DIY

Das Reparaturcafé im Quartiersladen Stühlinger ist im Einsatz gegen den Wegwerfwahn

Anja Bochtler

Seit drei Jahren gibt’s im Quartiersladen Stühlinger am ersten Samstag im Monat ein Reparaturcafé. Dann wird versucht, Lampen, Toaster oder Plattenspieler wieder zum Laufen zu bringen.

Wie alt der Plattenspieler ist? Das weiß niemand so genau. Regina Maurer hat ihn von ihrem verstorbenen Bruder geerbt, sie schätzt, dass er aus den 1960ern oder 1970ern stammt. Klar ist aber, dass er mal sehr teuer war und von guter Qualität ist – viel zu schade für den Müll. Deshalb hat sie ihn ins Reparaturcafé mitgebracht, zu dem die Bewohnerinitiative Ferdinand-Weiß-Straße/Metzgergrün an jedem ersten Samstag im Monat vormittags in den Quartiersladen einlädt.


Reparieren macht Spaß – und schont die Umwelt

Dirk Lill ist auf der Suche: Was sieht seltsam aus? Er stöbert im Inneren des Plattenspielers herum. Ein Kondensator ist verfärbt. "Der könnte das Problem sein", sagt er. Doch er schaut sich noch weiter um. Einen anderen Kondensator und eine Sicherung hat er vorher schon ausgetauscht – es gab einen Kurzschluss, kurz stieg Dampf hoch. Das hatte er aber schnell unter Kontrolle. Dirk Lill ist Elektroingenieur und neu eingestiegen im Reparaturcafé, als Helfer von Gründer Detlef Schwarz. Der ist Rentner und hat als Elektromechanikermeister und Techniker für Elektrotechnik gearbeitet. Seit drei Jahren repariert er kostenlos Elektrogeräte – weil es ihm Spaß macht, weil er es schade findet, wenn Geräte dauernd im Müll landen, und weil der Wegwerfwahn der Umwelt schadet. Außerdem will er Menschen mit wenig Geld helfen, die hier nichts bezahlen müssen.

Viele ältere Frauen mit wenig Rente bringen Sachen vorbei, oft Lampen. Diesmal kommt eine Bewohnerin der Seniorenwohnanlage Landwasser mit ihrem Radiofunkwecker. Sie ist extra in den Stühlinger gefahren, weil der Wecker seit einem Gewitter nicht mehr funktioniert. Falls der Blitz eingeschlagen hat, hilft gar nichts mehr, sagt Detlef Schwarz. Bei vielen anderen Problemen aber gibt’s Perspektiven, erst recht, wenn es ältere Geräte sind. So wie Regina Maurers Plattenspieler: "Die alten Bauteile gibt es noch", sagt Dirk Lill. Sie lassen sich ersetzen, wenn sie kaputt sind. Da war die alte Analogtechnik dem angeblichen Fortschritt von heute weit voraus: Wenn integrierte Schaltungen auf Handy-Chipkarten Probleme machen würden, sei gleich das ganze Handy nicht mehr zu gebrauchen, beschreibt Dirk Lill den Unterschied.

Alte Geräte sind besser zu reparieren

Neue Geräte seien oft so gebaut, dass man sie nicht mal aufschrauben könne, sagt Detlef Schwarz. Bei der Schreibmaschine von 1991, die ein Mann vorbeibringt, glaubt er, dass er weiterkommen kann. Er ist froh, dass er nun von Dirk Lill unterstützt wird: "Manchmal kamen schon 20 Leute, da musste ich die meisten wegschicken", erzählt er. Dass das Reparaturcafé beliebt ist, findet der Quartiersarbeiter Stefan Purwin gut: "Es bietet auch eine Möglichkeit, sich zu treffen." Dafür sorgen Ehrenamtliche der Bewohnerinitiative, wie Graziella Labartino, die Kaffee kocht, alle anspricht und an die Helfer weiterleitet. Regina Maurer hofft, dass der Plattenspieler irgendwann wieder läuft – ihr Bruder hat ihr einige Platten hinterlassen, die sie gern hören würde.
Quartiersladen Stühlinger

Reparaturcafé: Am ersten Samstag im Monat
Ferdinand-Weiß-Straße 117

0761/ 7671032
Website: Quartiersladen Stühlinger