Das sind die Reaktionen auf den BZ-Bericht über die Kritik am CSD

fudder-Redaktion

Vergangene Woche hat die Badische Zeitung über die Kritik der Stadt und Teilen der LGBTI*-Szene am CSD geschrieben. Der Text war auch auf fudder. Es gab viele Reaktionen, die zeigen, wie unterschiedlich der Artikel in der Szene ankam.

In einem Artikel vom vergangenen Samstag hat die Badische Zeitung über kritische Stimmen am CSD in Freiburg berichtet. Der Text lief auch auf fudder. Einerseits klagte Stadt und Polizei darin über die Organisation, andererseits gibt es auch Stimmen aus der Szene, die den CSD durch linksautonome Kreise vereinnahmt sehen. Hierzu gab es mehrere Leserbriefe. fudder veröffentlicht sie auf Grund ihrer Länge in gekürzter Form, in voller Länge sind sie jeweils verlinkt.


Reaktion des Regenbogen Referats

Am Dienstag kam eine Brief vom Regenbogen-Referat des Studierendenrats der Uni Freiburg. Das Regenbogen-Referat bezeichnet sich als die studentische Interessenvertretung der schwulen, lesbischen, bisexuellen, transsexuellen, transidenten und queeren* Studierenden.
Das Regenbogen-Referat für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt des AStA der Universität Freiburg hat die Artikel der Badischen Zeitung zum CSD mit Bestürzung und Wut gelesen. (...)

Insbesondere die Diffamierung des CSD-Orgateams wollen wir kritisieren. Das Organisationsteam, das ausschließlich ehrenamtlich eine der größten Demonstrationen in Freiburg jedes Jahr organisiert, hatte nicht nur ein ausführliches Positionspapier veröffentlicht, sondern auch mehrmals teilnehmende Gruppen zu politischen Slogans aufgefordert.

Dass der CSD als eine unpolitische Technoparty wahrgenommen wird, ist damit nicht die Schuld des CSD-Orgateams, sondern liegt an den einzelnen Gruppen, die das Gesicht des CSDs bilden. Wir teilen die Kritik, insbesondere an lauten, unpolitischen Techno-Wägen, die die Teilnahme für Menschen mit sensorischen Behinderungen und die Teilnahme von Regenbogenfamilien erschwerte. Allerdings sehen wir hier nicht das CSD-Orgateam in der Verantwortung, sondern die Gruppen und Organisationen, die diese Wägen organisieren.
Die BZ-Artikel widersprechen sich allerdings selbst: Zum einen wird über die Darstellung des CSDs als Hetero-Technoparty der Anschein erweckt, der CSD sei unpolitisch, gleichzeitig wird die Anwesenheit politisch überladener linker Gruppen und linker Forderungen – offensichtlich nicht die "richtige" Politik – kritisiert.

Unterdrückungsverhältnisse wie Homo- und Trans*Feindlichkeit hängen eng mit anderen Unterdrückungsverhältnissen wie Rassismus, Sexismus oder Behindertenfeindlichkeit zusammen, weswegen sie auch gemeinsam thematisiert und dekonstruiert werden. Die Community wird hierbei nicht missbraucht (so der zitierte Vorwurf von Betty BBQ, der auch noch gesponsort über facebook verbreitet wurde), sie wird in einen größeren emanzipatorischen Kampf eingebunden, ohne den eine wirkliche Gleichstellung nicht zu erreichen ist.

(...)

Stellungnahme der Rosekids

Am Donnerstag meldete sich der Verein Rosekids e.V., die älteste schwul-lesbische Jugendgruppe in Freiburg.
Wir, der Verein Rosekids e.V. schwul-lesBische Jugendgruppe Freiburg, distanzieren uns klar von der Darstellung im Artikel der BZ "Ist der Freiburger CSD nur noch eine laute Technoparty?", sowie von der Kritik am Organisationsteam des CSD Freiburg. Den Artikel sowie den Kommentar desselben Redakteurs halten wir für äußerst einseitig und nicht nachvollziehbar. (...)

Wir befürworten das offene Konzept des Freiburger CSD sehr, bei dem Menschen aller Couleur an der Versammlung aktiv teilnehmen können. Hier wird der Charakter einer politischen Demonstration bewahrt, während sich andere CSDs des Öfteren zu überkommerzialisierten Show-Paraden entwickelt haben, die nicht zum mitdemonstrieren einladen, sondern dies bisweilen geradezu verhindern. In Freiburg ist das besser. Von einer "Meinungsdiktatur" (Kommentar BZ) kann überhaupt keine Rede sein, uns wurden als Teilnehmer mit eigenem Wagen keinerlei Zwänge auferlegt, sondern alle Freiheiten gelassen. (...)

Wir kritisieren außerdem deutlich, dass einzelne Personen es für sich in Anspruch nehmen, den CSD im Namen der gesamten Community zu diskreditieren, um sich damit selbst in Szene zu setzen. Insbesondere distanzieren wir uns von den Positionen der Freiburger Drag Queen "Betty BBQ". Unzutreffend ist es – und dieser Eindruck entsteht beim Lesen des BZ-Artikels - dass ein Großteil der Community den CSD boykottiert habe.

Reaktion der Interessengemeinschaft CSD

Am Freitag kam von der Interessengemeinschaft CSD ein weiterer Brief. Er wurde von über 100 LGBT IQA+ Community-Mitgliedern unterzeichnet. Der Brief ist auch eine Reaktion auf den ersten Brief des Regenbogen Referats und widerspricht diesem in einigen Punkten.
Dieser Brief ist nicht als Kampfansage gegen die OrganisatorInnen des Freiburger CSD zu verstehen, sondern als Einhalt. Innerhalb der gegenwärtigen
Organisationsstrukturen und Art der Organisation kann der Freiburger CSD nicht weiter bestehen. (...)

Die Meinung, dass das CSD-Organisationsteam die Wahrnehmung des CSD Freiburg 2017 als "unpolitische Technoparty" nicht in seiner Schuld sieht teilen wir nicht. Der Verweis, dass TeilnehmerInnen aufgefordert wurden, politische Botschaften zu zeigen, reicht für die Arbeit eines Organisationsteams nicht aus. Andere CSDs in Baden-Württemberg schaffen ein Regelwerk, das klare Regelungen bezüglich der Menge an politischen Inhalten, Wagensicherheit, Lautstärkeregelungen etc. bietet. Dies sollte auch vom Organisationsteam des Freiburger CSD gewährleistet werden. (...)

Besonders auffällig am Selbstverständnis des Freiburger CSD-Vereins ist der Bezug auf den Berliner transgenialen CSD (T*CSD), die daraus folgende Einbindung antifaschistischer Elemente und der Intersektionalitätsansatz. In Anlehnung an den transgenialen CSD und gestützt auf das Konzept des Intersektionalitätsansatzes fordert der CSD-Verein Freiburg zu einem "antifaschistischen, queerfeministischen, antirassistischen und solidaren" (Website Transgenialer CSD Berlin, Quelle:https://transgenialercsd.wordpress.com CSD auf. (...)

Dieser Ansatz ist prinzipiell als lohnens- und lobenswert zu sehen, da er sich aktiv für eine
Berücksichtigung vieler Problematiken einsetzt und so eine breite Masse von Leuten zur Teilhabe einlädt. Was allerdings zu Reibungen führt, ist die gefühlte Gewichtung der Thematiken. Vielen Menschen geht der intersektionelle Ansatz einen Schritt zu weit. Es scheint, dass die Kernthematiken des Kampfes gegen Homo-, Bi-, Trans- und Interphobie und des Kampfes für Toleranz, Akzeptanz und Gleichberechtigung neben den vielen anderen Themen in den Hintergrund rücken. (...)

Ein vernünftiger Vorschlag, ein Vorschlag der alle am CSD Beteiligten anerkennt, wäre einen Schlussstrich unter das gegenseitige Aufreiben zu ziehen. Auf dieser Grundlage könnte ein Neustrart versucht werden, sodass künftige CSDs in Freiburg wieder an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen und das gesamte Spektrum der Community repräsentieren. Vorschlag: Gemeinsamen Nenner finden! (...)

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