Das Siegesdenkmal wird am Friedrichring abgebaut

fudder-Redaktion

Eine Göttin geht auf Reisen: In Freiburg ist eines der bekanntesten Denkmäler – das Siegesdenkmal – abgebaut worden. Grund sind die Bauarbeiten am Friedrichring. Wie geht es weiter?



Jetzt ist sie weg, die Victoria vom Freiburger Siegesdenkmal: Am Mittwoch um kurz vor 12 Uhr schwebte die sechs bis sieben Tonnen schwere Bronzefigur an einem mobilen Kran in die Höhe, um die Taille gehalten von einem Textilband.


Anschließend landete sie zunächst stehend auf dem Boden neben ihrem ehemaligen Sockel, dann liegend auf der Ladefläche eines Lastwagens. Der brachte sie auf den Bauhof des städtischen Garten- und Tiefbauamts im Industriegebiet Nord, wo sie für fast drei Jahre eingelagert wird.

Die Entfernung des Sockels wird noch einige Tage dauern

Im Laufe des Mittwoch sollen ihr noch die vier Soldaten folgen, die an den Ecken des Sockels lehnen. Größeren Aufwand wird der Abbau des Mittelteils verursachen: Er wurde bei der bisher letzten Umsetzung des Denkmals in den 1960er Jahren mit Beton gefüllt. Bis Ende der Woche will die beauftragte Steinmetzfirma auch Steinsockel und Treppen entfernen, in der nächsten Woche wird dann noch das Fundament angegangen.

Ab Mai verlegt die Badenova dort, wo noch die Reste des Siegesdenkmals stehen, in vier Meter Tiefe einen Abwasserkanal, anschließend beginnen die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Friedrichrings und für die neuen Straßenbahnschienen. Ende 2018 soll das Denkmal, das an den Sieg im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erinnert, fast an seinem ursprünglichen Standort in der Verlängerung der Kaiser-Joseph-Straße vor der alten Karlskaserne aufgestellt. So hat es der Gemeinderat in einem umstrittenen Beschluss im vergangenen Sommer entschieden.

Noch werden Vorarbeiten erledigt

Mitte Januar haben die Arbeiten auf dem Friedrichring am Rand der Altstadt begonnen. Sie gehen in verschiedenen Abschnitten von statten und kommen dem Verkehr in die Quere. Ein Jahr wird im Ring rum gebaut. Die diesjährige Baustelle ist nur ein Vorbote, denn nächstes Jahr geht’s dann drunter und drüber: Die Unterführung unter der Haltestelle Siegesdenkmal wird abgerissen und oberirdisch ein dreiviertel Jahr lang die Straßenbahn gekappt.

Für Auto- und Radfahrer wird’s dieses Jahr auf dem Friedrichring nicht gerade übersichtlicher. Denn für all diese Arbeiten werden dem Tiefbauamt zufolge Spuren gesperrt, eingeschränkt und verschwenkt.

Die Untergrundarbeiten finden statt, bevor auf dem Ring die Straßenbahnlinie gebaut wird. Die neue Tramtrasse führt von der Kronenstraße über den Rotteckring bis zur Haltestelle Siegesdenkmal.

Der Bau der 2,2 Kilometer langen Strecke soll 55,1 Millionen Euro kosten, das Umgestalten der Wege und Plätze 11,4 Millionen. Die Rottecktram soll Ende 2018 bis zum Siegesdenkmal fahren, da müssen die Zuschüsse von Bund und Land (33,3 Millionen) abgerechnet sein.

Zahlen, Großbaustelle und ein Riesenloch

Das wird verbaut

Dieses Jahr werden die Bauarbeiter im Friedrichring einiges unter die Erde bringen – unter anderem werden sie jeweils 500 Meter Gasleitung und Stromtrassen neu verlegen, sagt Matthias Pliefke vom Garten- und Tiefbauamt. Sie erneuern auch einen halben Kilometer Mischwasserkanäle, der Großteil wird dann einen Durchmesser von einem Meter haben.

Das Siegesdenkmal

Das Denkmal wurde nach dem Sieg über Frankreich im Krieg von 1870/71 errichtet und aus französischen Geschützrohren gegossen. Viktoria und die Soldaten wiegen zehn Tonnen und stehen auf Granit. Der Fundamentsockel darunter aus 50 Kubikmeter Beton wird weggespitzt: Das Denkmal steht auf der Tramtrasse, und wird bis zum Wiederaufbau vor der Karlskaserne auf dem städtischen Bauhof gelagert, kündigte das Amt an. Nach Erkenntnis der Unabhängigen Listen im Gemeinderat soll es aber bei der Firma Solvay (früher Rhodia) eingelagert werden, am Freitag wollten die UL vom Rathaus wissen, was das kostet.

Das kommt 2017

In gut einem Jahr wird’s richtig eng auf dem Friedrichring: Im Februar 2017 will das Amt die nächste Stufe zünden. Fast zwei Jahre gibt’s für den Verkehr nur eine Spur pro Richtung, wenn die Straße, die Trasse und ein Boulevard gebaut wird. Zunächst wird der Verkehr auf die Altstadtseite verlegt und bald an einem großen Loch vorbeigeführt, sagt Amtsleiter Frank Uekermann: Ab Februar wird im Baufeld die Oberfläche abtragen und die Fußgängerunterführung unter der Haltestelle Siegesdenkmal zwischen Kaiser-Joseph- und Habsburgerstraße abgebrochen. Bis in 1,50 Meter Tiefe reißen die Bagger Stahlbetondecken und Wände ein – 1000 Kubikmeter Material. Ab Mitte 2016 werden die Tunnel leergeräumt.

Das Loch kappt den Tramverkehr der Linien 2 und 4 voraussichtlich Ende Februar 2017 und für ein dreiviertel Jahr. In der Zeit läuft der zweite Teil der Kajo-Baustelle mit Kanal- und Gleiserneuerung, der erste Teil war 2014 rund um den Bertoldsbrunnen. Im Friedrichring werden 2017 und 2018 alle Oberflächen neu gestaltet: mit 7000 Kubikmeter Platten oder Pflaster aus Granit und 8500 Kubikmeter Asphalt- und Betonstein. Zudem pflanzt das Amt 31 Bäume.

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[Text: von: Thomas Goebel, Julia Littmann, Simone Höhl, Foto & Video: Daniel Laufer]