Das neue Mondo Musical: Eine Nacht im Schwarzwald

Judith Köhler

Die Mondo Musical Group des Studentenwerks bringt im November die schräge Revue "One Night in Schwarzwald" auf die Bühne. Es geht um acht Showgirls, die im Gasthaus "Zur roten Mühle" auftreten und das Leben von drei Studenten aufmischen. Ein Probenbesuch.



Tanzen, Schauspielern, Singen: Die Proben für das Revuestück „One Night in Schwarzwald“ laufen. Schließlich wollen die Studierenden  der Mondo Musical Group – angehende Psychologen, Historiker oder Kappellmeister – ihr Publikum bald in die skurrile Welt eines Schwarzwälder Etablissements locken.


Ein gar nicht normaler Nachmittag in der Freiburger Mensabar: Draußen nieselt und windet es, drinnen tanzen hochkonzentriert und rotwangig 25 Studenten. Noch hapert es hier und da. „So und jetzt nochmal alles unter Spannung! Die Akzente dürfen nicht verschwimmen!“, ruft Regisseurin Stephanie Heine. Zum dritten Mal arbeitet die 39-Jährige  mit der Mondo Musical Group. Nach  „Company“ und „Footloose“ haben sie sich das Revuestück „One Night in Schwarzwald“ ausgedacht. Es dreht sich um das Gasthaus „Zur roten Mühle“,  das von der Dame Eve geführt wird, und in dem acht Showgirls auftreten. Dort brummt das Leben, dorthin verirren sich eines Nachts drei Freiburger Studenten und die Geschichte nimmt ihren Lauf. „Es ist ein sehr schräges Stück, eine Revue mit viel Quatsch und einem Schuss Ernst. Als Zuschauer muss man sich darauf einlassen“, sagt Heine.

Die Regisseurin hat die Studenten ermutigt, ihre Figuren selbst zu formen und ihnen Leben einzuhauchen. Psychologie-Studentin Claudia Eckert (22) fand es toll, ihre Rolle frei mitgestalten zu können – ohne sich alleingelassen zu fühlen. „Anfangs dachte ich, ich spiele nur irgendein Showgirl, aber jetzt spiele ich einen richtigen Charakter.“ Die Regisseurin fügt hinzu: „Das Stück müsste man sich eigentlich fünfmal anschauen, so gut ausgearbeitet ist jede Rolle.“

Zum Ensemble gehören außer den Studierenden auch eine Band mit acht Mitgliedern, vier professionelle Choreographen und der 66-jährige Laiendarsteller Wolf Aschmoneit, der als Conférencier durch den Abend führt und dabei immer mehr mit der Geschichte verschmilzt. Musikalisch leitet die Truppe die 24-jährige Erina Yashima, die an der Universität ihren Diplom-Kappellmeister macht. Zwei Studentinnen haben zudem an der Choreographie mitgearbeitet.
Obwohl viele der Studenten zum wiederholten Mal bei der Musical Group mitmachen, ist es eine neue Herausforderung. Jeder konzentriert sich bei seiner Rolle zwar auf das, was er am besten kann, erklärt Stephanie Heine. Doch letztlich müssten alle genauso schauspielern wie singen und tanzen.

Für Johannes Joseph (25), der Musikwissenschaft und Geschichte im fünften Semester studiert, ist das Tanzen die größte Hürde. „Beim Singen und Schauspielern meiner Rolle des Vater Adam fühle ich mich wohler, ich hatte auch schon Gesangsunterricht. Aufs Tanzen muss ich mich dagegen richtig konzentrieren. Aber es macht viel Spaß und die Kombination aller drei Disziplinen ist ja auch gerade das Tolle am Musical“, sagt er.

Obwohl keiner der Studenten Gesang oder Kunst studiert, sei das Niveau außerordentlich hoch, findet die Regisseurin. „Einige Zuschauer denken erst: Ach ja, die Studenten. Aber im Nachhinein sind sie ehrlich begeistert“, sagt Stephanie Heine. „Manche Studenten sind so gut, dass sie durchaus als professionelle Künstler arbeiten könnten.“ Sie selbst muss sehr viel organisieren und alle zusammenhalten, was manchmal schwierig ist. „Aber es macht auch sehr viel Spaß, denn die Energie und der Zusammenhalt in der Gruppe sind toll.“ Das wurde zusätzlich gestärkt während eines dreitätigen Probenwochenendes vor Beginn des aktuellen Wintersemesters.

Trotz oder vielleicht gerade wegen der intensiven Arbeit entwickelte sich richtiges Schwarzwaldfeeling in der Truppe. Die jungen Darsteller erzählen, dass sie viel über sich lernen und sich weiterentwickeln. Claudia Eckert: „Es ist toll zu sehen, wie aus kleinen Bruchstücken langsam ein fertiges Stück wird.“ In ihrer Rolle als Showgirl Laure singt sie auch schwierige Passagen, was sie sich in dieser Form vor drei Jahren „im Leben nicht“ zugetraut hätte. Nach ihrem Psychologie-Studium will sie versuchen, ihr Hobby mit der Arbeit zu verbinden. Und Johannes Joseph fügt hinzu: „Es steckt zwar unglaublich viel Arbeit in diesem Stück, aber wir sind alle mit Leidenschaft dabei und das spürt man.“

Website: Mondo Musical Group
Was: One Night in Schwarzwald
Wann: Premiere am 4. November 2010, 20 Uhr; weitere Aufführungen am 5., 6., 12. bis 14. November
Wo: Mensabar, Rempartstraße 18 79098 Freiburg
Tickets: 13 € (ermäßigt 9 €), erhältlich im Infoladen des Studentenwerks, Schreiberstraße 12-16, im Servicepoint Mensa Rempartstraße, an den üblichen Vorverkaufsstellen und bei Reservix

[Dieser Text erschien heute auf der Frisch gepresst-Seite der Badischen Zeitung]

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