Das Ping Pong-Interview

Robin Faißt

In fast keiner Sportart tritt der Unterschied zwischen Hobby- und Vereinsspieler deutlicher zu Tage, als an der Tischtennisplatte. fudder-Praktikant Robin spielt selbst in der Jugend der FT 1844 und hat sich mit seinem Trainer Daniel Siegele unterhalten - über Schupfen, Timo Boll und das Image dieser Sportart.



Daniel, einige sagen, Tischtennis sei bloß ein stumpfes Steinplattenspiel.

Tischtennis ist die schnellste Rückschlagsportart der Welt. Voraussetzung dafür ist eine sehr gute Koordination. Der Sport schult die Ballgewöhnung und du kannst unglaublich viel mit dem Ball machen. Es gibt viele andere Schlagvariationen, die man ausprobieren und lernen kann.

Ist ein guter Tennisspieler automatisch ein guter Tischtennisspieler?

Tennis und Tischtennis vertragen sich nicht so gut. Es sind zwar zwei ähnliche Sportarten; wer Tischtennis spielen kann, kann auch ein bisschen Tennis spielen. Aber es geht nicht, beide Sportarten parallel leistungsorientiert zu treiben. Tennis spielst du eher aus dem Arm und Tischtennis mehr aus dem Handgelenk und aus dem Unterarm.

Wie siehst du das Image von Tischtennis?

Das Image ist leider schlecht, denn der Sport ist nicht sehr medienwirksam. Deswegen wurde auch der Ball vergrößert, damit man ihn besser sieht. Im Gegensatz zu anderen Sportarten ist Tischtennis in Deutschland relativ populär. Schaut man sich die Statistiken an, steht Tischtennis überall unter den ersten fünf; zwar deutlich nach Fußball, aber dann ungefähr auf einer Ebene mit Volleyball, Handball, Tennis und Schwimmen.

Warum ist Tischtennis in den Medien vergleichsweise selten zu sehen?

Im Tischtennis geht es ziemlich schnell zu. Du kannst nicht so einfach erkennen, warum da einer den Ball ins Netz schupft. Man kann im Fernsehen nicht erkennen, dass da zu viel Unterschnitt drin war. Es gibt viele Jugendliche in unserem Verein, die nie Tischtennis schauen, weil es einfach langweilig ist, wenn man das nicht sieht. Man muss es selber spielen.

Wenn zum Beispiel die Tischtennisweltmeisterschaft stattfindet - kommen dann plötzlich mehr Menschen, die im Verein trainieren wollen?

Da merken wir keinen Zusammenhang. Wir waren letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft in Bremen. Jeden Tag war die Halle ausverkauft, super Stimmung. Aber es waren nur Tischtennisspieler da. Tischtennis ist für Außenstehende, die mit dem Sport nicht vertraut sind, völlig uninteressant. Da hilft es auch nicht, wenn Timo Boll zu Thomas Gottschalk in die Sendung geht und ihn verarscht und Thomas Gottschalk hält seinen Schläger hin und der Ball fliegt sieben Meter neben die Platte.

Über Medien und Erfolge kann man die Leute eher nicht zum Sport holen, was sehr schade ist. Es gibt ja hin und wieder dieses Sportboom-Phänomen: wenn etwa Boris Becker Wimbledon gewinnt, dann gehen plötzlich alle in den Tennisverein. Aber das gibt es im Tischtennis nicht.



Welche Spieltechniken gibt es?

Es gibt offensive und defensive Spieler. Die Abwehrspieler spielen immer nur mit unterschnittenen Bällen und hoffen, dass der Gegner Fehler macht. Die Defensiven spielen die Bälle nur zurück. Und es gibt offensive Spieler, die Topspin spielen.

Ist das offensive oder das defensive Spiel erfolgreicher?

Das defensive Spiel hat heute fast keine Chance mehr, obwohl durch neue Regeln versucht wurde, dass Spiel wieder attraktiver zu machen. Zum Beispiel darf der Aufschlag nicht mehr verdeckt werden, teilweise ist Frischkleber am Schläger nicht mehr erlaubt, teilweise sind dicke Beläge nicht mehr erlaubt, außerdem wurden die Bälle vergrößert. Man will ja Ballwechsel sehen und im Tischtennis ist das Entscheidende oft Aufschlag und Rückschlag.

Ist man da gut, ist man seinem Gegner überlegen. Die offenen und langen Ballwechsel kommen leider nur selten zustande. Aber das ist ja das attraktive. Heutzutage hast du nur eine Chance, wenn du Vorhand und Rückhand offensiv spielen kannst.

Was macht einen guten Tischtennisspieler aus?

(lacht) Talent, Trainingfleiß, ein guter Kopf. Tischtennis ist eine Psychosportart. Man muss unglaublich nervenstark sein, um in den entscheidenden Situationen entsprechend reagieren zu können. Man braucht Selbstvertrauen. Wenn du dich nicht traust, die Bälle so wie im Training zu spielen, hast du keine Chance. Aber Spiel und Training sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Ist Tischtennis ein Männersport?

Eindeutig nein. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist im Tischtennis nicht so groß wie in anderen Sportarten. Ich habe letztens gegen eine Frau aus der 1. Bundesliga der Damen gespielt und verloren. Natürlich spielt sie fünf Klassen höher als ich, aber im Tennis oder im Fußball wäre der Unterschied noch größer, da es eben keine körperbetonte Sportart ist.

Bei uns im Verein haben wir aber kaum Frauen. Woran dass liegt, weiß ich nicht. Vielleicht, weil wir keine Trainerinnen haben. Die FT ist der größte Sportverein in Südbaden, der zweitgrößte in Süddeutschland mit etwa 7.500 Mitgliedern, da macht man als Mädchen lieber etwas anderes. Aber auf dem Land, wo es nicht so viele Sportangebote gibt, ist Tischtennis bei den Mädchen sehr verbreitet. Spielt man dann zum Beispiel gegen Biengen, gibt es nur Mädels.

Wie läuft ein Tischtennistraining ab?

Im Gegensatz zum Tennis gibt es im Tischtennis nur selten Einzeltraining. Der Trainer gibt allgemeine Tipps und du musst schauen, wie du sie umsetzt. Der oder die Trainer gehen dann meistens durch und kontrollieren. Der Spaß dabei ist sehr wichtig.

Das Training beginnt meist mit regelmäßigen Übungen, das heißt, die Ballwege sind vorgegeben. Dann wechselt man zu unregelmäßigen, dann sind die Ballwege nur teilweise vorgegeben und der Spieler muss entsprechend reagieren.

Im Tischtennis ist die Antizipationsfähigkeit sehr wichtig. Die kriegt man durchs jahrelange Spielen raus. Danach geht es weiter zu Übungen mit Unterschnitt, regelmäßig und dann unregelmäßig. Am Ende kommen Spiele und Turniere.



Wieviel kostet ein guter Schläger?

Mit einem Schläger für 20 Euro aus dem Sportgeschäft kommst du leider nicht weit. Im Tischtennisfachgeschäft bekommst du für 30 bis 40 Euro einen ordentlichen Schläger. Am Anfang reicht das. Die Beläge halten bei Schülern, die ein- bis zweimal die Woche spielen, zirka ein Jahr, dann ist die Griffigkeit abgenutzt. Die Beläge man dann abziehen und neue draufkleben.

Ein Schläger für einen Fortgeschrittenen kostet etwa 80 Euro. Für uns im semi-professionellen Bereich wird es dann schon teuerer. Ich brauche alle zwei Monate neue Beläge, was dann 50 Euro kostet. Das Holz spiele ich schon seit drei, vier Jahren. Wenn man sich daran gewohnt hat, muss man es auch nicht mehr wechseln.

Wie viel hängt von Ausrüstung und Material ab?

Große Unterschiede gibt es vor allem im Holz, die Beläge sind nicht ganz so wichtig. Es kommt darauf an, dass du dich auf dein Material einstellst und entsprechend positiv an die Sache rangehst.

Wenn du kein Vertrauen hast in dein Material, wenn du immer nur jammerst, nach jedem Fehler auf deinen Belag schaust, dann klappt es auch nicht. Es gibt Spieler, die rennen jede Woche ins Tischtennisgeschäft und sagen, sie hätten am Wochenende verloren und kommen nicht damit zu recht und kaufen etwas Neues. Alles Kopfsache. So einen großen Unterschied machen die verschiedenen Schläger nicht aus.

Worauf sollten Anfänger achten?

Anfänger sollten auf die Grundtechniken achten: Vorhand und Rückhand Konter, darauf aufbauend dann der Topspin. Manche kommen auch schon ins Training mit einer leichten Bewegung von unten nach oben. Schupfen muss man üben. Die Beinarbeit ist wichtig, weil es die schnellste Rückschlagsportart der Welt ist. Im Profibereich werden Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern erreicht.

Zur Person

Daniel Siegele studiert Lehramt, Schwerpunkt Grundschule, Fächer Französisch und Sport. Der 25-Jährige spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Tischtennis. Seit acht Jahren ist er als Trainer tätig. Bei der FT 1844 Freiburg ist er für die Nachwuchsförderung verantwortlich.

Mehr dazu:


  • Deutscher Tischtennisbund: Website