Weingarten

Das Secondhandgeschäft Spinnwebe hat nun neue Räume

Anja Bochtler

Bis Ende Juni waren sie eine Zeit lang mittendrin gewesen, in einer Zwischenlösung im ehemaligen Edeka des Einkaufszentrums Weingarten. Nun ist die Spinnwebe hinter das EKZ gezogen.

Hinter dem EKZ liegt die Spinnwebe ein bisschen mehr am Rande. Doch da 90 Prozent derjenigen, die ins Secondhandkaufhaus des Diakonischen Werks kommen, Stammkundinnen und -kunden sind, ist das nicht so schlimm. Zur Zeit, während der großen und lauten Bauarbeiten auf dem EKZ-Gelände, ist es hier immerhin angenehm ruhig.


Ab 25 Cent kann man einkaufen

Wer will, kann hier für 25 Cent einkaufen: Das ist der Preis für Groschenromane. Taschenbücher kosten 1 Euro, gebundene Bücher 1,50 Euro. Zum Auswählen und Schmökern stehen zwei Sessel in einer Ecke, die Bernhard Neyer, der als Leiter des Bereichs Erwerbslosenarbeit der Diakonie für die Spinnwebe zuständig ist, besonders gern mag. Es gibt aber auch Hosen für 4 Euro, Blazer für 5 Euro, Sonnenbrillen für 1 oder 2 Euro. Groß ist die Auswahl bei Geschirr aller Art, Tassen kosten 1 Euro. Auch Spielzeug gibt’s vereinzelt: Barbies für 2 Euro, ein weißes Barbie-Pferd für 3 Euro, kleine Plastikspieltiere für 1 Euro. Höhere Summen kann man auch loswerden, bei den Sofas, die zwischen 100 und 150 Euro kosten, oder bei den Schränken – bis zu 200 Euro.

Zwei junge Männer, 18 und 19 Jahre alt, haben sich bei den DVDs umgeschaut – und sich für die Filme "Brügge sehen und sterben?" und "Big Fish" entschieden. Sie wohnen in Emmendingen und kamen zufällig vorbei. Sie stöbern viel in Secondhandläden und finden: "Hier ist das Angebot besser als anderswo."

Bei den Möbeln könnte es gern noch mehr Auswahl geben, sagt Bernhard Neyer. Kleidung und Hausrat gebe es genug. Das sind die drei großen Bereiche, dazu kommen in kleinerem Umfang Bücher, Bilder, CDs und Schallplatten.

Vieles stammt aus Haushaltsauflösungen

Alles hängt davon ab, was abgegeben oder zum Abholen angeboten wird, vieles stammt aus Haushaltsauflösungen, manche bringen auch gezielt Dinge vorbei, die sie spenden möchten oder nicht mehr brauchen. Seit die Spinnwebe vor einem Monat nach dem mehr als doppelt so großen Übergangsquartier an den neuen, 1150 Quadratmeter großen Standort gezogen ist (davon 600 Quadratmeter Verkaufsfläche), wird die Ware angesichts der begrenzten Fläche wieder besonders streng geprüft, nur das Beste bleibt.

Das war in den alten Spinnwebe-Räumen, in denen nach dem Umbau der Mix-Markt Lebensmittel verkaufen wird, ähnlich, weil sie etwa gleich groß waren wie die jetzigen. Bei den Kunden kämen die neuen Räume gut an, sagt Bernhard Neyer. "Sie sind super", findet auch Tatjana Abu Sliman, die seit 21 Jahren in der Spinnwebe arbeitet und Ausbildungsleiterin ist. Sie koordiniert bis zu 55 "Arbeitsgelegenheiten", von denen 40 besetzt sind – von Langzeiterwerbslosen, die vier Stunden täglich arbeiten und einen Stundenlohn von 1,50 Euro zusätzlich zum Arbeitslosengeld II erhalten.

Dazu kommen derzeit drei Mitarbeiter, die nach jahrelanger Erwerbslosigkeit über das Bundesprogramm "Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt" für fünf Jahre fest eingestellt sind und zwischen 50 und 100 Prozent arbeiten – wer nur eine halbe Stelle hat, muss in der Regel mit Alg II aufstocken. Bis zum Ende des Programms 2028 sollen sieben weitere solche Stellen geschaffen werden, sagt Bernhard Neyer. Außerdem teilen sich 13 Hauptamtliche 9,5 reguläre Vollzeitstellen. Die Spinnwebe finanziert sich zu 60 Prozent über die Erlöse im Verkauf, 20 Prozent stammen vom Jobcenter, 15 Prozent von Projekten des Europäischen Sozialfonds, fünf Prozent übernimmt die Diakonie.

Der Verkauf macht nur einen kleinen Teil der Arbeit aus, die meisten sind im Lager oder mit Haushaltsauflösungen beschäftigt. Etliche Mitarbeiter, die vor langem aus dem Arbeitsleben herausgefallen sind, brauchen viel Betreuung, sagt Bernhard Neyer. Nicht nur deshalb sieht sich die Spinnwebe – wie der katholische Kollege "Fairkauf" der Caritas, der nach einem Brand frühestens im Januar wieder eröffnen wird – als sozialer Wirtschaftsbetrieb: Ein weiterer sozialer Aspekt ist, dass viele – vor allem ältere Menschen – hier täglich vorbeikommen, zum Einkaufen, vor allem aber zum Reden.
Spinnwebe: Krozinger Straße 11, geöffnet montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 19 Uhr sowie mittwochs und samstags, 10 bis 14 Uhr, Tel. 0761/476409410