Das nächste Lesungskonzert von "Nachhall" wird in Gebärdensprache übersetzt

Gina Kutkat

Texte und Lieder in gemütlicher Atmosphäre vortragen – das ist das Konzept von "Nachhall". Warum das Lesungskonzert dieses Mal in Gebärdensprache übersetzt wird, erzählt Organisator Gottfried Haufe im Interview.

Lesungskonzert oder Konzertlesung? Was macht ihr eigentlich bei Nachhall?

Gottfried Haufe: Wir tragen eigene Texte und eigene Lieder vor. Es ist kein Poetry-Slam, weil wir den Wettbewerbsgedanken nicht erstrebenswert finden. Wir sind immer die gleichen drei Leute – und deshalb müssen wir nicht gegeneinander antreten. Außerdem stehen wir nie auf einer Bühne, weil wir mit dem Publikum auf Augenhöhe sein wollen. Unsere Texte tragen wir defensiv vor und überlassen es jedem selbst, ob er damit etwas anfangen kann. Viele Texte sind autobiographisch, es handelt sich oft um Gedankenspiele – man könnte es auch ’essayistisch’ nennen. Jeder Abend steht unter einem bestimmten Motto, dieses Mal lautet es "Punkte und Streifen". Zum zweiten Mal findet ’Nachhall’ jetzt im Alten Klavierdepot in der Nähe der Dreisam statt, eine intime Atmosphäre ist uns immer wichtig.

Es handelt sich um Eure letzte Nachhall-Veranstaltung in 2017. Was ist dieses Mal anders als sonst?

Der ganze Abend wird in Gebärdensprache übersetzt. Das bedeutet, jedes Lied, jeder Text, jede Zwischenmoderation wird für Gehörlose und Hörgeschädigte verständlich sein. Dank der zwei Dolmetscherinnen, die wir dabei haben. Barbara Herold und Bea Blumrich sind schon seit vier Wochen am Proben, um die Texte durchzugehen. Zum ersten Mal werden wir uns auch alle vorher treffen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass eine Person neben uns steht, die auffällige Bewegungen macht.

Dass Konzerte in Gebärdensprache übersetzt werden, kennt man in Freiburg von den Otto-Normal-Konzerten. War das Eure Inspiration?

Genau. Ich hab Bea bei den Ottos schon mehrfach gesehen, zuletzt bei der Veranstaltung ’Freiburgs Beschde’ im Jazzhaus. Ich finde sie so klasse in der Art, wie sie dolmetscht: Sie geht unheimlich mit, ist enthusiastisch und bringt die Inhalte gut rüber – auch mit Liebe zum Detail. Ich war danach so begeistert, dass ich zu meinem Nachhall-Kollegen Danny Mc Clelland gesagt habe: ’Das machen wir jetzt.’ Wir haben ihr dann unser Projekt vorgestellt und sie gefragt, ob sie mitmachen möchte. Sie war sofort einverstanden, wollte aber gerne eine Kollegin an ihrer Seite haben, um die Vielzahl an Texten stemmen zu können. Ich bin enorm gespannt, wie unsere Texte in Gebärdensprache funktionieren werden.

Eure Veranstaltungen sind stets kostenlos – ihr sammelt Spenden, dieses Mal für den Verein Frauenhorizonte. Habt ihr ein gemeinnütziges Ziel?

Wir verdienen kein Geld und geben die Spenden zu 100 Prozent weiter, das ist der sozial-engagierte Gedanke hinter "Nachhall". Wir möchten gerne ein gemeinnütziges Projekt draus machen, da sind wir aber gerade noch am Aufbau und mit Kulturamt und Finanzamt in Kontakt. Auf mittelfristige Sicht sind wir in irgendeiner Form auf Sponsoring angewiesen, damit wir so weitermachen können.

Neuerdings sind wir auch Teil der Initiative "Die offene Gesellschaft", ein Netzwerk, das Kulturräume schaffen will, in der über eine offene Zivilgesellschaft diskutiert werden kann. Es geht auch darum, Barrieren abzubauen.
Gottfried Haufe ist 27 Jahre alt, hat Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert und arbeitet seit zwei Jahren im Uniradio uniFM 88,4 als Moderator.


  • Was: Nachhalltiger Jahresausklang 2017
  • Wann: Montag, 11. Dezember, 20.30 Uhr
  • Wo: Altes Klavierdebot (Untere Schwarzwaldstraße 9)
  • Eintritt: frei, es werden Spenden für Frauenhorizonte e.V. gesammelt

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