BZ-Interview

"Das Schädlichste an den Hanfzigaretten ist der Tabak"

Clara Surges

Die ersten legalen Schweizer Hanfzigaretten schlagen hohe Wellen, aber high machen sie nicht. Der Freiburger Toxikologe Volker Auwärter erklärt die Hintergründe im Interview.

BZ: Herr Auwärter, macht die Hanfzigarette wirklich nicht high?
Auwärter: Nein. Die Form von Cannabis, die in der Hanfzigarette enthalten ist – der sogenannte CBD-Hanf – hat allenfalls eine sehr milde psychotrope Wirkung, im Gegensatz zum Drogenhanf. Der THC-Gehalt ist mit unter einem Prozent so gering, dass die berauschende Wirkung ausbleibt.


BZ: Auch wenn man die ganze Schachtel auf einmal rauchen würde?
Auwärter: Das haben einige Leute schon versucht – und nicht geschafft. Selbst geübten Rauchern wird es irgendwann schlecht, weil durch das Einatmen der Rauchgase zu viele Giftstoffe aufgenommen werden. High werden ist mit dem Material nicht drin.

"Cannabidiol hat eine krampflösende Wirkung, kann also zum Beispiel Patienten mit Epilepsie helfen." Volker Auwärter
BZ: Statt dem berauschenden THC (Tetrahydrocannabinol) ist in der Schweizer Hanfzigarette ein anderer Bestandteil von Cannabis vorherrschend, das sogenannte Cannabidiol (CBD). Ist das schädlich?
Auwärter: Nein, das Cannabidiol ist gesundheitlich unbedenklich. Das Problem ist, dass Cannabidiol häufig geraucht wird – wie jetzt in Form der Hanfzigaretten. Durch das Rauchen von Tabak und anderem Pflanzenmaterial wird eine ganze Menge an toxischen Schadstoffen erzeugt, die über die Lunge in den Körper gelangen. Das stellt bekanntlich ein großes Gesundheitsrisiko dar. Das schädlichste an den Hanfzigaretten ist also der Tabak. Bei der oralen Einnahme von Cannabidiol in Form von Tropfen gibt es bisher keinerlei Hinweise auf irgendwelche Schäden.

BZ: Dem Cannabidiol kommt derzeit auch in der Medizin viel Aufmerksamkeit zu. Was wird geforscht?
Auwärter: Wir möchten zunächst einmal herausfinden, ob das Cannabidiol einen therapeutischen Nutzen hat – um dann zu erforschen, welche Krankheitsverläufe sich damit günstig beeinflussen lassen und wie die Wirkmechanismen sind. Die Studien stehen noch am Anfang, aber die ersten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Cannabidiol eine krampflösende Wirkung hat, also zum Beispiel Patienten mit Epilepsie helfen kann.

BZ: Warum ist die Hanfzigarette in Deutschland verboten, obwohl sie nicht high macht?
Auwärter: In Deutschland ist Cannabis als Pflanze verboten. Das Gesetz unterscheidet bei Privatpersonen nicht, ob es sich um Drogenhanf handelt oder CBD-Hanf. Damit hat man sich das Problem vom Hals gehalten, das jetzt in der Schweiz auftritt – nämlich dass man jedes Mal erst analytisch bestimmen muss, ob jemand legale oder illegale Hanfblüten mit sich führt. Man sieht dem Material nicht an, um welche Hanfsorte es sich handelt. Nur die Geninformationen unterscheiden sich – und damit die Wirkstoffgehalte.
Volker Auwärter, 47, ist forensischer Toxikologe am Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg. Er beschäftigt sich vor allem mit Cannabis und synthetischen Cannbinoiden.

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