Das Rock Fo(u)r Festival im White Rabbit

Max Orlich

Wiedermal taucht in Freiburg ein neues Veranstalter-Duo auf und versucht sein Glück: Katha von Kick Off Records und Fabi von Power Promotion brachten am Samstag für das Rock Fo(u)r Festival im White Rabbit mit Pandora's Ball, Sunson, Wilson und Sounder gleich vier Bands auf die Bühne. 200 Zuschauer schauten zu, unter ihnen Max.

Pandora's Ball


Los geht‘s mit den Newcomern Pandora's Ball, denen die Freude über die trotz oder wegen des Monkey Jump Festivals zahlreichen Zuschauer anzumerken ist. Die vier Freiburger um Mastermind Arthur haben verglichen mit ihrem Gig im Atlantik vor ein paar Monaten dazugelernt – souveräner und straighter wirken ihre Songs diesmal. Musikalisch irgendwo zwischen Grunge der alten Schule und Industrial-Einflüssen à la NIN geht es abwechslungreich nach vorn.

Dabei steht die Gitarrenarbeit von Daniel und Arthur im Mittelpunkt, die Rhythmussektion wirkt etwas schwächer. Ein wenig fühlt man sich also an Slash und Steven Adler erinnert. Ähnliche Unterschiede werden bei den Stimmen deutlich: während Arthur sich souverän durch Alice-in-Chains-artige Gesangslinien singt und schreit, grenzen die Backings doch teilweise an Körperverletzung. Ein bisschen Arbeit haben die Jungs also noch vor sich, aber insgesamt sind sie definitv eine Bereicherung der Freiburger Rockszene.



Sunson

Mit deutlich mehr Bühnenpräsenz und Show geht es dann weiter, als Sunson die Backline übernehmen und noch ein paar Kohlen drauflegen. Mit ihrer gelungenen Mischung aus Rock, Metal und hymnischen Stücken haben sie das Publikum sofort auf ihrer Seite. Vor allem dank des neuen Sängers Jan-Hendrik ist das, was die Fünf an diesem Abend bieten, weit besser als zu Feed-Your-Mind-Zeiten. Doch trotz charismatischem Frontmann bleiben Sunson stets eine kompakte Band mit einer im Vergleich zu Pandora's Ball tighten und überzeugenden Rhythmusfraktion.

Auch als Sänger Jan-Hendrik und Basser Stefan die Rollen tauschen, können sie das musikalische Niveau halten – kein bloßes effekthaschendes Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel also, sondern eine echte musikalische Bereicherung. Stefan, mittlerweile abermals vom Basser zum gitarrespielenden Sänger mutiert, überzeugt beim balladesken Intermezzo Behind Zero auch stimmlich auf ganzer Linie.

Nachdem die Instrumente wieder an ihre rechtmäßigen Besitzer verteilt sind, geht’s bei den letzten Songs nochmal richtig zur Sache. Wenn sich Sunson so weiterentwickeln, müssen sich Black Fuel als bisherige Platzhirsche in diesem Revier langsam warm anziehen.



Wilson

Als Wilson übernehmen, werden die musikalischen Daumenschrauben etwas gelockert. Runter mit dem Tempo, rüber in Richtung Mainstream-Rock. Auch wenn der Abend schon fortgeschritten ist, sehen die Leute noch nicht doppelt: nein, Arthur von Pandora's Ball ist auch bei Wilson an der Gitarre mit von der Partie und hat nochmal die Gelegenheit, den Slash rauszulassen. Doch im Mittelpunkt steht hier eindeutig Sänger und Sonnyboy Jan, der sich – angetrieben vom präzisen Drummer mit leichtem U2-Faktor und zuckersüßen Backing-Vocals – eine gute Stunde lang durch melodisch-poppige Gute-Laune-Musik singt.

Doch ebendiese will nicht so recht aufs Publikum überspringen – etwas zu glatt, zu perfekt wirkt das alles. Zweifelsohne sehr kompakt, mit gutem Songwriting und professioneller als die beiden anderen Bands, aber nicht zuletzt deshalb auch etwas blutleer. Überproduziert beim Live-Konzert, wenn man so will. Lediglich bei den wenigen Stücken, die das Ruder wieder etwas in Richtung Garagen-Rock rumreißen, zeigen die Jungs, dass sie den Weichspüler eigentlich gar nicht brauchen.



Sounder

Genau da machen Sounder als Headliner des Abends weiter: ohne Weichspüler immer schön die Garage rocken. Die erste Hälfte des Sets lassen es die Stuttgarter noch ruhig angehen und bieten eingängigen Barhocker-Indierock mit erdiger Stimme. Straighter Sound, ein überraschend präziser Aushilfsdrummer und die markante Stimme von Sänger Ebe, ergänzt durch die Chöre von Basser Geige, kombiniert mit musikalischen Einflüssen irgendwo zwischen den Lemonheads und Izzy Stradlin‘, ergeben ein schlüssiges Gesamtbild.



Im Laufe des Gigs schieben Sounder die Barhocker beiseite, singen deutsche Texte und für alle Stimmungs(un)fälle werden die Ärzte herbeigerufen. Fast als stünde nun eine andere Band auf der Bühne, wird es nun energischer, lauter, tanzbarer. Auch wenn es manchmal arg nach Berlin klingt – die Songs sind auf jeden Fall rockbar. Richtig in Fahrt gekommen, drücken Sounder am Ende notgedrungen auf Repeat und verfeuern das halbe Set nochmal als Zugabe, denn „jetzt müsst Ihr uns den Strom abdrehen, wenn Ihr uns von der Bühne haben wollt.“

Von diesem Schwung angesteckt und als wollten sie den Zuschauern beweisen, dass sie auch richtig rocken können, entern Wilson nach Sounders Zugabenfeuerwerk noch mal die Bühne und beschließen mit einem arschtretenden Cover von Suck my kiss den gelungenen Rock-Viererpack.



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