Das OB-Wahl-Interview: Ulrich von Kirchbach

David Weigend

Am kommenden Sonntag wählen Freiburgs Bürger den Oberbürgermeister. Wie stehen die drei Kandidaten zu den Themen, die junge Menschen in Freiburg beschäftigen? Wie haben sie ihre Jugend erlebt? Heute das zweite Gespräch mit Ulrich von Kirchbach, SPD.



Jugend


Herr von Kirchbach, wie war Ihr Leben als 16-Jähriger in Esslingen?

Ich hatte eine schöne, wohlbehütete Jugend. Ich wuchs auf in einem Reiheneckhaus. Mein Vater war Ingenieur, meine Mutter Lehrerin. Nach der Geburt meines fünf Jahre älteren Bruders Gunther und mir kümmerte sie sich um Kinder und Haushalt. Ich besuchte ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium in Esslingen. Das Abitur schaffte ich ohne Ehrenrunde.

Was machten Sie damals in Ihrer Freizeit?

Ich war in einer evangelischen Jugendgruppe. Mein Freundeskreis war groß. Hundert Meter von meiner Haustür entfernt lag die Sportleiterschule. Ich habe auf der Straße viel Fußball gespielt. Gunther spielte beim TB Ruit. Meine Mutter wollte aber nicht, dass ich auch in diesen Verein eintrete, weil dort viel Alkohol getrunken wurde.

Wann wurden Sie politisch aktiv?

Mit elf Jahren schon las ich den Spiegel und Tageszeitungen, mit 16 interessierte ich mich sehr für Politik. Mit 17 habe ich die Juso-AG Ostfildern gegründet und trat in die SPD ein. Wir versuchten, das politische Establishment in Esslingen aufzumischen. Ich setzte mich dafür ein, Theorie und Praxis in Einklang zu bringen. Wir haben zum Beispiel ein Jugendhaus gegründet und Spielplätze hergerichtet.



Wie sah Ihr Jugendzimmer aus?

An Poster kann ich mich nicht erinnern. In meinem Zimmer hingen Fotografien, Städtebilder von Paris und New York. Mit 16 hatte ich ein Zimmer für mich allein, weil mein Bruder auszog, davor hatten wir uns ein Zimmer geteilt. Mein Raum war ein ausgebautes Dachgeschoss-Zimmer mit Schrägen. Ich hatte einen Plattenspieler. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band, Beach Boys, Stones, das sind so die Platten, die ich mit meiner Jugend verbinde. Ich hörte viel Rock und Pop, ging auch in die Disco. Idole waren aber damals schon Politiker.

Welche politische Gesinnung hatten Ihre Eltern?

Sie haben mir jedenfalls nicht nahegelegt, dass ich mich in der SPD engagiere. Ich entschied mich damals gegen die CDU aus drei Gründen. Erstens: Das Versagen der bürgerlichen Parteien während der Nazizeit. Zweitens: Die Ostpolitik Willy Brandts. Ich hatte Verwandte in der DDR und auch deshalb hat mir die Annäherung Brandts gut gefallen, der Versuch, den Kalten Krieg zu überwinden. Drittens: Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit.

Willy Brandt war also ihr Idol als 16-Jähriger?

Ja. Und Gustav Heinemann. Von der Theologie her Dietrich Bonnhoeffer.



Wo lagen die Reibungspunkte zwischen Ihnen und Ihren Eltern?

Wie gesagt, die politische Betätigung. Aber auch lapidare Sachen: Wann kommt man am Wochenende heim? Manchmal gab es Diskussionen ums Outfit. Parka, Cordhose mit Schlag, die Frage nach dem nächsten Friseurtermin. Ich hatte halblange Haare. Mein Elternhaus war zwar liberal, aber es gab auch klare Regeln. Gegen die habe ich angekämpft und ich versuchte, sie aufzuweichen. Mit meiner Mutter stritt ich viel. Mein Vater war ja im Büro und beruflich stark eingespannt. Der kam, wenn überhaupt, immer erst abends nach Hause. Er hatte auch viele Abendtermine. Meine Mutter und ich sind uns sehr ähnlich. Wir sind beide recht temperamentvoll, Sternzeichen Widder. Da ging's manchmal schon sehr emotional zu und stramm gegeneinander.

Wie war das mit Ihrer ersten Freundin?

Die lernte ich in der Tanzstunde kennen, mit 16 oder 17. Meine Eltern sagten aber: „Solange das nichts Festes ist, gibt es klare Grenzen.“ Übernachten war da natürlich nicht drin. Also musste ich andere Wege suchen. Meine erste richtige Freundin hatte ich erst später, als ich studierte. Bis ich 21 war, hatte ich eigentlich auch keine feste Beziehung. Da war ich zu sehr an anderen Dingen interessiert und hatte auch gar keine Zeit für so was.



Für was hatten Sie denn Zeit?

Ich war sehr interessiert an Kultur, ging gern ins Theater. Mit meinen Freunden verbrachte ich immer den Sommerurlaub. Dafür brauchte ich Geld. Ich las also Wasser ab in Privathaushalten, in der Stadtbücherei habe ich auch gejobbt.

Erziehung


Sie haben zwei Kinder: David (9) und Rebekka (8). Haben Sie vor lauter Wahlkampf noch Zeit für Sie?

Wenn ich mal einen Nachmittag frei habe, versuche ich, mit ihnen was zu unternehmen. Sei es eine Fahrradtour oder wir gehen schwimmen, auf den Spielplatz oder wir schauen uns ein Kindertheaterstück an. Oft gehe ich mit meinem Sohn auf den Sportclub. Ich begleite ihn auf Turniere. Er spielt ja selber Fußball und Schach. Meine Tochter spielt E-Gitarre. David war schon als Dreijähriger von Schachfiguren fasziniert. Er wollte immer wieder mit mir spielen. Inzwischen gewinnt er gegen mich. Wenn er sich konzentriert, habe ich keine Chance gegen ihn.

Worüber unterhalten Sie sich mit Ihren Kindern?

Sie beginnen jetzt, Zeitung zu lesen. Wir unterhalten uns dann darüber, was sie da so lesen. Es geht auch darum, was sie gerade in der Schule machen. Wir sprechen über ihre Freizeitaktivitäten, wie sie Geburtstag feiern zum Beispiel. Ich diskutiere mit meinem Sohn darüber, wie es mit dem Sportclub weitergehen könnte. Er hat ja eine Dauerkarte. Wir unterhalten uns auch darüber, was wir abends im Fernsehen angeschaut haben. Oder wir gehen ins Kino.

Wann müssen Sie Ihren Kindern Grenzen setzen?

Klar müssen meine Frau und ich Spielregeln aufstellen. Es gibt zeitliche Begrenzungen fürs Fernsehen. Beim PC muss man unterscheiden zwischen Lernprogrammen und Spielen wie Tennis, Autorennen oder Shooter. Es gibt klare Grenzen, wann die Kinder unter der Woche ins Bett müssen. Am Wochenende sind wir großzügiger. Fernsehen ist begrenzt auf eine Stunde, außer, es kommt abends mal ein guter Film, den dürfen sie auch länger anschauen. Allgemein führen unsere Grenzen aber schon auch zu Diskussionen.

Sind Sie ein strenger Vater?

Wenn man so selten daheim ist wie ich, ist man vielleicht nicht ganz so konsequent. Aber ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass ich meiner Frau nicht in den Rücken fallen darf, denn sie hat die Hauptverantwortung in der Erziehung. Wir leben in einem Dreifamilienhaus, meine Schwiegereltern wohnen oben, die Schwägerin mit Kindern wohnt im Erdgeschoss, wir wohnen mittendrin. So wird meine Abwesenheit ein wenig kompensiert. Andererseits müssen meine Frau und ich uns genau absprechen, damit wir da nicht ausgebootet werden. Aber es klappt ganz gut.



Jugendpolitik


Kommen wir nun zu Themen, die Jugendlichen in Freiburg am Herzen liegen. Beginnen wir mit dem Jugendzentrum Z am Siegesdenkmal. Es steht seit über einem Jahr leer. Warum haben Sie sich nicht früher darum gekümmert, wie es mit dem Z weitergehen soll?

Der Gemeinderat hat sich damals für diese Form des Jugendzentrums entschieden. Schon mein Vorgänger hatte große Bedenken, ob das gut gehen kann mit der Selbstverwaltung. Beim Zeitpunkt, an dem wir gemerkt haben, dass es aus dem Ruder läuft und in die roten Zahlen geht, haben wir die Reißleine gezogen. Und wir haben das Thema politisch aufs Spielfeld gebracht. Ich könnte Ihnen das lückenlos dokumentieren, das war keine schuldhafte Verzögerung. Sobald wir die entsprechenden Informationen hatten, haben wir zeitnah gehandelt.

Und jetzt?

Wir überlegen, wem die Verantwortung über das Z-Programm übertragen werden soll. Der Jugendhilfeausschuss wird darüber entscheiden. Es gab eine Anhörung im Jugendbildungswerk, nachdem sich alle drei Interessenten vorgestellt hatten. Jetzt müssen bestimmte Fragen ausgelotet werden, dann muss eine Entscheidung her.

Ist für sie auch eine kommerzielle Nutzung vom Z denkbar?

Nein. Im Z soll weiterhin Jugendförderung stattfinden. Unter anderen Randbedingungen als bisher, das haben wir gelernt. Es gibt im Übrigen auch die Möglichkeit, die Räumlichkeiten als Proberäume zu nutzen.

Wann fällt die Entscheidung über den Zuschlag?

Bis zu den Sommerferien. Über einen Favoriten will ich mich noch nicht äußern.

Die Stadt wirbt beim Thema „Gewalt von Jugendlichen unter Alkoholeinfluss“ immer wieder gern mit dem Präventionsprojekt Prärie. Wenn man sich den Polizeibericht durchliest, etwa die Meldungen zu Innenstadt-Schlägereien, hat man nicht den Eindruck, dass diese Präventions-Mitarbeiter die Jugendlichen erreicht.

In der Präventionspolitik geht es nicht darum, kurzfristig einzugreifen. Das ist sinnlos. An bestimmten Tagen, an denen es zu Alkoholexzessen kommt, können Sie nur reagieren, aber nicht agieren. Seit die Diskussion übers Alkoholverbot im Bermudadreieck aufkam, habe ich mich für Präventionsprojekte stark gemacht. Ich finde, wir können da schon erste Erfolge verbuchen: „St. Georgen schaut hin“, eine Initiative von St. Georgener Vereinen; auch in Hochdorf wird über die Festkultur diskutiert. Wir sind da auf dem richtigen Weg.

Ich finde es auch sinnvoll, mit den Jugendlichen zu sprechen, nachdem sie eine Nacht in der Ausnüchterungszelle verbracht haben. Das ist ja ein Schockerlebnis für den Betreffenden. Auf der Downtown-Streetparty dürfen keine harten Alkoholika mehr ausgeschenkt werden. Das sind alles Mosaiksteine, die dazu führen, den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen zu bekämpfen. Es ist ein dickes Brett. Alkohol muss nicht verteufelt werden, aber es geht darum, das Maß zu vermitteln. Angehen muss man gegen das Kampftrinken, gegen diese Mentalität: „Saufen, bis die Lichter ausgehen.“



Ist das nicht ein regionales Problem? Es kommen auch viele Jugendliche aus den Umlandgemeinden am Wochenende nach Freiburg, um sich dort zu betrinken.

Natürlich. Die Präventionspolitik kann nur funktionieren, wenn man das Problem regional anpackt. Aber dieses Thema wird auch in den entsprechenden Fachgremien in den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald behandelt.

Finden Sie das nächtliche Alkoholverkaufsverbot sinnvoll?

Ja. Natürlich kann man alles umgehen. Aber es ist zumindest eine gewisse Erschwernis, an Alkohol zu kommen. Ich weiß, dass es gerade in der Nähe von Tankstellen Ruhestörungen gab.

Sie kündigen in Ihrem Wahlprogramm an, den „Bildungserfolg jedes einzelnen Kindes konsequent zu unterstützen.“ Sie wollen jedem Kind, egal welcher sozialer Herkunft, einen qualifizierten Bildungsabschluss garantieren. Das klingt toll. Aber wie wollen Sie das bezahlen?

Armutsbekämpfung beginnt bei der Bildung. Als ich die Verantwortung übernahm, lag der Bildungsetat bei 20 Millionen Euro. Inzwischen liegt er bei 45 Millionen Euro. Bei den Schulen müssen wir investieren, das ist gut angelegtes Geld. Sozialarbeit in Schulen ist wichtig. Ich bedauerte es sehr, dass die Kultusministerin gleich sagte, sie sehe Schulsozialarbeit als den falschen Weg an.

Was sollen denn die Sozialarbeiter in den Schulen genau machen?

In verschiedenen Freiburger Haupt- und Förderschulen haben wir ja schon Sozialarbeiter. Der ist integriert ins Kollegium und arbeitet gezielt mit bestimmten Schülern. Er bietet den Familien Hilfe an. Es geht darum, Probleme im Vorfeld zu erkennen und zu lösen. Immer mehr Schulen sind überfordert, weil die Pädagogen für diesen Bereich nicht ausgebildet sind: „Wie soll ich mit schwierigen Jugendlichen umgehen?“ Dieser Komplex umfasst ja auch Jugendberufshilfe in den beruflichen Schulen. Ich bedauere, dass das Land sich da nicht an der Finanzierung beteiligt, sondern uns das als Kommune überlässt.

Wieviele Sozialarbeiter benötigt eine Freiburger Schule?

Zumindest einen. Das kann auch eine 0,75-Stelle sein.

Sie versprechen im Wahlkampf, 10.000 kommunale Schulstunden zu bezahlen. Auch das kostet.

Wir können nicht immer mit dem Finger aufs Land zeigen. Wir müssen einen bestimmten Ausfall von Stunden mit kommunalen Stunden ausgleichen und ergänzen. Ich denke da an eine Kooperation mit der Volkshochschule oder mit der Musikschule, mit dem Jugendbildungswerk. Es geht darum, Jugendliche gezielt zu fördern. Wir müssen gerade in diesem Bereich ehrgeizige Ziele formulieren. Jeder Schüler muss die Möglichkeit haben, einen qualifizierten Schulabschluss zu machen. Der Anschluss zu einem Ausbildungsplatz muss vor allem gewährleistet sein.

Wie wollen Sie das sicherstellen?

Wir müssen runde Tische einrichten mit den Vertretern der Wirtschaftsverbände und der Handwerkskammern. Es gibt ja auch ehrenamtliche Aktionen, in denen sich ehemalige Personalreferenten um schwierige Jugendliche kümmern. Wir können dieses Problem allein als Stadt nicht stemmen, aber wir können die Rahmenbedingungen schaffen, Gespräche führen. Höchste Achtung verdienen diejenigen Betriebe, die über Bedarf ausbilden. Auch die Handwerksbetriebe spielen da eine wichtige Rolle.

Klingt das nicht etwas weltfremd angesichts der Tatsache, dass viele Betriebe in der Region Stellen abbauen anstatt Stellen zu schaffen?

Ja, aber wir befinden uns alle in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung. Natürlich gibt es immer die besonderen Fälle von Firmen, die jetzt gerade in Bedrängnis sind. Aber es geht darum, Vertrauen zu schaffen und Ansprechpartner zu finden, die sich um diese Dinge kümmern. Auch von Seiten der Stadt. Wir müssen alles dafür tun, dass der erste Schritt eines Jugendlichen nicht der in die Arbeitslosigkeit ist. Denn wenn Sie diese Erfahrung machen, kommen Sie möglicherweise aus den Transferleistungen nicht mehr heraus. Dies soll ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein.



Haben Jugendliche mit einer Zuwanderungsgeschichte in Freiburg die gleichen Aufstiegschancen wie deutsche Jugendliche?

Derzeit sicherlich nicht. Die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind ja nicht dümmer, sondern sie haben einfach das Problem, dass sie manche Aufgaben sprachlich nicht verstehen. Deshalb ist Sprachförderung das A und O. Gut ausgebildete Jugendliche sind unser Potenzial. Es gibt auch einen Riesennachholbedarf für Migrantenkinder beim Übergang in weiterführende Schulen. Da müssen wir deutlich nachbessern, wir sind da nicht gut aufgestellt.

Es gibt in Freiburg keinen direkt gewählten Jugendrat mehr. Wie soll Jugendbeteiligung in Freiburg in Zukunft aussehen und was tun sie dafür, um sie zu fördern?

Wir sind dabei, einen Jugendrat aufzustellen, der sich aus Delegierten aus den Stadtteilen zusammensetzt. Der alte Jugendrat hat nicht funktioniert: Zu hohe Fluktuation der Mitglieder, der Rat hatte zu wenig Charme. Außerdem war er einseitig ausgerichtet, zu viele Gymnasiasten. Ich bin zuversichtlich, dass wir bei der Jugendbeteiligung gut aufgestellt sind, sobald der neue Rat steht.

Werden Vertreter dieses neuen Jugendgremiums an Abstimmungen im Gemeinderat teilnehmen können?

Sie werden auf jeden Fall in einzelnen Ausschüssen einen Sitz haben. Etwa im Kulturausschuss, im Schulausschuss oder im Sportausschuss. Im Jugendhilfeausschuss ist ja jetzt schon ein Jugendvertreter des Stadtjugendrings dabei. Die Jungen bringen sich sehr gut ein. Natürlich diskutieren sie nicht bei jedem Thema gleich intensiv mit.

Die beiden Mitarbeiter des Jugendbüros, Thomas Bartel und Svenja Siemes, haben beide eine 40-Prozent-Stelle. Sie wirken mit dem Umfang ihrer Aufgaben überfordert. Sehen Sie nicht die Notwendigkeit, diese Stellen aufzustocken?

Sie müssen sehen: Wir haben im Kinderbüro auch eine 0,75-Stelle, das Migrationsbüro ist unterbesetzt. Man muss da einfach eine Bestandsaufnahme machen. Wichtig war, dass wir diese 0,8-Stelle im Jugendbüro überhaupt zur Verfügung gestellt haben. Das war ja auch nicht Gott gegeben, sondern das haben wir politisch erkämpfen müssen. Es könnte immer mehr sein. Aber das gilt es dann bei den Haushaltsberatungen zu diskutieren. Ich weiß, die beiden leisten gute Arbeit. Aber Sie können mit den personellen Ressourcen, da muss man ehrlich sein, im Rahmen einer Priorisierung immer nur das Wichtigste machen, aber nicht alles, was wünschenswert ist. Man muss immer beides zusammen diskutieren: Die Inhalte: Was will ich erreichen? Und dann: mit welchem Personal? Aber ich darf umgekehrt nicht sagen: Ich verlange alles von denen, überfordere sie. Und die sollen dann doppelt soviel arbeiten. Das wäre Selbstausbeutung.

Universität


Wie beurteilen Sie rückblickend die Studentenproteste an der Freiburger Uni?

Wichtig ist, dass eine Diskussion in Gang gesetzt wurde über die zunehmende Verschulung von Master und Bachelor. Ich habe den Eindruck, dass sich die Studenten geöffnet haben für andere Gruppen und andere politische Gruppierungen in der Stadt. Sie haben ja auch ein Banner am Theater aufgestellt. Sie haben sich stärker eingebracht in der Diskussion um die Gestaltung vom Platz der Alten Synagoge. Das war ja vorher auch nicht so der Fall. Ich finde, die Stadt muss die Frage der Studentenschaft stärker in den politischen Willenbildungsprozess einbeziehen. Die Studenten gehören zur Stadt. Den Dialog müssen wir fortsetzen.

Wie?

Die Diskussion, die ich 2009 im besetzten Audimax mit den Studenten geführt habe, könnte man fortsetzen. Oder, dass man so eine Art Zukunftsgespräch führt, wie ich es zur Zeit in den Stadtteilen mache. Wo drückt den Studenten der Schuh? Wo sehen Sie die Schwächen der Uni? Man kann solche Gespräche jetzt nicht mit 20.000 Studenten machen, das ist utopisch. Aber da muss man mit den Vertretern der Studentenschaft mal drüber sprechen, wie man das organisieren kann.

Finden Sie, dass das Rektorat der Uni die Anliegen der Studenten ernst nimmt?

Herr Schiewer war den Protesten ja sehr aufgeschlossen, das Rektorat hat die Besetzung des Audimax geduldet. Sie haben diskutiert mit den Studenten. So eine Diskussionskultur ist nicht selbstverständlich. Ich will mir nicht anmaßen, mich in inner-universitäre Meinungsprozesse einzumischen. Das wäre fehl am Platz.

Gibt es genug Wohnraum für Studenten in Freiburg?

Ich bin derzeit noch im Verwaltungsrat vom Studentenwerk, wo es auch um den Bau von Studentenwohnheimen geht. Es ist mir wichtig, dass die Stadt da agiert. Geförderter Wohnungsbau - man muss sehen, ob man da zusammen was machen kann. Zum Beispiel: Wohnraum, der die ersten Jahre als Studentenwohnheim genutzt wird, danach für Wohnungen, die von der Bürgerschaft genutzt werden kann.

[Fotos: Jens Kitzler, David Weigend, Thomas Kunz, privat]

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