Das sind die Ziele der neuen Interessengemeinschaft Subkultur

Carolin Buchheim

Freiburger Nachtmacherinnen und Nachtmacher haben eine Initiative gestartet, um sich für Subkultur einzusetzen. Worum's den Machern geht, erklärt Valentin Heneka im Interview.

Ihr nennt euch "Interessengemeinschaft Subkultur". Subkultur, was versteht Ihr darunter?
Valentin Heneka: Subkultur ist für uns der passende Überbegriff für all’ die Szenen, die sich bei uns versammelt haben – Popkultur, Jugendkultur, Clubkultur.


Wer ist denn in der IG mit von der Partie?
Wir sind ein breiter Zusammenschluss von Veranstaltern, der sich im Spätsommer 2016 zusammengetan hat. Wir sind DJs, Bands und Konzertgruppen, die die Notwendigkeit gesehen haben, sich zu vernetzen, um gemeinsam etwas an der Lage der Subkultur in Freiburg zu verbessern. Wir haben schnell festgestellt, dass es viele Probleme ganz parallel in verschiedenen musikalischen Sparten gibt – zu wenig Orte zum Proben oder Veranstalten zum Beispiel. Dabei sind Vereine wie Slow Club, Bretterbude und Kulturaggregat, Konzertgruppen wie Slackline City Shows und Lucky Booking aber auch Partyveranstalter, Labels, DJs und einzelne Künstlerinnen und Künstlern, zum Beispiel aus dem Bereich Streetart.

Was läuft denn falsch in Freiburg?
Ich habe den Eindruck, dass hier aktuell viele verschiedene Dinge zusammenkommen. Die letzten verbliebenen Industrieanlagen, wo Bands proben, Künstler ihre Ateliers haben und Veranstalter Partys machen konnten, wurden abgerissen und bebaut. Das betrifft zum einen den Güterbahnhof, aber auch Anlagen wie den Bahnweg. Außerdem sind die Mieten sehr hoch, besonders in der Innenstadt, was dazu geführt hat, dass Clublocations verloren gegangen sind. Dabei gibt’s beim sogenannten Clubsterben verschiedene Gründe – von Missmanagement bist zu befristeten Verträgen, aber wenn man alles zusammen einordnet ergibt sich ein finsteres Bild. Insgesamt gibt es viel weniger reizvolle Sachen als noch vor fünf Jahren. Und bisher gibt es wenig Bewusstsein dafür – und deshalb auch wenig Gegensteuerung. Das wollen wir ändern.

Es gab ja schon viele Projekte, die versucht haben, dieses Feld zu beackern – mit wenig Erfolg. Was ist diesmal anders?
Ich glaube die JPG-Fraktion hat hier viel geleistet, die war schon gut vernetzt. Es war nicht besonders schwer, diesmal alle zusammen zu bekommen. Alle haben sich gefreut, dass es ein szeneübergreifendes Interesse gibt, an der Situation etwas zu ändern.
Wir haben außerdem das Glück, dass wir durch unser breites Bündnis Leute mit sehr vielen unterschiedlichen Skills in unseren Reihen haben. Das ermöglicht uns eine Professionalität, die es so vielleicht bei bisherigen Initiativen noch nicht gegeben hat. Diese Professionalität ist auch zwingend notwendig - wir wollen schließlich politische Prozesse mitgestalten. Da gehört auch der Erfahrungsaustausch mit Leuten aus anderen Städten und Expertinnen und Experten dazu.

Ein Popbeauftragter könnte als Vermittler zwischen Kulturschaffenden und der Stadt fungieren.

Was sind Eure zentralen Forderungen?
Die erste, die wir jetzt auch im Beteiligungshaushalt pushen wollen – das geht noch bis zum 6. Februar – ist die Einrichtung der Stelle eines städtischen Popbeauftragten. Das wurde in Freiburg immer wieder diskutiert und ist immer gescheitert. Ein Popbeauftragter könnte als Vermittler zwischen Kulturschaffenden und der Stadt fungieren. Eine solche Stelle ist natürlich kein Allheilmittel, aber ihre Einrichtung wäre ein wichtiges Signal, dass in der Verwaltung erkannt wird, wie wichtig auch Kultur abseits von Museen und Orchestern für Freiburg ist. Ich habe den Eindruck, da fehlt Wissen und Bewusstsein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum man eine Marketingkampagne wie "Ich liebe Freiburg, weil es rockt", macht, wenn gerade reihenweise Läden geschlossen werden. Auch bei Themen wie Proberäumen und Lärm könnte ein Popbeauftragter vermitteln.

Erzähl was zum Programm der Galanacht und der Konferenz in zwei Wochen.
Damit wollen wir vorstellen, wer in der IG aktiv ist, wofür wir stehen und natürlich Leuten die Möglichkeit geben, dazu zustoßen. Wir wollen einen konstruktiven und kontinuierlichen Prozess anstoßen – gerade auch mit der Stadt. Die Galanacht soll Einblick in die Vielfalt geben, die es in Freiburg schon gibt. Unter einem gemeinsamen Eintritt kommt man in eine Vielzahl von Läden; die Idee war so ein bisschen, nicht vorher zu veröffentlichen, wer wo spielt oder auflegt. Das macht das Abendprogramm ein bisschen wie eine kleine Schnitzeljagd, damit Leute auch mal wo hin gehen, wo sie noch nie waren.
Bei der Konferenz am nächsten Tag geht’s dann ums Inhaltliche. Referentinnen und Referenten halten Impulsvorträge, dann gibt es eine Podiums- und schließlich eine Publikumsdiskussion. Es kommt zum Beispiel Peter James, Landesvertreter der Popbüros Baden-Württemberg. Er kann sicher realistisch einschätzen, was Popbeauftragte überhaupt leisten können.

Was ist ein Nahziel für die IG Subkultur? Wann würdest Du sagen, dass Ihr erfolgreich seid?
Die IG ist schon jetzt erfolgreich – die Vernetzung, die wir jetzt haben, gab es vorher einfach so noch nicht. Aus der allein kann schon viel tolles Neues entstehen. Und wenn es uns gelingt, den Prozess nicht nur anzustoßen sondern auch dauerhaft zu begleiten, wenn noch andere Initiativen dazu kommen und wir das Thema Subkultur dauerhaft ins Bewusstsein der Stadt bringen - dann haben wir einen Erfolg, auf den wir stolz sein können.
Valentin Heneka, Ende 20, ist freier Journalist und legt als Valentin Eka im Freiburger Nachtleben Musik auf.

Die IG Subkultur ist ein Zusammenschluss von Bands, DJs, Künstler, Party- und Konzertveranstaltern aus Freiburg. Mehr Infos gibt’s unter http://ig-subkultur.de/ und auf Facebook: IG Subkultur. Die Galanacht findet am Freitag, 17. Februar 2017 statt, der Kongress am Samstag, den 18. Februar 2017.