Das sind die U19-Europameisterinnen des SC Freiburg

Laetitia Obergföll

Isabella Schmid und Anja Hegenauer haben im Frühjahr die U-19-Europameisterschaft im Frauenfußball gewonnen – jetzt starten sie mit Freiburg in die neue Saison.



18-jährige Mädchen kichern gerne. Da unterscheiden sich Isabella Schmid (links) und Anja Hegenauer (rechts) nicht von anderen. Doch diesen Teenagern können selbst Dauerregen und nahezu tägliches Training in der Ferienzeit nicht die Laune vermiesen. Denn Schmid und Hegenauer sind nicht wie die anderen. Sie gehören zu den begabtesten Nachwuchsfußballerinnen Deutschlands. Anfang Juni wurden sie mit der U-19-Nationalmannschaft in Italien Europameister – das Team gewann mit 8:1 gegen Norwegen. An dem höchsten Endspielsieg in der Geschichte des Turniers waren beide beteiligt, beide schossen je ein Tor. Seit Ende Juni machen sich Hegenauer und Schmid wieder fit für den Ligaauftakt des SC Freiburg.


Gerade einmal 16 waren Schmid und Hegenauer, als sie in den Breisgau kamen. Seither wohnen sie im Sportinternat des Olympiastützpunktes und gehen in Freiburg in die Schule. Nach den Ferien kommen sie in die 13. Klasse, danach wollen beide studieren. Was, das wissen sie noch nicht. Aber eines ist klar: Studiert wird nur dort, wo auch hochklassiger Frauenfußball zu finden ist. "Mein Ziel war es immer, in einer Bundesligamannschaft zu spielen", erzählt Schmid. Deshalb habe sie auch nicht lange nachgedacht, als sie mit 16 zuhause ausgezogen ist. Die Mittelfeldspielerin aus Wangen im Allgäu hatte schließlich auch genug Zeit, um dieses Ziel zu entwickeln. Schon mit vier Jahren kickte sie das erste Mal gegen einen Ball. Und zwar nicht, weil Vater oder Brüder sie zum Training mitgenommen hatten, wie das bei Hegenauer der Fall war, – sondern ihre Mutter. Die war damals selbst Trainerin und unterstützt die talentierte Tochter bis heute. Bei jedem Heimspiel und vielen Auswärtsspielen sitzen ihre Eltern auf der Tribüne. Anfangs spielten Schmid und Hegenauer noch mit Jungs, zur B-Jugend wechselten sie dann in reine Mädchenmannschaften. "Da nimmt das Spieltempo dann schon deutlich ab", erinnert sich Hegenauer, die in ihrer Heimat Ulm ebenfalls schon mit vier Jahren auf dem Platz stand.

Seit sie nach Freiburg gekommen sind, verstehen sich die beiden Mittelfeldspielerinnen prächtig. Bei der EM teilten sie ein Zimmer. Und auch spielerisch schätzen sie die Stärken der anderen. "Sie kann 90 Minuten übers Feld rennen, hat einen richtig guten Schuss aus der Distanz und auch ein gutes Kopfballspiel. Dabei traut sie sich nicht immer so richtig – aber das kriegen wir auch noch hin", sagt Schmid über Hegenauer und grinst die Mannschaftskollegin dabei an. Deren Schwäche sei nur, dass sie selbst mit sich zu hart ins Gericht gehen.

Auch bei Hegenauer ist die Begeisterung zu spüren, wenn sie über die Fähigkeiten der anderen spricht: "Sie ist technisch sehr gut, läuferisch sehr gut. Und auch noch beidfüßig." Beide lachen. Man merkt, wie ungewohnt es für sie ist, über sich selbst und ihren Sport zu sprechen. Geübter ist da ihr Trainer Milorad Pilipovic. Wenn er über Hegenauer und Schmid spricht, kommt er sogar richtig ins Schwärmen: "Ich kann nur in Superlativen über die beiden sprechen. Sie sind ganz nette Mädels und wirklich hervorragende Spielerinnen." Beide hätten sich sehr gut entwickelt, seitdem sie in Freiburg sind. "Sie sind lernbegierig, sehr gut in der Schule und tun alles für den Sport. Ich traue ihnen zu, bei der nächsten Weltmeisterschaft in Kanada angreifen zu können." Beide Spielerinnen sind in der Stammelf des SC gesetzt.

Zu den Spielen der SC-Frauen kamen in der vergangenen Saison ein paar Hundert Zuschauer. Damals war das Team noch in der zweiten Liga. Ob sich das Interesse durch den Aufstieg und die Weltmeisterschaft in Deutschland steigern wird, ist noch nicht absehbar. "Ein Aufschwung im Frauenfußball ist ohnehin da, möglicherweise wird sich dieser jetzt noch etwas verstärken", mutmaßt Hegenauer. Letztlich geht es den Spielerinnen aber vor allem darum, gut in die Saison zu starten und die Klasse zu halten. Auch wenn sie sich natürlich wünschen würden, ihren Lebensunterhalt irgendwann allein mit ihrem Sport verdienen zu können.

Wenn sie vom Fußballspielen erzählen, grinsen Schmid und Hegenauer noch ein bisschen mehr als sonst. Sie lieben Fußball. Fußball spielen. Denn Fußballfreaks, die mit Zahlen und Statistiken jonglieren, sind beide nicht. Nicht mal der Name der besten Spielerin der WM – Homare Sawa – fällt ihnen auf die Schnelle ein. Und auch im Fernsehen muss nicht ständig der Ball rollen. Selbst während der Frauenfußball-WM haben beide lediglich die deutschen Spiele geschaut. Und männliche Vorbilder haben sie sowieso nicht. "Im Männerfußball kenne ich mich nicht aus", sagt Schmid. Wenn es ihr Spielplan zulässt, gehen die Spielerinnen des SC zwar schon mal ins Badenova-Stadion, um ihren Vereinskollegen zuzuschauen. Enthusiastischer als von diesen Ausflügen erzählt Schmid aber von ihrem ersten Treffen mit Rekordnationalspielerin Birgit Prinz, die bei ihrem ersten Bundesligaspiel plötzlich neben ihr stand: "Da ist man schon beeindruckt. Man kennt sie ja sonst nur aus dem Fernsehen."

Die beiden 18-Jährigen trainieren hart, um ihre Ziele in der Bundesliga verwirklichen zu können. Hinzu kommen regelmäßige Leistungstests für die Nationalmannschaft. Dass dies genau das ist, was sich die beiden immer gewünscht haben, sieht man ihnen an. Da kann auch eine Trainingseinheit im Dauerregen ihr Lächeln nicht vertreiben.

Der SC Freiburg spielt am Samstag, 13. August, im DFB-Pokal auswärts gegen den Regionalligisten SV Bardenbach. Die Bundesligasaison beginnt mit einem Auswärtsspiel gegen den SC Bad Neuenahr. Das erste Heimspiel bestreitet der SC am Sonntag, 28. August, gegen den FC Bayern München.



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[Fotos © Achim Keller]