Das Örtchen mit den Schwefelhölzern

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie man unangenehme Gerüche beseitigt? Wer gern längere "Sitzungen" abhält, merkt nach einer Weile gar nicht mehr, welcher Gestank durch die Verdauungsgase hervorgerufen wird. Die Riechschleimhaut in der Nase gewöhnt sich mit der Zeit an die Wolke, die jedem, der danach in das Verrichtungszimmer kommt, fast umhaut. Schuld daran ist ein bestimmtes Abbauprodukt von Proteinen. Und bisher gibt es noch wenig, was dagegen hilft.

Was den typischen Kotgeruch hervorruft, ist Skatol, das bei der Verdauung eines essentiellen Eiweißes entsteht. Diese Substanz ist auch in kleinsten Mengen sehr gut riechbar, erzielt dann aber eine völlig andere Wirkung: Auch im typischen Duft einer Blume findet sich Skatol, nur eben in viel geringerer Konzentration.


Das Protein, aus dessen Verdauung dieser Geruchsstoff entsteht, kommt in Fleisch deutlich häufiger vor als in pflanzlicher Nahrung. Deshalb erkennt man im Zoo schon von weitem, wo sich der Raubtierkäfig befindet: Immer der Nase nach. Dass sich auch beim Menschen die olfaktorische Zusammensetzung des Kotes je nach Speisezettel ändert, darauf muss man niemanden mit der Nase stoßen.

Was hilft nun aber gegen den im Bad erzeugten Raumduft? Die erste Möglichkeit ist es, einfach lange genug sitzen zu bleiben – die Nase nimmt den Gestank nach einer Weile aus Gewöhnung nicht mehr wahr. Allerdings ist diese Version nicht wirklich sozial gegenüber anderen Menschen, die einem ähnlichen Bedürfnis nachgehen wollen.

Die zweite Möglichkeit ist, den unangenehmen Geruch zu überdecken. Dazu sind zwar viele chemische Mittelchen erhältlich, die das Bad angeblich immer frühlingsfrisch duften lassen. Doch das Skatol ist sehr hartnäckig, weshalb man viel von dem teuren Zeug versprühen müsste. Deshalb ist die altherkömmliche Methode noch die beste: Durch das Anzünden eines Streichholzes entstehen sehr aromatische schweflige Verbrennungsgase, die von uns als dominant wahrgenommen werden: Auf den Geruch von Feuer sind wir ehemaligen Höhlenmenschen zur Gefahrenabwendung sehr sensibel und er überdeckt den Duft der braunen Hinterlassenschaften.

Das Streichholz schafft es jedoch nicht, wie oft vermutet, die durchaus brennbaren Gase in der Luft (wie etwa Methan) zu entzünden. Diese sind viel zu sehr verdünnt. Und eine echte Verpuffung wäre dem Teint des Klobesetzers nicht zuträglich.