Das sind Freiburgs Straßenmusiker

Céline Drazek

In München müssen Straßenmusiker ein Casting absolvieren, bevor sie auf der Straße spielen - nur wenige dürfen dort musizieren. In Freiburg gelten andere Regeln. Samstags stößt man dort fast an jeder Ecke auf einen Straßenmusiker. Unter der Woche dagegen selten. Warum ist das so? Und wer sind überhaupt diese Menschen, die für uns musizieren? Wir stellen euch fünf Freiburger Straßenmusiker vor.



Unter der Woche dürfen Straßenmusiker nur von 10 bis 11:45 Uhr und von 16:00 bis 18:45 Uhr musizieren. Am Wochenende hingegen durchgehend von 10:00 bis 18:45 Uhr. Allerdings müssen sie immer 15 Minuten vor der vollen Stunde ihr Spiel beenden und den Standort wechseln -  so steht es in einem achtseitigen Merkblatt in fünf Sprachen, das beim Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Freiburg erhältlich ist.


Elisa Wehrle und Katharina Schultz singen leidenschaftlich gern. Die 21-jährige Elisa singt seit acht Jahren, die 18-jährige Katharina seit fünf. Seit ungefähr einem Jahr singen die beiden regelmäßig auf der Straße. Sie finden die Richtlinien der Stadt gut: „Wir verstehen, dass die Menschen auch mal ihre Ruhe haben wollen. Deshalb ist es gut, dass es unter der Woche eine Pause gibt.“

Elisa erzählt: „Wir haben schon mal in Basel gesungen, da waren die Polizisten voll locker und haben uns ermutigt, weiter zu singen.“ Wenn man sich an die Richtlinien halte, seien sie auch hier in Freiburg nett. Am liebsten singen die beiden auf dem Münsterplatz. Auf die Frage, ob das Singen ihnen in Freiburg Spaß mache, antworten beide ohne zu zögern mit einem überzeugenden: Ja!



Jan Wittenbrink war vor kurzem mit seinem Bruder und seinem Hang (eine Art Trommel, die aussieht wie ein Ufo, siehe fudder-Video) auf Deutschlandtour. Die beiden haben in zwei Wochen in elf Städten auf der Straße musiziert. In München, sagt Jan, müsse man sich früh morgens anmelden und ein Casting bestehen, um auf der Straße musizieren zu dürfen. Da nehme die Stadt auch nur fünf pro Vormittag und fünf pro Nachmittag. Zudem müsse man eine Gebühr von 10 Euro zahlen. In den anderen Städten durfte man hingegen ohne Anmeldung spielen. In den meisten mussten sie jedoch nach 30 Minuten den Platz wechseln.

„Im allgemeinen sollte man nicht vor Geschäften spielen“, rät Jan, „da man meistens weggeschickt wird. Aber ich muss schon sagen, dass sie in anderen Städten toleranter sind als hier in Freiburg. Allerdings ist in Freiburg eine gute Atmosphäre, besonders am Augustinerplatz. Die Kajo ist halt eher für laute Musik. Man verdient gut, wenn man CDs verkauft, wobei das nicht überall erlaubt ist.

In Freiburg verdient man durchschnittlich, in Norddeutschland hingegen viel. Jans Tipp: „Es ist besser in Gassen zu spielen oder in kleineren Städten, denn dort schlendern die Leute und bleiben so eher stehen. Und in kleinen Städten ist nicht so viel Lärm wie in großen.“



Der 30-jährige Jan Gregersen (Foto oben) musiziert seit 17 Jahren auf der Straße. In Kneipen und Bars oder abwechselnd, wenn er gerade Geld braucht. „Ich bin gebürtiger Hamburger und habe dort mit der Straßenmusik angefangen. Mehr als ein Jahr bin ich in Irland gewesen, dann habe ich zwei Jahre in Freiburg gewohnt und bin anschließend für fünf Jahre nach Paris gegangen, um jetzt wieder in Freiburg zu sein.“

Richtlinien gebe es überall  - außer in Hamburg und in Paris, sagt Jan. „In Paris konnte ich sogar einen Verstärker benutzen, was zwar nicht offiziell erlaubt ist, aber da schert sich keiner drum. Sonst hört man einen nicht bei diesen Menschenmassen.“

„In Freiburg habe ich immer das Gefühl, dass die Leute hier Straßenmusik nicht so kennen, die sind hier nicht so übersättigt. In Hamburg dagegen fand ich immer, dass es zu viele von uns gibt. Die Leute laufen in Freiburg viel langsamer und bleiben eher stehen. Hier herrscht einfach eine tolle Atmosphäre! Vor der Volksbank oder hinter dem Kaufhof, spiele ich am liebsten!“ Mit seiner Gitarre und seinem Charme zieht er auch viele Zuhörer an.



George spielt schon seit seinem fünften Lebensjahr Gitarre. Der 41-Jährige musiziert seit zwei Jahren auf der Straße und lebt seit knapp einem halben Jahr nur von Straßenmusik. Er hat schon in Emmendingen, Köln und Friedrichshafen gespielt und würde gerne mal in Basel spielen.

„In Köln musste man jede halbe Stunde den Standort wechseln. Und wenn man eine halbe Stunde gespielt hat, muss man eine halbe Stunde Pause machen. Das war schon doof. Auch blöd finde ich, dass man unter der Woche mittags nicht in Freiburg spielen darf. Ich lebe nun mal davon.

In Emmendingen hat mir das Spielen sehr viel Spaß gemacht, da muss man eigentlich auch nach einer halben Stunde wechseln, aber die sind dort sehr tolerant. Dafür lohnt es sich dort halt nicht immer, weil da nicht so viele Leute unterwegs sind. Aber es ist toll, dass da viele Kinder sind, die zu meiner Musik tanzen. Dann spiele ich auch Kinderlieder. Mir macht es Spaß, Kindern eine Freude zu bereiten.“

Am liebsten spielt George in Freiburg hinter dem Münster. Da können sich die Leute hinsetzen. Aber um den Markt herum, sei es auch schön, sagt er, besonders morgens. „Wenn ich hier hinter dem Kaufhof spiele, dann bleiben weniger Leute stehen. Auf der Kajo spiele ich fast nicht, weil da nur eine Konsumrennbahn ist.“

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