alle Internet-User am meisten nervt?

Wie haben uns in irgendeiner Mittagspause darüber unterhalten, dass es doch schön wäre, wenn man eine Möglichkeit hätte, wie man umsonst an Inhalte käme, ohne dass man einer Gegenleistung erbringen muss. Uns fiel spontan unser Spam-Filter ein. Wir dachten uns, wenn wir diesen Content online stellen, kann uns niemand verklagen, denn wenn uns jemand verklagt, würde er sich als Spammer outen. Seitdem nehmen wir das Phänomen Spam gelassener.

Wie ist die Resonanz?

Viele Seitenabrufe hatten wir, als der Aktien-Spam-Boom ausbrach, mit dem Aktien entweder gehyped oder gen Süden geschickt werden sollten. Das Museum selbst gibt es etwa seit Juni letzten Jahres.

Schicken Euch User jetzt auch ihren Spam?

Die Mails haben wir alle selbst bekommen. Ab und zu wird uns etwas weitergeleitet. Aber der übergroße Teil stammt aus unseren eigenen Spamfiltern.

Wenn die ausgestellten Mails das Ergebnis von gut einem Jahr sind, dann scheinen sich die Spammer noch öfter zu wiederholen, als ich dachte.


Wir stellen natürlich nicht alles ein. Das ist auch ein zeitliches Problem, denn dasSpam-Museum ist unser Privatvergnügen. Ab und zu hat man da 14 Tage oder einen Monat keine Lust zu oder keine Zeit. Deshalb ist das natürlich lange nicht alles. Und natürlich wiederholt sich vieles. Zum Beispiel schicken diese Kasino-Spammer gnadenlos jeden Tag dasselbe, und das über Jahre. Zumindest kommt mir das so vor. Das stellen wir natürlich nicht doppelt ein.

Ist das Museum nur Spaß oder siehst Du darin auch einen Nutzen?

Ich glaube, dass die ganze Geschichte neben dem Spaßfaktor auch einen gewissen Nutzen hat. Oft kopieren die Leute die Betreff-Zeilen einer Spam-Mail in die Google-Suche um herauszufinden, ob es tatsächlich Spam ist. Es gab zum Beispiel eine Welle von Spam-Mails, die wie echte Mails von Google aussahen, in der Webmaster darauf hingewiesen wurden, dass ihre Site aus der Google-Suche fliegt, wenn sie bestimmte Dinge nicht ändern. Da waren Links zu Google drin. Das war wirklich vertrauenserweckend. Der Sinn war auch Vertrauen zu schaffen, denn zwei Wochen später kam eine wirkliche Spam-Welle mit der Absicht, dass sich die User nun auf irgendwelche dubiosen Seiten klicken sollten, auf der dann Trojaner warten. So betrachtet glaube ich schon, dass unser Museum einen gewissen Nutzen für die Leute hat.

Hast Du eine Lieblings-Spam-Mail?

Meine Lieblings-Spam-Mails sind ganz klar die Aktien-Spams. Da wird man regelmäßig an den Aktien-Hype zu Beginn diese Jahrtausend erinnert, und da kann man sich freuen, wenn man die eine oder andere Aktie aus dieser Zeit auch noch hat oder hatte. Abgesehen davon bringen die natürlich auch den meisten Traffic.

Spammer arbeiten teilweise mit authentischen Mailadressen von eBay oder ähnlichen Unternehmen. Was sind Deine Tipps, um Spam-Mails zu erkennen?

Sehr aufschlussreich ist natürlich immer, sich die Mail-Adresse des Absenders anzuschauen, wobei die natürlich auch oft gefälscht sind. Wenn Hyperlinks in der Mails sind, sollte man keinesfalls draufklicken, sondern nur mit der Maus drauffahren und sehen, was unten links als tatsächlicher Link angezeigt wird. Wenn man die wirkliche Adresse sieht weiß man in der Regel, dass man nicht auf diese Seiten will. Wenn das auch noch keine Sicherheit bringt, bleibt immer noch, eine Google-Suche zu starten. Wir sind nicht die einzige Seite, die so etwas publiziert, so dass man oft auch auf Hinweise anderer Blogs zurückgreifen kann.

Was ist das interessanteste, was Dir bislang mit Spam passiert ist?

Einmal wurde ich zu Hause angerufen und man sagte mir, ich bekäme jetzt eine Aktienempfehlung. Ich sollte die Aktien kaufen, da sie sich innerhalb des nächsten Monats um 30 Prozent verteuern würden. Sollte sich das bewahrheiten, würde ich wieder angerufen und mir würde ein weiterer Tipp gegeben. Dann müsste ich allerdings für die Tipps bezahlen. Einen Tag später setzte dann Spam für diese Aktie ein, was mir komisch vorkam. Die Börsenaufsicht, die ich daraufhin anrief, interessierte sich aber überhaupt nicht dafür. Für die Polizei schien es auch nur insofern interessant zu sein, als der Absender der Mail Hitler war. Aktienempfehlungen zu verschicken und auch das Spammen an sich sei allerdings nicht verboten.

Siehst Du Spam inzwischen mit anderen Augen bzw. freust Du Dich über Spam?

Nein, es nervt nach wie vor.

Mehr dazu:

Spam-Museum: Website

Klaus-Martin Meyer und Friedrich Kronenberg gründeten im vergangenen Jahr das Spam-Museum. Unter dem Motto "Nur Humor hilft gegen Spam" sammeln und kommentieren sie dort Werbemails, die sie aus ihrem Spam-Filter gefischt haben. Andere Projekte der beiden sind das Interview-Blog und ganz-schlau.de.

Der Begriff Spam bezeichnet eigentlich ein lang haltbares Dosenfleisch. Berühmt wurde der Name durch einen Sketch der britischen Comedy-Gruppe Monty Python.

Monty Python: Spam